KRITIK

Geschmack von Apfelkernen, Der

Plakat zum Film Geschmack von ApfelkernenIris` geliebte Oma Bertha ist gestorben, und nun erbt die Endzwanzigerin deren Landhaus in Schleswig-Holstein, idyllisch gelegen inmitten eines Gartens voller Apfelbäume. Was Proust seine Madeleines, sind Iris die Apfelkerne. Iris denkt an früher, als sie mit ihren Freundinnen Mira und Rosmarie spielte, an die schöne Tante Inga, die immer Pech mit den Männern hatte und ihrer Jugendliebe hinterhertrauert. Sie denkt an ihre Mutter Christa, und sie denkt an die andere Tante, die nach dem Tod ihr Tochter wunderlich geworden ist. Und sie denkt an Carsten, Omas herben Nachbarn …

Iris denkt nach der Beerdigung noch an ziemlich viel anderes aus ihrer Familiengeschichte, doch was Katharina Hagenas zugrunde liegender Millionenseller auf knapp 300 Seiten ausbreitete, wird in der Verfilmung in zwei Stunden durch die diversen Zeitebenen gejagt – und wirkt trotzdem arg behäbig. Während Iris in der Jetztzeit immer neue Geheimnisse aufspürt, die vor allem die Liebesbeziehungen der Frauen betreffen, und dabei zarte Bande zu Miras Bruder Max knüpft, führen Rückblenden zurück in frühere Dekaden der Erzählhandlung. Dabei muss Regisseurin Vivian Naefe (die mit Drehbuchautorin Uschi Reich auch Cornelia Funkes „Wilde Hühner“ zu Kinoehren verhalf) gleich mit drei verschiedenen Liebesbeziehungen jonglieren.

Szene zum Film Geschmack von ApfelkernenWeil das nicht immer klappt, wird der Film mit viel Kunstgewerbe auf Melancholie und bittersüße Wehmut getrimmt – inklusive des obligatorischen Pianosoundtracks und kitschiger Naturbilder wie aus der Rama-Werbung. Immerhin: Die charismatischen Darsteller, allen voran Hannah Herzsprung als Iris, Marie Bäumer und Meret Becker als Tanten, aber auch Matthias Habich und Paula Beer, spielen wacker gegen ihre papierenen Dialoge an.

Der Verleih sähe den Film gern als deutsches Pendant zum Oscar-Gewinner „The Hours“, der mit ebenso femininem Fokus durch die Epochen sauste. Doch dieser Vergleich geht, mit Verlaub, zu weit. Die „Apfelkerne“ wären eher was für den Mittwochabend in der ARD.

  

 



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INHALT

Der Tod von Grossmutter Bertha bringt ihre drei Töchter und Enkel zurück in ihre Heimatstadt Bootshaven. Alle verbinden besondere Erinnerungen mit diesem Ort, aber besonders Iris (Hannah Herzsprung) fühlt sich in ihre Kindheit im Haus der Grossmutter zurück versetzt. Auch Christa (Oda Thormeyer), Iris Mutter und Berthas (Hildegard Schmahl) Tochter plagt das Heimweh nach diesem zauberhaften Ort. Allgegenwärtig ist der Duft von frischen Äpfeln in jeglicher Form. Auch dieser Geruch ist Teil der zauberhaften Erinnerungen an das Haus und Grossmutter Bertha. Iris erlebt in Bootshaven verschiedene Stationen ihrer Kindheit und trifft sogar Max (Florian Stetter), einen Freund aus Jugendtagen. Da Iris das Haus geerbt hat, muss sie überlegen ob sie es verkaufen will, oder nicht. Die Beziehungen zu ihrem Freund aus Kindertagen, sowie die stetigen Erinnerungen an die meist unbeschwerte Vergangenheit machen ihr die Entscheidung nicht gerade leicht.
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