KRITIK

Geisha, Die

Geisha, Die
Eine Geisha ist nicht mit einer gewöhnlichen Hure zu verwechseln. Geisha bedeutet im Japanischen Künstlerin, und in diesem Sinne verstehen die fächerschwingenden und graziös tanzenden Damen mit den weiß geschminkten Gesichtern sich auch: als privilegierte Ars-Amandi-Meisterinnen. So jedenfalls sieht es Arthur Golden in seinem Kimono-Bestseller „Die Memoiren einer Geisha“, der einen duftstäbchensüßen Operettenstoff aufbereitet und alle Register der Kolportage zieht. In diesem Geist getreu verfilmt von Regisseur Rob Marshall („Chicago“).

Im Japan der 1930er Jahre wird das Mädchen Chihio von den Eltern an ein Geisha-Haus verkauft, das Züge eines Dickenschen Waisenheims trägt. Unter der strengen Regentschaft der geldgierigen Mutter Oberin wird Chihio als Putzmagd gehalten und für untauglich erklärt, den Ansprüchen der Männer zu genügen. Doch eines Tages begegnet die traurige Maid einem stattlichen Gentleman, dem Direktor (Ken Watanabe), der ihr ein leckeres Eis kauft. In diesem Augenblick erkennt sie, dass sie Geisha werden und nur dem Direktor dienen will. Eine mütterliche Freundin, die schöne Mane-sha (Michelle Yeoh), nimmt sich ihrer an und formt aus Chihio die Geisha Sayuri (Zhang Ziyi), die Männern mit einem Blick den Atem raubt und deren Jungfräulichkeit zum Rekordpreis versteigert wird. Doch Sayuris Traum vom Glück rückt in die Ferne.

Eine emanzipierte Weltsicht kann man diesem „Madame Butterfly“-Märchen also nicht gerade attestieren. An gesellschaftlicher Relevanz aber ist Marshall keinesfalls gelegen. Weswegen er auch die Vorwürfe kaum verstehen dürfte, dass er die Nippon-Saga überwiegend mit chinesischen Stars besetzt hat. Im Kirschblütenregen sehen die Asiaten schließlich alle gleich aus, Hauptsache hübsch. Nein, der Regisseur und sein Kameramann Dion Bebee schwelgen lieber in Pomp und Opulenz, Naturschönheit und Nostalgieflair.

Dazu darf die Geisha-Queen, durchaus elegant von Zhang Ziyi verkörpert, in den leise rieselnden Schnee eine Reihe bezaubernder Glückskeks-Sentenzen hauchen, die man in Amerika für fernosttypisch hält: „Ein Baum, der alle Blätter und Zweige verloren hat, bleibt doch ein Baum.“ Es ist bloß schade, dass über all der Bilderbuch-Poesie jeder Hauch von Erotik verweht und jene Knistermomente ausgeblendet werden, in denen, wie es hier heißt, „der Aal des Mannes die Höhle der Frau besuchen will“.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Japan Ende der 20er Jahre. Die kleine Chihio wird bei Nacht und Nebel mit ihrer Schwester verschleppt. Kurz darauf erfahren beide, dass sie von den Eltern in die Stadt verkauft wurden. Getrennt voneinander müssen sie in fremden Familien für ihren Lebensunterhalt sorgen. Chihio landet in einem Geisha-Haus, wo sie Monate lang niedere Arbeiten verrichten muss und von der ersten Geisha Hatsumomo gedemütigt wird. Eines Tages begegnet ihr auf der Brücke einer überfüllten Straßenflucht eine Gesellschaft, darunter nicht nur elegante Geishas, sondern auch ein nicht minder eleganter japanischer Herr. Er bemerkt Chihio, ist freundlich und schenkt ihr so viel Geld, wie sie bislang nie besaß. Doch statt es für Nahrung auszugeben, spendet sie es in einem Schrein und verbindet dies heimlich mit dem Wunsch, auch einmal eine solch elegante Geisha zu werden, um diesem edlen und guten Herrn dienen zu können. An diesen Traum wird sie ihre Jugend verschenken, sich langsam von der Magd bis zur Geisha hocharbeiten, unliebsame Konkurrentinnen in Schach halten, um schließlich - nun Sayuri genannt - jenen edlen Herrn nach Jahren wiederzutreffen. War die Szenerie bislang schon herzzerreißend, wird sie nun tragisch: Beide lieben sich, wissen tief im Herzen, dass sie seit damals füreinander bestimmt sind, doch Erziehung, kulturelle wie soziale Fesseln verhindern, dass sie sich einander offenbaren. Wird alles, was Sayuri jemals von dem geliebten Mann besitzen wird, jenes Taschentuch mit Monogramm sein, das sie einst von ihm auf der Brücke erhielt? Mit 15 zeigt Chiyo in Kyoto, was sie kann, bevor der Zweite Weltkrieg und die Invasion der Amerikaner ihr Leben noch ein weiteres Mal umkrempeln.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Geisha, Die

  1. Detlef74

    Ein annehmbarer Film. Etwas kitschig. Doch die Darstellerinnen sind schon eine Augenweide. Wer ein Epos a la Tiger and Dragon erwartet, sitzt im falschen Film. Dennoch ist die amerikanische Fassung einer asiatischen Geschichte annehmbar.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*