KRITIK

Gut zu Vögeln

Bild (c) Constantin Film.

Bild (c) Constantin Film.

Mit „Mir war wichtig, dass die romantischsten Szenen des Films an einem sehr unromantischen Ort stattfinden“ wird Regisseurin Mira Thiel, die auch das Drehbuch zum Film schrieb, im Presseheft zitiert. Ein Vorhaben, das sie mit der Eröffnungsszene allerdings wieder über Bord wirft: Ein englischer Aristokrat, gespielt von Christian Tramitz (mit buschigen Koteletten) bittet in einer dick ausgepolsterten, schaukelnden Pferde-Kutsche um die Hand seiner wesentlich jüngeren Angebeteten (Susan Sideropoulos). So künstlich wie romantisch. Doch auch, wenn es sich hier um eine Film-im-Film-Szene handelt, um die aktuelle Wirkungsstätte der Hauptfigur vorzustellen, ein Filmset, auf dem Protagonistin Merlin (Anja Knauer) nur wenig später von ihrem vermeintlichen Ehemann und Chef einer Produktionsfirma verlassen wird, bleibt diese Szene bis zum Ende die romantischste des ganzen Films.

Nicht zu unrecht trägt „Gut zu Vögeln“ deshalb den zugegeben wirren Untertitel „Eine antiromantische Liebeskomödie über die Bindungsunfähigkeit unserer Generation“. Was will uns die Regisseurin, deren Debüt angeblich stark autobiographische Züge trägt, mit dieser Einstiegsszene und vor allem mit dem mißverständlichen Untertitel sagen? Beziehungen – lasst es bleiben? War früher alles besser? So radikal ihre Haltung, so trivial sind später ihre Mittel: Nach der Trennung von ihrem Traummann durch eine SMS quartiert sich Merlin, gelernte Journalistin, ausgerechnet in eine Männer-WG ein. Und wer jetzt gehofft hatte: Bitte nicht noch einmal so ein kräftiger Griff in die Klischeekiste deutscher Komödien-Selbstfindungen a lá „Männerherzen“ und Co. einschließlich peinlicher Momente und stereotyper Kumpelfiguren… dem sei an dieser Stelle gleich die Hoffnung genommen. Szene_GzVDoch, es geht um eine weitere Zustandsbeschreibung einer Altersklasse, die das deutsche Publikum gefühlt ein Dutzend mal auf der Leinwand gesehen hat. Ging es jedoch in Möchtegern-Komödien wie „Vollidiot“ (2007), „Resturlaub“ (2011), „What a man“ und Co. um den deutschen Mann als vielgescholtenes Wesen, so will nun Mira Thiel von ihrem eigenen, persönlichen, weiblichen Drama erzählen.

Nun gut. Warum dies allerdings ausgerechnet mit einer „antiromantischen“ Komödie sein muss, um über die Bindungsunfähig unserer Generation zu berichten, das dürfte ihr Geheimnis bleiben. Zumal sich das Männerbild von Frau Thiel anscheinend seit den 90ern kaum weiterentwickelt hat: Ihr Alter Ego, Merle, findet Unterschlupf in der Männer-WG von Jakob, einem Studienabbrecher und Barkeeper, gespielt von Max von Thun („Einmal Hans mit scharfer Soße„, 2014) und Nuri, einem schwulen Türken, gespielt von Samy Challah. Während letzterer im ganzen Film etwa fünf Sätze Dialog hat, darf Max von Thun seine x-te Variation des Frauenverstehers geben, dessen Charme natürlich auch vor Merle nicht Halt macht.

Szene_GzV_2Nicht vergessen: Männer sind Vollidioten! Deshalb sollen auch bei Frau Thiel die Männer-Apotheosen im Vulgär-Klamauk und Ballermännersumpf versinken, während die frisch eingeflogene, eifersüchtige beste Freundin ihr Baby auf der Tanzfläche der Großraumdisco unter den johlenden Fangesängen des Mallorca-Partyvolkes zur Welt bringen muss. Vom obligatorischen „Print-ist-tot-Statement“ über den „Trostfick“ zum Rückzug auf´s Land: Wer bis hierhin noch nicht genug hat, der darf sich noch auf einen streng zur Liebe zum schlechtesten Film aller Zeiten („SchleFaZ“) verpflichteten Oliver Kalkofe freuen, der zunächst als zerstreuter Frauenarzt wenig später als Alpecin-TV-Werbefigur die Langzeitwirkung von Kondom-Spray aus der Dose veranschaulicht.

Kurz zusammengefasst: Männerkrisen-Gruppenbild trifft im Großstadt-Dschungel Berlin auf spießige Journalistin mit Liebeskummer: Macho-Womanizer? Hamm´wa (Fritz von Thun)! Quoten-Schwuler? Hamm´wa ooch (Samy Challah)! Spießiger Einzelgänger? Yoo (Max Giermann)! Das konservative, türkische Elternpaar! Aba klaa (Hasan Ali Mete, Özay Fecht)! Wat fehlt noch? Na, die prominenten Randfijuren! Da, kiekste (Rolf Eden, Lotto King Karl, Oliver Kalkofe)! Und wie oft muss ich mir diesen Sch… noch antun? Na, solange ein Millionenpublikum stets auf´s Neue auf die zugegeben clever inszenierten Trailer hereinfällt (die übrigens die besten Witze stets vorweg nehmen) und sich dann für eine zeitentrückte Sketch-Parade ins Kino locken lässt. Wer´s mag.

 




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