KRITIK

Gloria

Plakat zum Film GloriaDas war keine große Überraschung. Und reich geworden wäre niemand, der während der Berlinale 2013 Geld darauf gesetzt hätte, dass die Chilenin Paulina García den Bären als beste Darstellerin des Festivals ergattern würde – zu schnell war es klar, dass die Jury um Wong Kar-Wai keine andere Wahl hatte. Selten war ein Film so sehr auf seine brillante Hauptdarstellerin zugeschnitten wie dieses erste in Deutschland wahrgenommene Werk von Sebastián Lelio.

García spielt Gloria, eine geschiedene Endfünfzigerin mit riesiger Brille, die sich ihre Neugier bewahrt hat und in Santiago de Chile versucht, auch fürs letzte Lebensdrittel noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Das tut sie (Paulina García) mit Selbstbewusstsein und einer Lust am Lachen, die im Kino ansteckender schon lange nicht mehr zu erleben war. Zugleich lässt das nuancierte Spiel der Darstellerin jederzeit eine tiefsitzende Einsamkeit ihrer Figur durchscheinen.

Gloria lacht sich buchstäblich einen distinguierten Herrn Mitte sechzig an und erlebt eine verspätete Teenie-Romanze: Sie lässt sich in Rodolfos Vergnügungspark an Bungee-Seilen herumschleudern und hat mit ihm Sex – in Szenen, die aufs Schönste deutlich machen, welch idealisierten Aktvollzügen junger Hollywood-Dinger man sonst so zuschaut. Doch während Gloria, Mutter zweier erwachsener Kinder, unabhängig ist, schreckt Rodolfo vor dem letzten Schritt zurück …

Regisseur Sebastián Lelio klebt mit der Kamera an Paulina García, lässt sich von ihr mitreißen, als sei er selbst von ihr überrascht. Und trotz obligatorischem Tier-Beiwerk (Nacktkatze) und penetrantem Schlager-Soundtrack hat er keines der üblich lau temperierten Wohlfühl-Filmchen für das Silver-Ager-Publikum gedreht, sondern einen packenden Liebes-/Lebens-Film, der ganz ohne Klischees für gute Laune sorgt. Sehenswert.

  



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