KRITIK

Grace of Monaco

Bild (c) SquareOne / Universum Film.

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Es lag bereits im Vorfeld alles andere als ein Segen auf „Grace of Monaco“, dem Eröffnungsfilm des diesjährigen Filmfestivals in Cannes: Die Fürsten-Familie Grimaldi distanzierte sich scharf, verweigerte den aufmerksamkeitsökonomisch eingeplanten Glamour-Aufmarsch über den roten Teppich, noch dazu streitet sich der französische Regisseur Olivier Dahan seit Monaten geräuschvoll mit Hollywood-Mogul Harvey Weinstein um die Schnittfassung für den US-Markt. Ja, der schwergewichtige Produzent Weinstein schwänzte gar den Cannes-Auftritt seines eigenen Films – bis dato undenkbar für den publikumssüchtigen Filmenthusiasten.

Eigentlich gehören solche Skandälchen gelangweilt weggefächelt, leider aber sind sie noch das Spannendste an diesem weitgehend öden Personality-Melodram, das von der Cannes-Kritik mit beißender Schärfe auf den Zelluloidfriedhof geschreddert wurde: „Hölzern wie ein Brandrisiko“, schrieb etwa der „Guardian“. Tatsächlich wirkt „Grace of Monaco“ unterkühlt, die Haltung des Regisseurs zu den Charakteren des Films bleibt seltsam im Vagen.

Dabei erzählt Olivier Dahan hier – anders noch als in seinem Piaf-Erfolgsfilm „La Vie en Rose“ – kein ausuferndes Biopic. Er konzentriert sich nur auf ein paar Monate anno 1962, also sechs Jahre nach der „Jahrhunderthochzeit“ zwischen Hollywood-Filmstar Grace Kelly (Nicole Kidman) und Rainier III. (Tim Roth), seinerzeit Fürst der Erbmonarchie. Grace, die als Gracia Patricia mit dem Protokoll der Adelswelt fremdelt, bekommt nach sechs Jahren Abstinenz noch einmal ein Filmangebot von Hitchcock: In „Marnie“ soll sie eine Kleptomanin spielen. Undenkbar! Die Rolle geht später an Tippi Hedren. Zugleich versucht der Film, sich der blonden Schönheit politisch zu nähern: 1962 strafte Charles de Gaulle die Steueroase Monaco mit Wirtschaftssanktionen, um die Kapitalflucht aus Frankreich aufzuhalten. Am Ende, klar, ist es Gracia Patricia, die in einer flammenden Rede den Kompromiss herbeicharmiert und sich als Landesmutti neu erfindet. Brave Grace!

Grace_of_Monaco_Szenenbilder_25.72dpiSo schlingert der Film halbspannend zwischen Politdrama und Heldinnenverehrung herum, ohne je zu einem brauchbaren Kern vorzustoßen. Stattdessen setzt Dahan mit Weichzeichner und Pompös-Musik auf formalen Tand, lässt Society-Personal wie Onassis oder Maria Callas (Paz Vega) aufmarschieren und kriecht mit ständigen Close-Ups fast in seine Hauptdarstellerin Kidman hinein. Diese aber scheint zu mehr als mimischem Minimalismus kaum mehr fähig zu sein. Botox hin oder her: Von ihrer oscarprämierten Filigranarbeit beispielsweise in „The Hours“ ist sie hier celluloidmeilenweit entfernt.

 

 



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INHALT

Fürstentum Monaco, Anfang der sechziger Jahre. Fürst Rainier III. (Tim Roth) kämpft um den Erhalt der Souveränität seines Landes und hat wenig Zeit für seine schöne Frau. Der französische Präsident Charles de Gaulle verlangt Steuerabgaben, er droht mit der militärischen Überlegenheit Frankreichs und verfügt schließlich eine Blockade der Landesgrenzen. Monaco ist von der Außenwelt abgeschnitten. Fürstin Grace (Nicole Kidman), die sich trotz ihrer inzwischen mehrjährigen Ehe mit Rainier noch nicht in die Rolle der First Lady des Landes eingefunden hat und von Palastintrigen und Ablehnung durch die öffentliche Meinung umgeben ist, erhält zur gleichen Zeit ein Rollenangebot von Alfred Hitchcock - eine große Versuchung für den ehemals gefeierten Hollywood-Star. Als der Konflikt mit Frankreich eskaliert und ihre Ehe in eine ernste Krise gerät, wird Grace vor eine weitreichende Entscheidung gestellt: Wird sie die ersehnte berufliche Herausforderung wählen und vor die Kameras zurückkehren oder die bisher größte Rolle ihres Lebens annehmen, die der Fürstin Gracia Patricia von Monaco? Der Weg, den sie einschlägt, wird sie, ihre Familie und ihr Ansehen im Land in wenigen Jahren tiefgreifend verändern. (Text: Universum Film)
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