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göttliche Ordnung, Die

Filmplakat zum Film Die goettliche Ordnung mit allen beteiligten Darstellerinnen

Bild (c) Alamode Filmverleih.

Die göttliche Ordnung“ von Regisseurin und Drehbuchautorin Petra Volpe („Heidi“, „Dreamland“) ist ein Drama mit äußerst charmantem Humor, in der tiefsten Schweiz der frühen 70er Jahre verortet, das von der Einführung des Frauenwahlrechtes erzählt.

An die Hand genommen wird der Zuschauer und vermutlich sehr viel mehr Zuschauerinnen von Nora (Marie Leuenberger), die als junge Hausfrau in einem kleinen Schweizer Dorf in geregelten Verhältnissen lebt: Ihr Ehemann Hans (Max Simonischek) hat eine gute Arbeit, sie kümmert sich um den Haushalt und ihre zwei Söhne und bedient den im Hause lebenden missmutigen Schwiegervater. Doch so ganz zufrieden ist sie damit nicht.

Heute kaum mehr vorstellbar braucht Nora die Einwilligung ihres Mannes, um in ihrer alten Firma eine Halbtagsarbeit annehmen zu können. Damit nimmt die Erzählung langsam Fahrt auf, vor allem als ein weiterer Volksentscheid (nur für Männer) näher rückt, der über ein Wahlrecht für Frauen entscheiden soll. Niemand aus dem Dorf scheint FÜR das Wahlrecht für Frauen stimmen zu wollen. Die göttliche Ordnung wird dabei nicht nur von den Männern verteidigt. Auch die Arbeitgeberin von Hans (welche Ironie im Detail), die Schreinerei-Chefin Charlotte (Therese Affolter), verteidigt die alten Strukturen mit allen Mitteln. Ein von ihr gegründeter Verein gegen das Frauenwahlrecht soll ihr helfen, ihre eigene Position als mächtigste Frau im Dorf zu wahren.

Szene aus dem Film Die göttliche Ordnung mit Hauptdarstellerin Marie Leuenberger als Nora und Darsteller Maximilian Simonischek als ihr Mann Hans.Mit kleinen Schritten bahnt sich unter dies auch die 68-Bewegung ihren Weg in die bergvölkische Schweiz. Die intelligente Nora informiert sich in Abwesenheit ihres Mannes über die Hintergründe zum Frauenwahlrecht und initiiert eine Bürgerversammlung. Auf dieser wird sie von allen verhöhnt und gedemütigt. Selbst ihr Mann, der ihr vertraulich versichert hat, für das Wahlrecht zu stimmen, lässt sie im Stich.

Nora will aufgeben. Doch sehr unterschiedliche Lebensgeschichten anderer Mitstreiterinnen lassen bei den Frauen Zweifel an der göttlichen Ordnung aufkommen. Die eigene Machtlosigkeit bei allen Entscheidungen von ihren teilweise völlig unfähigen Männern abhängig zu sein, führt dazu, dass sich Noras Schwägerin Therese (Rachel Braunschweig), die ehemalige Wirtin Vroni (Sibylle Brunner) und die neue Wirtin Graziella (Marta Zoffoli) ihr anschließen. Angetrieben von eigenen Schicksalen und dem Mut dieser Vorreiterinnen gelingt den Frauen des Dorfes ein grandioser Schachzug: Die Frauen streiken. Am 8. Februar 1971 wird das Frauenwahlrecht auch in der Schweiz eingeführt.

Szene aus dem Film Die goettliche Ordnung mit allen weiblichen Darstellerinnen auf einer Demonstration.Dem Tempo des Schweizer Dorfalltages in den 70er geschuldet, wird der Zuschauer zunächst in ruhigen Bildern mit Noras Geschichte vertraut gemacht, als diese beginnt, sich „revolutionär“ mit dem Thema Frauenwahlrecht auseinander zu setzten. Selbst die wunderbar von Marie Leuenberger gespielte Nora stiehlt der eigentlichen Intention des Films niemals die Show. Die Inszenierung von Regisseurin und Drehbuchautorin Petra Volpe wird absolut allen Facetten der die göttliche Ordnung zerstörenden Emanzipation gerecht: Dem Dilemma der Männer, die eigentlich in diesem System gefangen sind, aber es auch gerne anders hätten, der Frauen die sich aus Bequemlichkeit daran gewöhnt hatten und all derer, die einfach nur ihren eigenen Vorteil damit gesichert sahen.

Die Erzählung der Schweizerin ist nicht nur ein einfühlsamer Film über die Rolle der Frau vor noch nicht allzu langer Zeit, er beleuchtet auch liebevoll die politischen und gesellschaftlichen, wie auch die privaten Hintergründe der Schweiz in den 70er Jahren. Für uns selbstverständlich, weckt er das Bewusstsein, dass dies nicht immer so war und es Frauen gab, die dies erstreiten mussten. Nicht die, die wir kennen, sondern viele, die nicht an vorderster Front standen. Schade, dass dieses Dankschön dafür, dieser absolute Überraschungserfolg aus der Schweiz in Deutschland nur in wenigen Programmkinos lief und vielleicht immer noch läuft. Nicht verpassen!

 

 

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