KRITIK

Ghostbusters

Bild (c) 2016 Sony Pictures Releasing GmbH.

Bild (c) 2016 Sony Pictures Releasing GmbH.

Jedes Reboot wird von dem Geist vefolgt, das es inspirierte. Im Falle der geschlechtlich umgewandelten „Ghostbusters“, in dem die Komikerinnen Melissa McCarthy („The Boss„), Kristen Wiig, Kate McKinnon und Leslie Jones in die Anzüge der berühmten und paranormalen Kammerjäger schlüpfen, muss man allerdings von einer waschechten Besessenheit sprechen. So stark ist die Heimsuchung aus der Vergangenheit, dass ein Déjà-vu das nächste jagt. Zwar ist der Neuaufguss in sich an Höhepunkten witziger und gruseliger als Reitmans Klassiker aus dem Jahr 1984, aber Paul Feigs Remake dürfte für die Zielgruppe ab 30 Jahren aufwärts schlichtweg inhaltlich zu bekannt sein. Innovationen sind Mangelware. Anstatt Neues zu kreieren, beschwört der „Bridesmaids“-Regisseur alte Spukgestalten (darunter auch Slimer und den Marshmallow Man) nebst anderer bekannter Gesichter aus dem Original in Cameos herauf. Dies jedoch in einer Fülle, dass die Chemie der Neuinterpretation vergiftet wird.

Für Feig, dem das seltene Kunststück gelungen ist im überlaufenen Comedy-Segement seine eigene Nische zu schaffen, ergab sich mit „Ghostbusters“ in jedem Fall die Möglichkeit für einen Reboot-Testlauf. Nach seinen weiblich geführten Erfolgen „The Heat“ und „Spy“ lässt sich mit „Ghostbusters“ nun testen, wie ein Reboot eines mythenumrankten Hollywood-Schwergewichts sich in unsicheren Gewässer bewegt, wenn es mit einem komplett weiblichen Ensemble besetzt wird. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es absolut falsch wäre, dem schon im Vorfeld polarisierenden Quartett die Schuld an einem finanziellen Misserfolg des Unterfangens zu geben. Das Problem ist nicht, dass Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson Charaktere geschaffen haben, die zu ikonisch sind, um sie zu übertreffen. Der Fehler liegt im Umstand, dass dieser neue „Ghostbusters“ uns zwanghaft die alten Charaktere nicht vergessen lassen will und das neue Team in den Schatten des alten stellt.

Szene_GhostbustersNein, keine Frage, Melissa McCarthy ist witzig wie eh und je, geistert allerdings gefährlich nahe an ihrer üblichen Routine durch den Film. Kristen Wiig wiederum ist leider die Rolle des Schürzenjägers Dr. Peter Venkman zu sehr auf den Charakter gesetzt worden, so dass sie gar nicht als sie selber wahrgenommen werden kann, sondern nur als trauriger Ersatz für Vorbild Murray. Dabei ist es einer der tieferen Witze des Films, sexuelle Belästigung in die andere Richtung zu drehen. Hierfür steht natürlich Adonis Chris Hemsworth im Zentrum, als dummes Heteromännchen und Assistent der Gruppe, der schlicht zu simpel gestrickt ist, um die Objektivierung seiner Erscheinung zu durchblicken. Wirklich schade ist es allerdings, dass auch der neue „Ghostbusters“ mit der einzeiligen Idee des Originals, ein Team bestehend aus KomikerInnen geht auf Geisterjagd, hätte durchaus alleine punkten können. Zumindest wenn Feig und Co-Autorin Katie Dippold ihr Drehbuch eine andere Richtung gegeben hätten.

Stattdessen versuchen Feig, Dipppold und Co. im neuen „Ghostbusters“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Geist des Originals herbeizurufen. Die Eröffnung ist eine phantomeske Bedrohungen mit massiver Effektstütze in deren Anschluss drei Wissenschaftler vorgestellt werden: Die drei Hauptdarsteller setzen aufgrund ihrer Obsession mit dem Paranormalen ihre akademischen Karrieren aufs Spiel. Wie einst Dr. Peter Venkman (Bill Murray) ist Kristen Wiig nun die Stimme der Skepsis und McCarthy und McKinnon ihre Laborpartner Abby Yates und Jillian Holtzmann. Letztere sehen nicht nur aus, als hätten sie eine Schraube locker, ihre Äußerungen untermalen dies deutlich, wollen sie doch unbedingt die Existenz von Geistern beweisen.

Nachdem ihre befristeten Lehrverträge ein abruptes Ende finden, müssen sich die drei zusammenraufen, adaptieren in etwa dieselben Kostüme, ein sehr ähnliches Logo und auch ein Ecto Mobil, genau wie ihre männlichen Spiegelbilder im Original. Nur nehmen sich die Damen weitaus mehr Zeit, ihre Entscheidungen zu begründen.

Szene_Ghostbusters_4Zunächst aber ist es das erklärte Ziel überhaupt ernst genommen zu werden. Dafür untersuchen sie so ziemlich jeden Fall von Spuk im plötzlich förmlich von Geistern überfluteten New York. Sie treffen auf die U-Bahn-Angestellte Patty (Jones), die postwendend ihren Job an den Nagel hängt und sich unerklärlicherweise nun als viertes Mitglied im Team ihrer größten Angst auf Tagesbasis stellt. Jones Patty liefert zwar ein paar der besten Zeilen des ganzen Films ab, ihr Charakter ist aber ein wirklich schlimmer Fall von rassistischem Stereotypen, der seine Wurzeln irgendwo zwischen Black-Facing und hell kreischenden Afro-Amerikanern zur Belustigung des privilegierten, weißen Publikum hat.

Schnell wird offenbar, hinter der Spukwelle steckt ein Schurke. In einem cartoonhaften und äußerst schwachsinnigem Plotwist, der unterstreicht, dass Feig viel besser geeignet gewesen wäre einen Neuaufguss von „Scooby-Doo“ zu drehen, entpuppt sich der verärgerte Rowan North (Neil Casey) als Urheber der Plage. Er war es, der all die Geister ins Diesseits einlud, um seinen eigenen, finsteren Pläne zu verwirklichen. Ab dem Punkt an dem die Damen den traurigen Terroristen aufgespürt haben, legt der Film ohne Grund eine Vollbremsung hin.

Da das schwer bewaffnete Team (seit den Tagen von 1984 wurde ordentlich aufgerüstet) erwartungsgemäß daran scheitert Oberschurke North  von der Zerstörung der Welt mit Worten abzubringen, ergießt sich unvermittelt eine Geisterflut über die Leinwand. Schade, denn die Geister sind in der 3D Version wirklich gruselig und scheinen förmlich in den Kinosaal zu wollen. Allerdings geht der Effekt in großer Stückzahl völlig verloren.

Szene_Ghostbusters_3Feig gelang es in der Vergangenheit mehrfach, Genres erfolgreich zu kreuzen. Seine Cop- und Spy-Filme als Comedy-Hybriden sprechen da eine deutliche Sprache. Aber im Fall von „Ghostbusters“ erliegt auch er dem Fluch der digitalen Effekte: Wenn es möglich ist, alles nur denkbare aus dem Computer heraufzubeschwören, muss sich die Regie entscheiden, wann Schluss damit ist. Sonst steht man schneller mit nasserem Füße dar als weiland Goethes Zauberlehrling. Feig eröffnet im Finale mit einer amüsanten Besessenheit, verliert aber rasant die Kontrolle als sich eine wahre Flut von generierten Schrecklichkeiten in Gotham´s Mercado Hotel ergießt.

Als völlig unnötiger Dienst an den Fans versammelt Feig dann noch so gut wie jeden Darsteller und jedes Wesen aus dem Original. Einzige Ausnahme bilden der im letzten Jahr verstorbene Ramis und Rick Moranis. Bei dieser Menge bleibt jedoch kaum Platz für erinnerungswürdige, neue Geister. Die, die auftauchen, ergeben beachtlich wenig Sinn, unter ihnen ein Flugdrache auf einem Metalkonzert und eine godzilla-große Version des Logos der Zeichentrickadaption. Bedenkt man dann, dass scheinbar die Trickfilmserie ähnlich starken Einfluss auf das Drehbuch ausübte, wie das Original von 1984, so darf es einem getrost eiskalt den Rücken herunter laufen beim Gedanken, was Sony wohl für die Zukunft der Franchises in Planung hat. Insbesondere im Angesicht des Abschreibungsgeschäfts, welches das Reboot für den Großkonzern werden dürfte. Aber wie immer gilt auch hier, am besten selbst überzeugen.

 

 

 

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