KRITIK

Geheime Staatsaffären

Geheime Staatsaffären Unter all den Räuschen, in die der Mensch sich so stürzen kann, ist der Machtrausch zweifellos der schädlichste für die Allgemeinheit, wenngleich gesellschaftlich ziemlich akzeptiert. Besonders beliebt ist der Selbstüberschätzungstaumel in Kreisen der höheren Politik und Wirtschaft, dort, wo die siegesgewissen Vorteilsnehmer und Korrupten sitzen, denen sich der französische Regisseur Claude Chabrol in seinem nunmehr 67. Film mit der kühlen Verächtlichkeit des geübten Bourgeoisie-Spötters widmet.

Hintergrund seines Amigo-Thrillers ist der „Elf Aquitaine“-Skandal, der allerdings nicht faktentreu nacherzählt wird, sondern nur die Folie für eine Studie über Raffgier und Betrug in großem Stil liefert. Isabelle Huppert spielt eine Richterin mit dem klingenden Namen Jeanne Charmant-Killman, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Hintermänner des undurchsichtigen Selbstbedienungs-Deals festzunageln.

Die Frau mit den roten Lederhandschuhen versteht sich auf psychologische Kriegsführung: Mit schneidender Unerbittlichkeit und eiskaltem Lächeln verhört sie einen Vorstandsvorsitzenden, der als Bauernopfer von seinen noch mächtigeren Freunden fallen gelassen wurde. Doch da Chabrol weder Humanist noch Moralist ist, erzählt er die Geschichte nicht als Heldendrama einer Aufrechten, sondern delektiert sich an der Verführbarkeit seiner Protagonistin, die im Zuge des Medienruhms, der ihr zuteil wird, rücksichtslos die eigene Ehe ruiniert und sich auch die Versetzung in ein größeres, moderneres Büro gefallen lässt.

Souverän und einmal mehr staunenswert, wie Huppert diese Frau mit und unter Einfluss spielt, eine Medea der letztlich machtlosen Justiz. Chabrol zeigt sich auf der Höhe seiner Kunst, wenn er den Schacher all derer, die mit der Affäre zu tun haben, als gewöhnliches Gesellschaftsspiel inszeniert.



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INHALT

Jeanne Charmant ist die neue Untersuchungsrichterin im Tribunal de grande instance und als solche für einen aufsehenerregenden Fall von Wirtschaftskriminalität zuständig, bei dem unter anderem Staatsbedienstete Vorteile aus hohen Wirtschaftskreisen empfangen haben sollen. Nach ein paar Wochen auf Jeannes Grill ist auch der gestern noch geachtete Humeau weichgekocht. Manchem aber geht der Ermittlungsstil der eisernen Lady zu weit.
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Eure Kritiken zu Geheime Staatsaffären

  1. Ulli

    Der Film besticht durch viele Dialoge, die sich endlos hinziehen und Isabelle Huppert hat in dem Film wahrscheinlich mehr Zigaretten geraucht als in ihrem ganzen Leben zuvor. Spannung will nicht richtg aufkommen und ich war froh, als ich endlich gehen konnte.

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