KRITIK

Glaubensfrage

Glaubensfrage „Glaubensfrage“, geschrieben und inszeniert von John Patrick Shanley („Joe gegen den Vulkan“), besteht nur aus Dialogszenen mit jeweils zwei Personen. Mitunter flattert zur symbolischen Grundierung etwas Herbstlaub durch die Gegend, ab und an brennt eine Glühbirne durch.

Die Bühnenherkunft ist „Glaubensfrage“ also noch deutlicher anzumerken als beispielsweise „Frost/Nixon“, der am gleichen Tag deutschen Bundesstart hat. Die Inszenierung beschränkt sich hier aufs Konventionelle, bloß durch ein paar steile Kameraeinstellungen ergänzt, doch es ist die makellose Kunst der Darsteller, die hier zählt.

Meryl Streep spielt, zielsicher am Rande der Karikatur, die dogmenstrenge Ordensschwester Aloysius, Leiterin einer katholischen Schule in der Bronx. Man schreibt die Mitte der 60er Jahre. Die Reformstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils ist ihr ebenso ein Dorn im Auge wie der leutselige Gemeindepriester Flynn (Philip Seymour Hoffman), der unverhohlen über den Zweifel predigt

Als der Verdacht aufkommt, Flynn kümmere sich ein wenig zu intim um den einzigen schwarzen Zögling der Schule, begibt sich Aloysius auf einen verbissenen Feldzug gegen den Pfarrer. Die immer neuen Dialogduelle, die sich daraus entwickeln, lassen am Ende vieles sehr bedeutungsvoll offen und sind in ihrer formalen Wiederholung auch nicht unstrapaziös. Trotzdem: Als edel gespieltes Thesendrama im Spannungsfeld von Glaube und Zweifel reißt dieser gediegene Theaterstück-Ersatz bis zur letzten Szene mit.



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INHALT

New York, 1964. An einer katholischen Klosterschule reibt sich der Liberalismus von Pater Flynn mit der Strenge der Leiterin, Schwester Aloysius. Zur Explosion kommt der Konflikt um Glauben, Macht und Autorität, als Aloysius aus der harmlosen Beobachtung einer jungen Schwester einen schweren Vorwurf macht. Hat Flynn in der Zuneigung zu einem Schüler oder seine Kontrahentin in der Reaktion darauf Grenzen überschritten?
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Eure Kritiken zu Glaubensfrage

  1. tine

    4 Oscarnominierungen für die 4 Erwachsenen „Haupt“darsteller, jede ist berechtigt, besonders freut mich die von Viola Davis, Ihr Auftritt ist ca. 10 Minuten lang und absolut atemberaubend. Dieser Film ist mehr ein Kammerspiel, ein ausgesprochen fesselndes.

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