KRITIK

Grosse Jungs – Nicht jeder will erwachsen werden

Bild (c) NFP.

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Händeringend suchen deutsche Kinobetreiber einen Film abseits des US-Blockbuster-Kinos, der so durchstartet wie einst „Ziemlich beste Freunde„: eine gefühlige, massenwirksame Komödie, die zwar – um einen unterhaltsamen Kinoabend nicht zu trüben – nicht allzu tief schürft, die aber Kulturanspruch vortäuscht, indem sie aus Frankreich kommt und nicht aus Hollywood. Bis dato ist ein Nachfolger der sagenhaft erfolgreichen Handicap-Dramödie allerdings nicht gefunden, was vor allem daran liegt, dass französischer Humor nur selten auch ostrheinisch funktioniert.

Vielleicht wird’s nun was mit Anthony Marcianos „Les Gamins“, auf deutsch „Große Jungs“. Immerhin kombiniert der französische Regisseur in seinem Debüt französischen Neurotikerhumor mit den deftigen Albernheiten amerikanischer Komödien aus der „Hangover„-Abteilung: Auf Zotendauerfeuer muss man sich hier ebenso gefasst machen wie auf ausgespielte Alltagspeinlichkeiten zum Fremdschämen. Doch mitunter geht das zusammen: Da überrascht die Regie durch gutes Timing und geradezu poetische Ideen. Dann aber wird es wieder unpassend brachial und laut. Die Komödie verliert sich in Schenkelklopferwitzen.

Szene_Grosse_JungsDer Aufhänger: Zwei unterschiedlich alte Männer in der Orientierungskrise wollen noch mal die Sau rauslassen. Anstifter dazu ist der ältere von beiden, der frustrierte Frührentner Gilbert (Alain Chabat aus „Lust auf Anderes“), der dem Verlobten seiner Tochter, dem Musiker Thomas (Max Boublil), dringend von einer Heirat abrät: Danach, so sein Fazit aus Erfahrung, seien das Leben, die Liebe und erst recht der Sex praktisch passé. So begeben sich Vater und Schwiegersohn-in-spe auf eine juvenile Sause, die sie im Drogen- und Alkoholrausch auch an alternativen Liebschaften und legendären Musikern (Iggy Pop!) entlangführt. Das versöhnliche Ende kann man sich dann allerdings denken.

Wer bei den geschmacklosen Albernheiten ein Auge zudrücken kann, wird sich hier amüsieren können – auch wenn eine große Komödie freilich anders aussieht. Als Gilberts Entwicklungshilfe-bewegte Gattin hat übrigens Sandrine Kiberlain ein paar markante Auftritte: Wer nach dem Film ins Arthaus-Kino rüberwandert, kann sie dort in „Violette“ als Simone de Beauvoir erleben. Ein schönes (vielleicht auch besseres) Kontrastprogramm.

 

 

 



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