KRITIK

Gone

Plakat zum Film Gone„Jeder Erwachsene hat das Recht zu verschwinden.“, belehrt Lieutenant Bozeman (Michael Paré) die nervöse Jill Conway, die behauptet, ihre Schwester Molly (Emily Wickersham) sei entführt worden. Die junge Frau (Amanda Seyfried) ist keine unbekannte für Bozeman und seinen Kollegen Powers (Daniel Sunjata), seit sie ein Jahr zuvor selbst im Mittelpunkt ihrer Ermittlungen stand. Das Opfer war die psychisch labile Jill damals selbst, doch weder der Täter noch die Grube, in der sie gefesselt lag, wurden gefunden.

Sind die düsteren Wälder des Forrest Park, den die nur unter Auflage entlassene Psychiatriepatientin zwanghaft durchforstet nach Spuren absucht, nur ein Hirngespinst? Ist das Loch, dessen Erde die Überreste früherer Opfer wieder ausspuckt, noch bevor sie ganz verwest sind, oder symbolisiert es das Abgründige von Jills Wahn, der in jedem männlichen Fremden einen potentiellen Serientäter sieht? Allison Burnett ist blind für das Potential sich am eigenen Zwang zur Konventionalität erdrosselnden Skript. Das Motiv der psychologischen Ambivalenz der Hauptfigur wird penetrantes Indiz für die Fahrlässigkeit des Urheber, sowohl dessen des als seines inszenierten Verbrechens dramaturgischen Äquivalents. Jills Manie ist gleich den verdächtigen Randbemerkungen, Trinkgeldern und Süßigkeitenangeboten des Polizeineulings Detective Hood (Wes Bentley) und der ähnlich suspekten Gestalten, die Jill aufsucht, nur ein weiteres der willkürlich bemühten Requisiten.

Szene aus dem Film GoneSo hübsch letztes Regisseur Heitor Dhalia sie in Kälte und Moder suggerierenden Schattierungen von Grau und Braun ins Bild rückt, so unzureichend kaschieren sie die Logiklücken. Sie klaffen im Plot wie die Grube im Forrest Park, deren vorgebliche Unauffindbarkeit nie erklärt wird und die sich dann urplötzlich darbietet. Gleiches tut auch Jill, deren Patience aus auf eigene Faust ermittelten Hinweisen so leicht aufgeht, dass ihre Rückkehr an den Tat- und Trauma-Ort einer unterbewussten Selbstfindung ähnelt. „Es war so leicht dich zurück zu führen. Ich glaube, du wolltest niemals gehen.“, sagt der Täter, der nur ein Schemen bleibt wie jedes der Standardmotive, die dem wirren Psychothriller statt an Spannung zu bereichern daran ärmer machen.

Auge um Auge, Knochen um Knochen manifestiert das radikale Ende ein christliche Moralkonzept, das Schuldige nicht nur im symbolischen Sinne brennen lässt und Gewalt ein Ausbrennen der Erinnerung, das im Grunde nur Verdrängung ist, zur Katharsis erhebt.

  

 



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