KRITIK

gute Hirte, Der

gute Hirte, Der „Wenn du jemanden liebst, musst du ihm vertrauen, anders geht`s nicht“ – so spricht Robert De Niro zu Beginn aus dem Off von Scorseses „Casino“, diesem opernhaften Epos über den Verrat.
Um die Frage, was aus Menschen wird, die niemandem mehr trauen können, geht es nun auch in De Niros Drama „The Good Shepard“, seiner zweiten Regiearbeit nach „A Bronx Tale“. Es ist die spannende Geschichte eines Spions, der aus der Kälte kommt und mit dem Leben auch nicht mehr warm wird. Ein herausragendes Charakterporträt über eine vaterlose Generation und ihre ethische Leere.

Strippenzieher Matt Damon, der sonst nicht immer überzeugt, spielt diesen Edward Wilson famos als Mann ohne Eigenschaften, der eine Frau heiratet, die er nicht liebt (Angelina Jolie), und einem Land dient, das ihn zu einer Schattenexistenz verdammt. Wilson wird als junger Literatur-Student in Yale Mitglied im tatsächlich existierenden Männergeheimbund Skulls-and-Bones, einer Burschenschaft für aufstrebende Polit-Strippenzieher, lässt sich später vom Office of Strategic Services anwerben und dazu verführen, seinen Poesie-Professor ans Messer zu liefern, und wird schließlich zum Mitbegründer des Auslandsgeheimdienstes CIA, wo er zu den Verantwortlichen für die Kuba-Invasion zählt.

Mit diesem Schweinebucht-Desaster setzt De Niros Film ein – und mit der Frage, wo die undichte Stelle innerhalb der Agency liegt. Zu diesem Zeitpunkt ist sein Edward Wilson längst sich selbst, seiner Familie und der Welt des Kalten Krieges restlos entfremdet. Dieser Spezialist für Gegenspionage kennt bloß noch das Spiel mit dreifachen Bluffs und Manövern, ein stoischer Patriotismus lässt ihn einfach weitermarschieren.
Die Iren hätten ihre Heimat, sinniert da einmal Joe Pesci, die Juden ihre Tradition, die Neger ihre Musik – „und was habt ihr?“ „Die Vereinigten Staaten von Amerika“, entgegnet Wilson, „und ihr seid nur zu Besuch“.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Edward Wilson wird 1939 als Yale-Student vom FBI rekrutiert, um seinen Englisch-Professor als Nazisympathisanten zu überführen. Aus Pflichtgefühl heiratet er die von ihm geschwängerte Clover, verbringt aber sechs Jahre im Auftrag des OSS in Übersee. Sein von ihm vernachlässigter Sohn tritt in die Fußstapfen des Vaters und geht zur CIA.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu gute Hirte, Der

  1. Faromir

    Es heißt, das Amt formt den Menschen mehr, als der Mensch das Amt formt. Matt Damon spielt hier einen so formlosen Menschen, dass dieser Ablauf, wenn man in dem Film denn sehen möchte, verschwindet, er scheint für sein Amt geradezu geschaffen. Um ihn herum entsteht nur Unglück. Und am Ende scheint er, als hätte er zwangsläufig von allen ihm möglichen Lebenswegen den bösesten eingeschlagen. Ein Thriller ohne Spannung.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*