KRITIK

Goldene Zeiten

Goldene Zeiten Zugegeben, die Erwartungen waren hoch. Schließlich galt es für den 35-jährigen Peter Thorwarth, seinen Ruf als Kultfilmemacher zu verteidigen. Denn hier geht es nicht um irgendeinen Film, hier geht es um den Abschlussfilm einer Trilogie. Und der regelmäßige Kinogänger weiß, und das nicht erst seit Kieslowski´s Drei Farben- oder Lars von Triers America-Trilogie, dass der letzte Film einer Trilogie etwas ganz besonderes ist. Fügt sich also nun zusammen, was zusammen gehört? – Leider nein.

Um seine so genannte Unna-Trilogie zu vollenden, hat sich der deutsche Regisseur etwas ganz besonderes ausgedacht. Nach der schwarzen Proll-Komödie „Bang Boom Bang“ und dem Bauarbeiter-Kultfilm „Was nicht passt, wird passend gemacht“ überrascht Peter Thorwarth nun mit einer bitterbösen Gesellschaftssatire. Warum überrascht? Was immer man von seinem bisherigem Schaffen hält, seine letzten beiden Filme sind das, was man nicht nur im Ruhrpott eine ehrliche Arbeit nennt. Thorwarth mischte ohne Berührungsängste Lokalkolorit mit taratinoesker Erzählkunst und blieb dabei stets mit beiden Beinen auf dem Boden. Von Ruhrpott-Charme haben viele gesprochen, nicht nur bei den Filmen, auch beim Regisseur. Und Thorwarth hat viele Freunde gewonnnen, wurde auf viele Festivals und sonstige Events eingeladen, konnte viele Eindrücke sammeln. Angeblich hat er es selbst erlebt, wie es ist, wenn man als „Lokal-Prominenter“ auf ein Golfturnier eingeladen wird. Nach diesem Erlebnis entstand wohl die Idee für den letzten Film seiner Unna-Trilogie. Eine Gesellschaftssatire sollte es also sein, ein Abgesang auf die Welt des schönen Scheins.

Doch es fehlt dem letzten Film der Trilogie nicht nur an Charme. Wie Thorwarth diese sich über zwei Stunden hinziehende Satire erzählt, ist erschütternd. Die Dialoge sind flau, der Humor ist lahm, die Inszenierung wirkt wie krampfhaft zusammengebastelt. Mühsam kämpft sich der Zuschauer durch die überbevölkerte und in wirren Wendungen versinkende Geschichte. Die Darsteller agieren oft überzogen und selbstverliebt. Sie verkörpern keine Personen, sondern Karikaturen. Im Ruhrpott mag dieser zähe Brei vielleicht Schenkelklopfer-Potenzial haben. Sollte man sich hier mit erfolglosen Autoverkäufern, am sog. Neuen Markt gescheiterten Event-Managern oder eitlen Golfspielern identifizieren können. Die Satire ist immer ein Wagnis. Diese bittere Erfahrung hat schon Knockin´on Heavens Door-Regisseur Thomas Jahn mit seiner unsagbar schlechten Filmbusiness-Satire „Kai Rabe gegen die Vatikankiller“ machen müssen. Peter Thowarth kann ihm hier zwar die Erfahrung mit zwei erfolgreichen Ruhrpott-Komödien entgegenhalten, doch mit seinem letzten Film, auch als Satire angelegt, geht auch er, wie einst Jahn, im sprichwörtlichen Sinne baden.



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INHALT

Unna: Ein gerissener Golfclubbetreiber will mit einer Benefiz-Veranstaltung den fetten Reibach machen. Ein falscher US-Serien-Star ist nur auf seinen Spaß aus. Ein mächtiger Underground-Boss versorgt die ganze Stadt mit Drogen und Girls. Zwischen die Fronten gerät Ingo, Eventmanager-Assistent, der gerne selbst ein großer Zampano wäre, von allen aber nur ausgenützt wird. Doch das bemerkt er viel zu spät.
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Eure Kritiken zu Goldene Zeiten

  1. Nolen

    Also ich hatte den Film auch schon bei einem Testscreening gesehen. Ich hatte mich schon über die Einladung gefreut, also ich gesehen hab, dass es der neue Peter Thorwarth-Film ist. Und ich muss sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde. Ein absolut klasse Film. Der macht einfach Spass! Super witzig, interessante Story die gut zusammengeführt wird und vor allem wahnsinnig coole Charaktere. Ralf Richter als Bullet Harry ist der Hammer und Dirc Benedict (A-Teams Face) als Douglas Burnett setzt dem Ganzen die Krone auf. Im Kino geh ich in jedem Fall nochmal rein und das würde ich auch jedem Anderen empfehlen.

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