KRITIK

Golden Door

Golden Door Der italienische Regisseur Emanuele Crialese, der im letzten Jahr auf dem Filmfest von Venedig gleich sechs Preise für diesen Film verliehen bekam (darunter den Löwen für die frappierendste „Offenbarung“), hat ganz klar ein Faible fürs Urwüchsige: Sein letzter, auch schon sehr sehenswerter Film „Lampedusa“ spielte auf der gleichnamigen Mittelmeerinsel und vereinte gestandene Schauspieler und wettergegerbte Laien in den Rollen der ländlichen Bevölkerung.

Die meisten der „Lampedusa“-Mimen finden sich auch in den Hauptrollen von „Golden Door“ wieder, zum Beispiel Vincenzo Amato als verwitweter Bauer Salvatore und seine damaligen Filmsöhne in gleicher Funktion. Zudem beginnt der Film ähnlich archaisch, nämlich zur vorletzten Jahrhundertwende im sizilianischen Küstenort Agrigento. Da sehen wir Salvatore und seinen Sohn Angelo bei einer rituellen Prozession: Mit Steinen im Mund kraxeln sie einen Hügel hinauf, um vor einem Marienbild auf dessen Gipfel die Orakelfrage zu stellen: Auswandern oder nicht? Durch die „goldene Pforte“ in die neue Welt oder in bäuerlichen Armut verharren?

Die Antwort scheint eindeutig, und gegen den Willen der alten Mutter begibt sich Salvatores Familie auf die beschwerliche und demütigende Schiffspassage in die USA – wie so viele hundertausend andere auch. Unterwegs lernen sie die enigmatische Engländerin Lucy kennen (Charlotte Gainsbourg, nach „Science of Sleep“ rotblondiert und hochtoupiert), die für die Einreise einen Ehemann benötigt. In den USA angekommen, verheißen Quarantäne-Verwahrung und Einreise-Tribunale für manchen das Ende aller Auswandererträume.

Crialese mischt zwei stilistische Ebenen: Die Übersiedlung aus dem urwüchsigen Sizilien nach Amerika erzählt er nüchtern- neorealistisch bis zum abrupten Schluss. Demgegenüber lässt er surreale, an Fellini erinnernde Sequenzen einfließen, die als poetische Sinnbilder die Hoffnungen der Emigranten visualisieren: Es regnet Geld, man erntet mannsgroßes Gemüse, es fließen Milch und Honig, und man nimmt ein Bad darin, wäscht sich rein vor der Realität, die auch in der neuen Welt sehr anders aussieht. Sehenswert.



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INHALT

Die sizilianische Familie Mancuso verlässt am Ende des 19. Jahrhunderts ihre Heimatstadt Agrigento, um in Amerika ihr Glück zu suchen. In der neuen Welt angekommen, machen sich Salvatoro, Donna Fortunata und ihre Söhne auf den Weg an die Frontier. Was sie dort erwarten wird, davon macht sich jeder einzelne der Mancusos eine gänzlich andere Vorstellung.
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