KRITIK

Grand Budapest Hotel

Bild (c) 2014 Twentieth Century Fox.

Bild (c) 2014 Twentieth Century Fox.

Die Filme des US-amerikanischen Autorenfilmers Wes Anderson kann man an ihrem Look erkennen. In Meisterwerken wie „Die Royal Tenenbaums“ oder „Moonrise Kingdom“ schuf der verschrobene Stilist ästhetisch eigenwillige, hermetisch auf sich selbst bezogene Erzähluniversen. Und mit seinem neuen Film „Grand Budapest Hotel“ macht er damit konsequent weiter. Mit bewährter Detailbesessenheit führt Anderson in rasendem Tempo durch seine symmetrisch inszenierten Puppenhauswelten, die diesmal im fiktiven Osteuropastaat Zubrowka angesiedelt sind, Anfang der 1930er Jahre. Hoch im Gebirge liegt das mondäne Hotel, in dem die reichen Tatterigen residieren und Monsieur Gustave als Concierge das Regiment führt – eine Paraderolle für Ralph Fiennes.

Der Mann, der als Personifikation von Höflichkeit und Charme wie eine Operettengestalt durch die modrige Ballsaalwelt des Hotels wirbelt (und vermögende Damen auch sexuell bedient), gerät in einen mörderischen Erbstreit: Madame D. (als Greisin: Tilda Swinton) hinterlässt Gustave ein kostbares Renaissancegemälde, woraufhin ihn deren Sohn (Adrien Brody) als Mörder diskreditiert. Es folgen – unter anderem – eine längere Knastepisode, eine James-Bond-reife Verfolgungsjagd auf Skiern sowie der allmähliche Aufzug der Faschisten, die hier in Zubrowka ZZ-Runen auf ihren Ledermänteln tragen. Wie in Anderson-Filmen üblich, steht dem überdrehten Witz stets auch die Melancholie des Zerfalls gegenüber.

Bild (c) Fox Searchlight 2013

Bild (c) Fox Searchlight 2013

Die in Babelsberg und Görlitz gedrehte, zwischen vier Zeitebenen hin- und herspringende Hatz durch dieses Paralleluniversum in der Zwischenkriegszeit wird von zahlreichen Gaststar-Kurzbesuchen gekrönt: Neben bewährten Kräften der Anderson-Familie wie Bill Murray sind diesmal auch Harvey Keitel, Jude Law, Willem Dafoe und Jeff Goldblum mit an Bord. Wenn Anderson ruft, will jeder mitmachen. „The Grand Budapest Hotel“ zeigt einmal mehr, warum. Absolut Sehenswert.

 




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