KRITIK

Glück

Plakat zum Film GlückAus einem Roman. Eine Romanze: Irina arbeitet auf dem Strich an der Berliner Kurfürstenstraße. Die junge „Illegale“ verliebt sich in den obdachlosen Punk Kalle, sie ziehen bald zusammen. Einer ihrer Freier stirbt an einem Infarkt, Kalle zieht die falschen Schlüsse: Um Irina zu schützen, zerteilt und vergräbt er die Leiche. Am Ende steht er vor Gericht.

Zu viel verraten? Nein. Auf zwölf Seiten hat Ferdinand von Schirach diese Geschichte in seinem Bestseller „Verbrechen“ aufgeschrieben. Doris Dörrie, Deutschlands berühmteste Filmregisseurin, hat aus der fast anekdotischen, sehr lakonischen Story nun einen Hundertminüter gestrickt, aus dem durchaus ein poetischer Zauber hervorblitzt. Und nicht nur das, Dörrie bedient sic dabei ungeniert aus dem Kitschtopf: Irinas traumatisierende Vorgeschichte in der kriegszerrütteten osteuropäischen Heimat zum Beispiel wird in Rückblenden impressionistisch ausgemalt, erst als pastorale Idylle, dann als brutale Horrormär. Das Liebenlernen von Irina und Kalle (Vinzenz Kiefer) schafft die schönsten Szenen im Film.

Szene aus dem Film GlückWie die beiden auf einer Schaukel dem Himmel und dem jetzt so nahe liegenden Glück entgegenschwingen und zaghaft eine gemeinsame, bessere Zukunft ins Visier nehmen, das kann mit den wunderbar leichten, zauberhaft melancholischen Momenten aus Dörries besten Filmen – „Kirschblüten“ zumal – mithalten. Dem entgegen steht die juristische Rahmenhandlung, in der Matthias Brandt den Anwalt (also Schirach) spielt: eine sehr gestelzte Angelegenheit. Die Leichenzerteilszene schließlich inszeniert Dörrie in aller Drastik: Wenn da mal nicht ein Gutteil des Cappuccino-Publikums in den Ladies’ Nights der Kinorepublik die Flucht ergreift!

Die Warnung sei hiermit erteilt. Was auf jeden Fall aber bleibt in diesem seltsam uneinheitlichen Liebesdrama, ist Alba Rohrwacher als Irina: Die junge Florentinerin („Die Einsamkeit der Primzahlen“) ist eine echte Entdeckung für das deutsche Kino.

  

Kritikerspiegel Glück



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau; mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 



 



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INHALT

Die junge Irina (Alba Rohrwacher) arbeitet als Prostituierte, seitdem sie als Kriegsflüchtling in die Großstadt Berlin kam. Eines Tages trifft sie auf den Punk Kalle (Vinzenz Kiefer), der schon lange auf der Straße lebt. Die beiden traumatisierten jungen Menschen verlieben sich ineinander und schaffen es, sich ein Leben aufzubauen, wozu auch eine eigene Wohnung gehört. Damit weiterhin Geld in die Kassen kommt, arbeitet Irina weiterhin als Prostituierte. Zu ihrem Entsetzen stirbt eines Tages ein Freier in ihrer Wohnung und panisch flüchtet Irina. Als Kalle wenig später nach Hause kommt und die Leiche entdeckt, beschließt er, sein neues Glück mit Irina mit allen Mitteln zu verteidigen.
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