KRITIK

Halloween II – Das Grauen kehrt zurück

Halloween II - Das Grauen kehrt zurück Mit „Halloween – Die Nacht des Grauens“ schuf Regisseur und Drehbuchautor John Carpenter 1979 DEN Klassiker des Horrorfilms. Über die Jahre hinweg und mit immer neuen Grenzüberschreitungen der jüngsten Horror-Produktionen hat der Film zwar einiges an bedrohlicher Wirkung eingebüßt, jedoch erschafft die vom hypnotischen Score angetriebene, dichte und bedrohliche Atmosphäre auch heute noch Schauermomente. So verwundert es nicht, dass dieser Klassiker eine Fortsetzung bekam.

Im Jahr 2010 gibt es jedoch nicht nur eine, sondern bereits sieben Fortsetzungen, ein Remake, eine Fortsetzung des Remakes und eine weitere Fortsetzung des Remakes ist in Planung. Die erste Fortsetzung des Originalfilms kam 1981 in die Kinosäle und gilt unter Horrorfans als beste Fortsetzung. Auf dem Regiestuhl nahm der hauptsächlich für das Fernsehen tätige Rick Rosenthal, der auch für den missratenen achten Teil der Serie verantwortlich zeichnete, Platz. Das Drehbuch für die Fortsetzung übernahmen die Autoren des Originals, Debra Hill und John Carpenter.

Der Film knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an. Nachdem Dr. Loomis (Donald Pleasence) mehrfach auf den als „Personifikation des absoluten Bösen“ dargestellten Killer Michael Myers geschossen hat, stürzt dieser von einem Balkon. Als Loomis sich vergewissern will, ob die Kreatur tot ist, ist Myers verschwunden. Michaels potentielles Opfer der Begierde, Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), wird nach den schrecklichen Ereignissen, die im vorangegangen Film geschildert wurden, in ein Krankenhaus gebracht, um dort ihre körperlichen und seelischen Verletzungen zu kurieren. Da Michael, im übrigen Lauries Bruder, noch am Leben ist, macht er weiter Jagd auf sie.

Was die gezeigte Brutalität angeht, wird, den Gesetzen des Genres folgend, im Gegensatz zum Vorgänger eine mittelgroße Schippe zugelegt. Dem modernen Horror-Fan wird das hier Gezeigte, nach Gourmetmetzeleien wie „Saw“, „Martyrs“ oder auch Rob Zombies „Halloween“- Remakes, jedoch kaum schocken können. In den frühen 80ern allerdings galt der Film durchaus als hart, was diverse Kürzungen und Verbote zur Folge hatte. Fans müssen sich heute anstrengen, an eine gänzlich ungeschnittene Version des Films zu kommen.

Ungeachtet der heftigeren Gewaltdarstellungen, darf man bei den prominenten Autoren eine ordentlich geschriebene Fortsetzung erwarten. Tatsächlich ist es aber im Endeffekt gerade das Drehbuch, das diesem Film das Genick bricht. An Inhalt gibt es tatsächlich nicht mehr zu erzählen als in obiger Inhaltsangabe. Myers tötet auf dem Weg zu Laurie alle, die ihm im Weg stehen. Gründe dafür? Na klar, er ist böse. Dass auch der erste Teil keinen tauglichen psychologischen Unterbau hatte, ist kein Geheimnis. Im zweiten Aufguss macht sich dieses Problem auf Grund fehlender Symphatiefiguren allerdings weitaus unangenehmer bemerkbar.

Die Geschichte wird geradlinig weitergeführt ohne irgendwelchen Impulse zu setzen oder die bereits aus dem ersten Teil etablierten Charaktere weiterzuentwickeln. Die Schauspielerriege verkörpert ihre eindimensionalen Figuren regelrecht lustlos, selbst Jamie Lee Curtis scheint ihrer Figur rein gar nix mehr abgewinnen zu können. Kurioserweise bekommt gerade sie als Hauptdarstellerin unglaublich wenig Leinwandzeit. Wenn sie dann mal zu sehen ist, bleibt ihr nur die schauspielerische Leistung eines ängstlichen Gesichtsausdrucks, Schreis oder eines unnötigen One-Liners. Sie ist gänzlich austauschbar. Auch die weiteren Figuren sind klischeehaft gezeichnet und verhalten sich durchgängig dumm und nie der Situation angepasst. Die Leute wissen, dass ein Killer unterwegs ist, rennen diesem aber scheinbar absichtlich immer und immer wieder in die Arme. Lediglich Donald Pleasence kann seinem Dr. Loomis ein wenig Profil verleihen, weiterentwickeln kann er die Figur jedoch nicht, was einzig und allein dem unausgegorenen Drehbuch anzulasten ist.

Dennoch kann sich der Film trotzdem von der Masse ähnlicher Produktionen, sowie den eigenen Fortsetzungen, abheben. Die Gründe hierfür finden sich in Rosenthals Inszenierung. Er setzt wirkungsvoll langsame Kamerafahrten ein, die die Spannung teilweise in Höhen treibt, die Carpenters Vorgänger nahezu gerecht werden. Auch das Spiel mit Licht und Schatten sowie das genretypisch eingesetzte Stilmittel der Spiegelung fallen handwerklich positiv auf. Der Einsatz von John Carpenters Musik, die schon „Halloween“ merklich aufwertete, hievt den Streifen dann gänzlich aus dem qualitätsarmen Einheitsbrei heraus.
Letztendlich bleibt „Halloween 2“ ein annehmbarer Horrorfilm, der als Fortsetzung zwar nur bedingt überzeugt, durch die handwerklich geschickte Inszenierung ein einmaliges Ansehen aber durchaus rechtfertigt.



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INHALT

Es ist noch immer Halloween... Obwohl Dr. Loomis mehrfach auf Michael Myers gefeuert hat, schafft es der Killer auf mysteriöse Weise zu entkommen. Die junge Laurie Strode wird mit einem Schock erst einmal in ein Krankenhaus eingeliefert. Doch der wahre Horror fängt jetzt erst an, denn Michael Myers verfolgt Laurie fanatisch weiter und tötet jeden, der sich ihm in den Weg stellt.
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