KRITIK

Gordos – Die Gewichtigen

Gordos - Die Gewichtigen Vor drei Jahren etablierte sich der Spanier Daniel Sánchez Arévalo mit „Dunkelblaufastschwarz“ als einer der vielversprechendsten jungen Regisseure des europäischen Kinos, und schon damals galt er vielfach als legtitimer Erbe Pedro Almodóvars. Auf seinen neuen Film „Gordos“ (übersetze: fett) trifft dieses Etikett noch stärker zu, vor allem an das 80er-Jahre-Frühwerk Almodóvars erinnert er in seiner verwegenen Mixtur aus Drama und schriller Klamotte.

Im Zentrum steht eine Madrider Therapiegruppe für Fettleibige, geleitet vom schlanken Abel (Roberto Enríquez). Wie dieser behandelt auch der Film die Adipösen: Er nimmt das Dicksein nicht als das eigentliche Problem, sondern als Symptom für dahinterliegende Defizite, Exzesse, Tragödien und Neurosen.

Eben jene klappert Arévalos Film im parallelen Reigen ab. Da gibt es den schwulen Shopping-Fernsehen-Experten, der einst Diätpillen anpries, dann aber dem Jo-Jo-Effekt zum Opfer fiel und prompt den Job verlor, zwei Verlobte, denen der katholische Glaube bei sexuellen Begehren ebenso wie beim Abnehmen im Wege steht, den Familienvater, der mit Genuss frisst, aber um seine Gesundheit fürchtet und diverse andere mehr. Durch die Therapie, aber auch durch Interaktionen der Teilnehmer untereinander kommen die verschiedensten Prozesse in Gang, man kehrt um, macht weiter oder alles neu, auch der Therapeut ist davon nicht ausgenommen.

Arévalo verknüpft die einzelnen Stränge seines Ensemblefilms rhythmisch klug, umschifft Peinlichkeiten ebenso gekonnt wie überflüssige Sentimentalitäten. Nur beim Tiefgang war er in „Dunkelblaufastschwarz“ etwas weiter: Hier steht den angedeuteten Lebensabgründen dann doch ein paar mal zu oft die Groteske (der frühe Almodóvar also) im Weg.



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INHALT

Fünf Geschichten, die vom Übergewicht im Alltag handeln: Treffpunkt ist eine Gruppentherapie. Ein Ort, an den die Menschen nicht gehen, um ihr Gewicht zu verlieren, sondern um herauszufinden, warum sie zugenommen haben. Sie wollen erkunden, warum sie ihre Körper nicht mögen. Ihr Gewicht ist nicht das Entscheidende, ihre Körper sind nicht das Entscheidende.
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