KRITIK

Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß

Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß Dass es mehr oder weniger verhohlenen Rassismus in Deutschland gibt – daran besteht leider kein Zweifel. Ihn investigativ aufzuspüren und öffentlichkeitswirksam anzuprangern, ist ehrenwert.

Doch die neueste Verkleidungsaktion des Enthüllungsreporters Günter Wallraff ist zumindest fragwürdig: Er lässt sich braun anpinseln, setzt sich eine Kraushaarperücke auf und zieht los, um als falscher Somalier Kwami nach geballter Ablehnung zu suchen. Er findet sie – fast muss man sagen: wen wunderts! – unter xenophoben Kampfhundezüchtern, Kleingärtnern und rechtsextremen Fußballfans von Dynamo Dresden.

Der Selbstversuch ist für den deutschen Publizisten Wallraff die entlarvenste Form des investigativen Journalismus. Als „Hans Esser“ schlich er sich in die Redaktion der „Bild“-Zeitung ein. Als Türke „Ali“ erforschte er die Lebens- und Arbeitsbedingungen von damals noch sogenannten „Gastarbeitern“.

Kwami hat hier manchmal einen anonymen Begleiter dabei, einen weißen Deutschen, auch er mit versteckter Kamera. Die nimmt dann auf, was unter Schrebergärtnern, Dauercampern und Hundefreunden so geredet wird über den merkwürdigen Neger, wenn der weg ist.

So schlimm es auch ist: Ein neuer Befund ists nicht, was hier gezeigt wird. Die Ressentiments findet er fast nur in tief provinziellen Milieus, kaum in der urbanen Mittelschicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass Wallraff oft so penetrant auftritt, dass manches „Opfer“ wohl auch geschimpft hätte, wäre Kwami einfach Horst-Dieter aus Wattenscheid gewesen. Wie Wallraff sich zu einer schrillen Vogelscheuche schminken und kostümieren lässt, um als Somalier durchzugehen, das hat etwas Geschmackloses und Perfides. Er äfft diejenigen nach, die er sich offenbar nur als Opfer des Rassismus vorstellen kann und nutzt sie zur Erzeugung bizarrer Szenerien. Er legt das Erwartbare frei.



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INHALT

Ein schwarzer Migrant reist durch Deutschland und stellt die Gastfreundschaft der Einheimischen auf die Probe. Doch was die Menschen, auf die er trifft, nicht wissen - dieser Schwarze ist in Wirklichkeit Günter Wallraff. Ein Jahr lang war der berühmte Undercover-Journalist perfekt maskiert und mit versteckter Kamera in der Republik unterwegs und erlebte am eigenen Leib, wie Deutsche mit schwarzen Mitbürgern umgehen. Nicht selten setzte sich Günter Wallraff in der Maske des afrikanischen Migranten Kwami unkalkulierbaren Risiken aus.
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