KRITIK

Geschwister Savage, Die

Geschwister Savage, Die Philip Seymour Hoffman: Zurzeit richtet er sich als schmieriger Buchhalter in „Tödliche Entscheidung“ zugrunde, neulich noch raunzte er sich als CIA-Ekel durch den „Krieg des Charlie Wilson“. Wird Zeit, dass er mal wieder etwas softer daherkommt.

Das tut er hier, als bärtiger Literaturdozent, in „Die Geschwister Savage“, und auch dafür war er mal wieder für den Golden Globe nominiert. Dann Laura Linney, sonst die herbe Blonde („Enttarnt“) des amerikanischen Independentfilms. Hier ist sie brünett und ziemlich verhuscht und war mal wieder für den Oscar nominiert.

Auf den ersten Blick ist „Die Geschwister Savage“ ein Film über das Altern, das Siechen und das Sterben. Hoffman und Linney spielen die Kinder eines grantigen Despoten, der an Altersdemenz erkrankt ist und nach dem Tod seiner späten Lebensgefährtin im Rentnerparadies Sun City in ein Pflegeheim im trüben Osten der USA verlegt werden muss.

Und während die beiden Enddreißiger die anfallenden ethischen Probleme wälzen (Sind sie „schlechte Kinder“, weil sie den Vater, der sie stets schlecht behandelte, ins Heim stecken? Müsste es ein luxuriöseres Domizil sein?), während es also scheinbar um den Umgang mit der zum Pflegefall hinuntergewachsenen Elterngeneration geht, setzt Regisseurin Tamara Jenkins („Hauptsache Beverly Hills“) den Fokus doch anders.

Der Titel und die prominente Besetzung weisen darauf hin: Um die Geschwister selbst geht es hier, um ihre lebenslange Konkurrenz und ihre Traumata. Er hat es zum Uni-Lehrer geschafft, dafür läuft es privat nicht rund. Sie wäre gern Theaterautorin, hängt aber in mies bezahlten McJobs fest.

Wäre es nicht wieder einmal ein Fest, dabei zuzusehen, wie Linney und Hoffman ihren Figuren Wärme, Tiefe und moralisches Gefälle verleihen, man könnte das Ganze für banal halten. „Die Geschwister Savage“ ist ein typischer amerikanischer Independentfilm, der trotz seiner ernsten Themen immer ein wenig zu sehr auf gefällige Konsumierbarkeit setzt. Auch demente Alte, die mit Kot die Wände beschmieren, sind hier immer noch ein wenig drollig. Und am Ende ist für alle alles ein bisschen plötzlich in bester Ordnung.



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INHALT

Seit langem haben Wendy Savage und ihr Bruder Jon kaum Kontakt zu ihrem Vater Lenny, der sie als Kinder im Stich ließ. Trotzdem kümmern sie sich um ihn, als bei ihm Demenz diagnostiziert wird und er vom Seniorenparadies Sun City in ein tristes Pflegeheim umziehen muss. Durch das Wiedersehen mit Lenny werden die Geschwister mit dem Verfall des Alters, aber auch mit unverheilten Wunden ihrer Jugend konfrontiert.
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Eure Kritiken zu Geschwister Savage, Die

  1. Christian

    Großartiges Schauspieler-Kino. Hervorragend geführt von Tamara Jenkins. Die beiden Hauptdarsteller brillieren zusammen und für sich allein zu jeder Filmsekunde. Auch wenn die Dramaturgie manchmal zwickt und hakt, das Tempo nicht immer gleichmäßig rund läuft, sollte man sich dieses sehenswerte, traurige und hervorragend gespielte Drama nicht entgehen lassen.

  2. ich

    ein beeindruckender film, der ein wichtiges thema behandelt. herausragend die schauspielerische leistung – durch sie gewinnt der film nochmal gewaltig!

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