KRITIK

Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra

Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra Das Kino hat unser Bild von der Mafia geprägt. Filme wie „Der Pate“, „Scarface“, oder „GoodFellas“, die von Tod und Gewalt erzählen, aber auch von der Grandezza und Lässigkeit der kriminellen Familien und ihrer Patrone. Auch Mafiosi gehen ins Kino. In Matteo Garrones „Gomorrha“ spielen einmal zwei pubertäre Clan-Jungs „Scarface“ nach, in der Abbruchvilla eines Camorra-Chefs, berauscht von ihrer Allmachts-fantasie. Eine so grandiose wie groteske Szene, weil sie die Kluft verdeutlicht, die zwischen dem armseligen Leben der beiden Handlanger in Neapels Problem-Vorort Scampia und dem coolen Leinwand-Schein klafft. Es gibt noch eine weitere Szene, in der sich Hollywood-Glamour und fader Abglanz berühren: Wenn der Schneider Pasquale, der für die Mafia Designerkleider fälscht, im Fernsehen Scarlett Johansson bei der Oscar-Verleihung über den roten Teppich schreiten sieht. Und eines seiner Kleider an ihr erkennt.

Die Johansson-Anekdote ist verbürgt, wie überhaupt die Vorlage für diesen Film ein Faktenbericht ist. Der junge Journalist Roberto Saviano hat in jahrelanger Arbeit unter den neapolitanischen Camorrista recherchiert, seit Erscheinen seines Buches steht er unter Polizeischutz. Gemeinsam mit Regisseur Garrone und einigen Koautoren hat Saviano zentrale Motive seines Höllenreports zu kinotauglichen Episoden verdichtet, zu knallharten Momentaufnahmen aus den Plattenbauten Scampias.

Der Film erzählt von Giftmüllhändlern, die ganze Steinbrüche mit Fässern voll laden, von einem Laufburschen, der höher hinaus will, von einem in die Jahre gekommenen Geldboten, der sich plötzlich zwischen den Fronten einer Clanfehde wiederfindet. Es standen überwiegend Laien vor der Kamera, viele aus Scampia, was den dokumentarischen Touch dieses Films noch forciert, der unser Bild von der Mafia verändern wird, für immer.



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INHALT

Nur eine privilegierte Minderheit kann in den italienischen Provinzen Neapel und Caserta ein normales Leben führen. Denn die Camorra hat den ganzen Landstrich in ihrem eisernen Griff. Schon 13-Jährige wie Toto kommen mit der organisierten Kriminalität in Kontakt, Jugendliche wie Marco und Ciro sind dem Mythos des großspurigen Gangstertums erlegen. Alle arbeiten direkt oder indirekt für den Clan.
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Eure Kritiken zu Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra

  1. Manni

    Spannend, nachvolliehbar, sehenswert.

  2. Colonia

    Ok, Sizilien ist damit als Urlaubsort gestrichen. Ein Film über die Camorra, der fast dokumentarisch wirkt und auf alle in Hollywood-Filmen aufgebauten Mythen und Hochglanzbilder verzichtet. Damit ist er nicht mehr oder weniger wert als „Der Pate“ und Co. „Gomorrha“ ist einfach nur eine ganz andere Baustelle.

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