KRITIK

Hallam Foe – This is my Story

Hallam Foe - This is my Story Der Junge ist ein Späher und Spion, ein Indianer der Highlands, der sich des Nachts ein Dachsfell überstreift, die Wangen mit Lippenstift bemalt und auf den Kriegspfad geht. Aus dem Baumhaus heraus, auf dem feudalen schottischen Land-Anwesen seines erfolgreichen Architektenvaters, beobachtet er mit dem Fernglas das Leben der anderen, insbesondere das der bösen Stiefmama Verity.

Denn Verity hat, davon ist der 17-jährige Hallam Foe überzeugt, seine leibliche Mutter auf dem Gewissen. Jagdszenen eines Pubertierenden – doch vor die Linse bekommt er nur Verführungsmomente, Sex aus der Ferne, indes keine Verdachts-erhärtungen. Als die Stiefmutter Hallam schließlich in seinem Wipfelnest besucht und erotisch um den Finger wickelt, ist die Zeit für ihn gekommen auszureißen – doch auch in Edinburgh lichtet sich die Konfusion im Kopf nicht.

Es ist eine oft märchenhaft entrückte, dabei jedoch stets realistisch grundierte Coming-of-Age-Geschichte, die Regisseur David Mackenzie („Young Adam“) hier mit dem hervorragenden Jamie Bell in der Hauptrolle erzählt. Der wurde berühmt durch seine Rolle des ballettbegabten Arbeiterkindes Billy Elliott. Hallam, dieser Tagträumer und Verschwörungsnarr, trifft in der großen Stadt durch Zufall eine Frau, die seiner Mutter in jungen Jahren zum Verwechseln ähnlich sieht. Flugs heuert er als Küchenhilfe in dem Hotel an, wo auch die hübsche Kate (Sophia Myles) arbeitet, und schon bald wird er zum Giebelkletterer – „Über roten Dächern“ heißt die Romanvorlage von Peter Jinks –, der seiner Geliebten durchs Fenster beim Liebesspiel mit dem Hotelmanager zusieht. Hallam ist dabei ein Gratwanderer zwischen Schaulust und Voyeurismus, ein bisschen unschuldig, ein wenig abgründig. Klar ist nur, dass er die Wirklichkeit nicht erträgt, schon gar die nicht die Erfüllung seiner Wünsche. Das Abenteuerreich der Kindheit zu verlassen und den Schritt in die geheimnislosere Erwachsenenwelt zu wagen – das ist nichts für diesen Hamlet`schen Zweifler, den Ödipus in Spülschürze. Und doch erzählt MacKenzies verschrobener Film auch eine schöne Liebesgeschichte.



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INHALT

Hallam Foe ist ein Teenager im ländlichen Schottland. Die meiste Zeit verbringt er damit, andere Menschen und seine Umwelt heimlich zu beobachten. Immer stärker rückt seine Stiefmutter in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen, denn Hallam vermutet, dass sie Schuld am Jahre zurückliegenden Tod seiner Mutter haben könnte. Panisch flieht er nach Edinburgh, wo er zunächst wieder dazu übergeht, Menschen zu beobachten. Unter anderem ein Mädchen, das ihn fasziniert: Sie sieht seiner Mutter verblüffend ähnlich. Um sie kennenlernen zu können, muss Hallam seine Passivität aufgeben - und steht auf einmal mit beiden Beinen im Abenteuer Leben.
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