KRITIK

Gesetz der Rache

Gesetz der Rache Seitdem James Wans knallharter Selbstjustizthriller „Death Sentence“ im Jahr 2007 bei Genrefreunden für Furore sorgte, erlebt das Vigilantengenre eine wahre Frischzellenkur. Mit dem Startschuss, eingeleitet durch Charles Bronsons Feldzug in „Ein Mann sieht rot“ im Jahr 1974, überfluteten unzählige Derivate in den Folgejahren den Markt. Obwohl auch „Death Sentence“ nicht die Qualität des großen Vorbilds aus den 70ern erreicht, öffnete er jedoch Tür und Tor für einige äußerst nahmhafte Trittbrettfahrer.

So nahm beispielsweise auch Jodie Foster in „Die Fremde in dir“ das Gesetz in die eigene Hand und erst jüngst zerlegte Liam Neeson in „96 Hours“ halb Paris. Nun reiht sich mit Gerard Butler ein neuer Rächer in die prominente Liste ein. Dieser geht in F. Gary Grays „Gesetz der Rache“ sogar noch einen entscheidenden Schritt weiter als seine Vorgänger.

Nachdem Clyde Shelton (Gerard Butler) bei einem brutalen Überfall Frau und Tochter verliert, setzt er sein ganzes Vertrauen in das amerikanische Justizsystem und den aufstrebenden Staatsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx). Gegen Clydes Erwartungen handelt Rice, anstatt auf die Todesstrafe zu klagen, einen Deal mit dem brutalen Mörder aus. So hält der Anwalt zwar seine tadellose Verurteilungsquote, der perverse Familienmörder kommt
jedoch mit einer allzu milden Haftstrafe davon. Zehn Jahre und einen ausgeklügelten Plan später, lockt Clyde den mittlerweile freigelassenen Mörder in ein Lagerhaus und foltert ihn brutal zu Tode. Von der Polizei festgenommen, offenbart Clyde Stück für Stück seine wahren
Pläne. Vom Gefängnis aus steuert er einen gnadenlosen Feldzug gegen all jene, die damals in das Verfahren involviert waren – inklusive Richter und Anwaltschaft…

Gesetz der Rache startet mit einem gnadenlosen Auftakt. Ohne große Einleitung wird der brutale Mord an Clydes Familie gezeigt. Nachdem das kurze Gerichtsverfahren mit einem für den Familienvater Shelton durch und durch unbefriedigenden Ergebnis beendet ist, startet er seinen perfekt geplanten Rachefeldzug. Einer der besten Szenen spielt sich während Clydes Sheltons Kautionsanhörung ab, in der er der Richterin, auf höchst amüsante Weise, die Fehler des eigenen Rechtssystems aufzeigt. Im weiteren Verlauf gerät der Film jedoch bei circa halber Spielzeit an eine Grenze, an der er vor die Wahl gestellt wird: dreckiger und harter Rachethriller, der halbwegs glaubwürdig und ernst gemeint bleiben will, oder
trashige Karikatur des Genres?

Leider entscheiden Drehbuchautor Kurt Wimmer („Equilibrium“) und Regisseur F. Gary Gray („The Italien Job“) sich für Letzteres. Der Handlungsverlauf wird plötzlich derart abgehoben und unglaubwürdig und entbehrt jeder nachvollziehbaren Logik, dass er als purer Trash zu bezeichnen ist. Mit einer sichtbaren Überhöhung inszeniert, wäre dies den Verantwortlichen zu verzeihen, wenn sich der Film dabei nur nicht selbst zu ernst nehmen würde. Da dies auf Grund der ersten handwerklich solide inszenierten Filmhälfte nicht mehr möglich war, wirkt der weitere Handlungsverlauf schlicht lächerlich. Am Schluss bleibt es ein Film, der zwar aus der breiten Masse der Selbstjustizthriller heraus sticht, dies aber leider sowohl in positiven, als auch im negativen Sinne verschenkt. Schade!



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INHALT

Clyde Shelton ist ein guter Familienmensch, dessen Leben schlagartig aus den Fugen gerät, als seine Frau und seine Tochter bei einem Einbruch brutal ermordet werden und er selbst nur um ein Haar überlebt. Als die Mörder gefasst werden, übernimmt der ehrgeizige Staatsanwalt Nick Rice den Fall. Gegen seine eigene Überzeugung zwingt ihn sein Vorgesetzter dazu, einem der Täter ein mildes Urteil anzubieten, wenn dieser gegen seinen Komplizen aussagt. Jahre später begibt sich Shelton auf einen Rachefeldzug ...
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