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Guardians of the Galaxy Vol. 2

Bild (c) 2017 Walt Disney Studios Motion Picture Germany.

Auch wenn das Marvel-Studio zuvor bereits große Erfolge verbuchen konnte, war die Popularität des ersten „Guardians of the Galaxy“ sicherlich für alle Beteiligten eine Überraschung. Die Adaption basierte weder auf einer bekannten Comic-Reihe noch hatte sie große Stars zu bieten – Metriken, die Studios normalerweise für wichtig halten, um einen Kassenerfolg zu erzielen. Stattdessen war Hauptdarsteller Chris Pratt bestenfalls aus TV-Rollen bekannt, Zoe Saldana wurde unter mehreren Schichten grünem Make Ups versteckt, und die beiden größten Namen, Vin Diesel und Bradley Cooper, synchronisierten obskure CGI-Charaktere.

Dennoch konnte das Grundkonzept eines großmäuligen Weltraumpiraten, der sich mit einem sprechenden Baum, einem sprechenden Waschbär, einer Kriegerprinzessin und einem Muskelpaket ohne Sinn für Humor auf dem Weg macht, um die Galaxie zu retten, das Publikum bestens unterhalten. Die starken Einspielergebnisse verdeutlichten, dass Marvel augenscheinlich nichts mehr falsch machen, sondern mit so ziemlich jeder noch so abstrusen Comic-Adaption die Geldmaschine anwerfen kann.

Mitunter war das auch der Verdienst von Regisseur James Gunn, der mit Nicole Perlman das Drehbuch schrieb. Gunn hatte zuvor mit der Horrorkomödie „Slither – Voll auf den Schleim gegangen“ (sehenswerter als der deutsche Titel vermuten lässt) und ausgerechnet mit der Superhelden-Groteske „Super – Shut up, Crime!“ auf sich aufmerksam gemacht. Kleine, gemeine Genre-Abwandlungen, die allerdings kein großes Mainstream-Publikum erreichten. Mit dieser Sensibilität schien er allerdings genau der Richtige für Marvels Außenseiterprojekt zu sein.

Dem einem oder anderem kommt die Geschichte eines ungleichen Teams, das zusammen findet, um gemeinsam das Universum zu retten, vielleicht bekannt vor: Einige Jahre zuvor konnte Joss Whedon mit „Firefly“ und der Kinofortsetzung „Serenity“ zumindest Kulterfolge feiern. Und nicht lange vor den Guardians machten die Avengers eine ähnliche Reise. Auch wenn der Handlungsverlauf nicht ganz frisch war, hatten eine freche Attitüde und sehr viel Sinn für Humor im Angesicht großer Bedrohungen mindestens 80 Prozent der Erfolgsformel ausgemacht. James Gunn brachte außerdem eine quietschbunte Optik und einen stimmigen Soundtrack mit ans Reißbrett. Das Weltraumabenteuer hob sich gerade deswegen von den bisherigen Marvel-Produktionen ein wenig ab.

Im Grunde knüpft „Guardians of the Galaxy Vol.2“ genau dort an: Haudegen Peter „Starlord“ Quill (Chris Pratt) hat weiterhin ein Auge auf die schöne Kämpferin Gamora (Zoe Saldana) geworfen, der muskulöse Krieger Drax (Dave Bautista) findet immer noch für jede Situation äußerst ehrliche aber meistens unpassende Worte, und „Rocket Racoon“ (im Original von Bradley Cooper gesprochen) bleibt ein richtiger Frechdachs (obwohl er eigentlich ein Waschbär ist), der jedes Wesen in unmittelbarer Umgebung beleidigt. Einzig und allein Groot (Stimme: Vin Diesel) ist wesentlich kleiner und niedlicher als es noch zuvor der Fall war, dafür wird er alle Sympathien und Niedlichkeitsbekundungen auf seiner Seite haben sowie nicht zuletzt für jede Menge verkauftes Baby-Groot-Spielzeug sorgen.

Aber nur weil sie gemeinsam das Universum einst gerettet haben, heißt das noch lange nicht, dass sich dieses bunte Gespann auch weiterhin gut versteht, denn Rocket geht bei einer seiner Missionen zu weit und stiehlt wertvolle Batterien von der sehr stolzen Hohepriesterin (Elizabeth Debicki). Dies hat nicht nur den Unmut der Crew zur Folge, sondern zieht auch den Zorn des nachtragenden Volkes auf sich. Ein geheimnisvoller Unbekannter kann das Team zwar gerade noch so vor dem Schlimmsten bewahren, trotzdem stranden Peter Quill und seine Crew auf einem verlassenen Planeten. Der hilfreiche Fremde entpuppt sich als Peters Vater Ego (Kurt Russell) und lädt den Sohnemann, Gamora und Drax zu seinem höchsteigenen Planeten ein. Rocket und Baby-Groot bleiben dagegen zurück, um das Raumschiff zu bewachen und zu reparieren. Für alle werden die Geschehnisse eine unerfreuliche Wendung nehmen. Und nicht nur, weil sich der Kopfgeldjäger Yondu (Michael Rooker) an ihre Fersen heftet.

Was die erste Episode zwar nicht unbedingt einzigartig aber dennoch sehenswert machte, war die charmante Chemie zwischen den fünf Protagonisten. Gunn wagt in seiner Fortsetzung eine kleine Abweichung von diesem Rezept, indem er seine Hauptfiguren über einen großen Teil der Laufzeit voneinander trennt. Die Karten werden dadurch aber nur bedingt durchgemischt. Zwar ergeben sich zum Teil neue Figurenkonstellationen, allerdings jongliert Gunn mit zu vielen Bällen auf einmal: Eine Vater-Sohn-Beziehung verbindet er mit der Geschichte zweier Schwestern, die wieder zueinander finden, denn die Kriegerin Gamora will sich mit ihrer Schwester Nebula (Karen Gillan) versöhnen. Außerdem müssen sich Rocket und Kopfgeldjäger Yondu zusammenraufen, um eine Meuterei in ihrem Sinne zu nutzen.

Ein oder zwei dieser Handlungsstränge wären vollkommen ausreichend, humorvoll und wahrscheinlich sogar emotional absolut befriedigend gewesen. Stattdessen wirkt „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ stellenweise erzählerisch diffus, überladen und hat sogar mit der ein oder anderen Länge im Mittelteil, wenn diverse Figuren groß und breit ihre mal mehr und mal weniger tragischen Hintergrundgeschichten erzählen. Generell teilt auch „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ ein großes Problem zahlreicher anderer Blockbuster, die Neigung, jede Emotion und jeden Handlungsschritt großspurig dem Publikum zu erklären. In diesem Fall führt das häufig zu sehr viel Pathos, den Regisseur und Autor Gunn zwar immer mal wieder durch geschickt eingestreuten Witz unterwandert, den er allerdings auch zu oft in emotionalen Kitsch abdriften lässt.

Die Verantwortlichen der Marvel-Studios sollten eigentlich inzwischen an einem Punkt angekommen sein, an dem Produzent und Mastermind Kevin Feige neue Richtungen einschlagen könnte. Doch schon „Doctor Strange“, Marvels letzter Einrag, war alles andere als strange und kam hauptsächlich generisch und gewöhnlich daher. Und auch wenn sich der erste Teil der „Guardians of the Galaxy“ – Saga optisch und witztechnisch anders anfühlte, blieb er letztendlich doch recht konventionell. Gerade jetzt, wo schon allein der Filmtitel einen Kassenerfolg garantieren sollte, wäre ein neueres, frischeres und „bekloppteres“ Wagnis wesentlich interessanter. Ein Großteil von „Vol. 2“ wirkt dagegen wie die Wiederholung altbewehrter Stilmittel, nur um ein Vielfaches multipliziert. Zahlreiche Witze nehmen die offensichtlichsten und damit wenig überraschenden Richtungen an, die Action gestaltet sich wie so oft bei Marvel-Beiträgen insbesondere zum Ende hin redundant.

Das soll allerdings nicht heißen, dass „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ unterm Strich kein großer Spaß ist. James Gunn findet immer wieder erfrischenden Slapstick-Humor, bei dem ihm ein komödiantisch talentierter Cast zur Seite steht. Insbesondere wenn er ganz große Actionsequenzen und die damit sehr oft einhergehende Rettung des Universums in den Hintergrund drängt, nur um im Vordergrund etwas völlig Banales aber viel Amüsanteres stattfinden zu lassen, präsentiert der Film seine knuffigsten Einfälle. Letztendlich bleibt die Fortsetzung aber zwischen zwei Stühlen hängen: Einerseits versuchen Produzenten, Autoren und Regisseur es einem möglichst breitem Publikum Recht zu machen, andererseits möchte Gunn seinen eigenen exzentrischen Neigungen nachgehen. Insbesondere Zweiteres kommt dabei aber meistens zu kurz.

 

Kritikerspiegel Guardians of the Galaxy Vol. 2



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Stefan Turiak
Widescreen, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

 

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