KRITIK

Garden State

Garden State Einmal mehr fasziniert ein Film, der einen nachvollziehbaren Vater-Sohn-Konflikt zum Thema hat. Leider wird dieser hier allerdings ein wenig oberflächlich abgehandelt, was zur Ehrenrettung des jungen Regisseurs Zach Braff, aber sicherlich auch an der Übersetzung der Dialoge liegen kann. Der Vater (herausragend: Ian Holm) mit seinem Kontrollwahn, der die ganze Familie zu unterdrücken scheint und selbst vor der Gestaltung des eigenen Schreibtisches nicht halt macht – Alles liegt auf das Genaueste an seinem Platz. Seinen Sohn hat er mit Medikamenten kaltgestellt und fremdkontrolliert und selbst seine verstorbene Frau schien er beherrscht zu haben – er scheint für alle Protagonisten das Zünglein an der Waage.

Somit gehört der Film in den Bereich des Initationsromanes. Ohne Medikamente zurück in der alten Heimat erkennt der Protagonist, dass seine Kumpel von einst auch nicht normaler sind, als er selber. ‚Every hen it’s pickup‘ Schließlich scheint er über Umwege sogar zu erkennen, dass das Prinzip der Schrulligkeiten auch für seinen Vater gilt und kann Frieden mit ihm schließen, obwohl dieser seinen Sohn weiterhin nicht zu verstehen scheint. Er erkennt, dass die Schrulligkeiten in den Köpfen auch Merkmal von Individualität und Persönlichkeit sind und die Begegnung mit diesen schrulligen Menschen das Leben bereichern. Diese Erkenntnis scheint schließlich auch sein Herz für die Liebe zu seiner chaotischen Freundin zu öffnen, in dem seine Liebe den Umweg um die Zweifel eines veralteten Verstandes mit überkommenen Normen und Ansichten wählt.

In dem Film „Good Will Hunting“ wird der Satz gesprochen, dass es bei der Liebe nicht darauf ankommt, dass der Partner perfekt ist, sondern dass man füreinander perfekt ist. Dies scheint für unser ‚Dreamteam‘ immerhin möglich. Die Frage, ob sie ihr Glück finden im Leben bleibt offen. Der Optimist und Wagemutige glaubt an sie, der Zweifler und Zauderer sagt, es wäre Wahnsinn. Hier wird bei einem Happy-End im Film für gewöhnlich abgeblendet…

Dieser Konflikt, der in dem Film behandelt wird, ist sehr sehenswert. Die Akteure sind erfrischender Weise keine makellosen Hollywoodschönheiten (mit Ausnahme von Nathalie Portman) und sie tun Dinge, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben (Kiffen, Sexspielchen, Leichenschändung etc.). Das macht die Figuren glaubwürdiger. Trotzdem sind verschiedene Aspekte meilenweit überzogen, was die Skurrilität der Absonderheiten unterstreicht (Die Villa ohne Möbel, das Ausrauben der Särge auf dem Friedhof, das Hemd aus dem Tapetenstoff, etc.). Zach Braffs erste Regiearbeit kann man als gelungen bezeichnen. Er hat einen erfrischenden und durchweg gut besetzten Debutfilm abgelegt, auch mit der Hoffnung oder dem festen Glauben, dass dies sicher nicht seine erste und letzte Regiearbeit gewesen ist.



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INHALT

Als seine depressive Mutter stirbt, muss Andrew Largeman nach Jahren erstmals zurück in seine Heimat New Jersey und sich der Konfrontation mit seinem Vater stellen. Gleichzeitig erwarten ihn ein Wiedersehen mit alten Freunden wie dem Totengräber Mark und die unverhoffte Bekanntschaft mit der jungen Sam, die Large aus seiner emotionalen Isolation lockt.
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Eure Kritiken zu Garden State

  1. the-CloseUp

    Herausragendes RegiedebütAndrew Largeman (Zach Braff) hat seine Vergangenheit hinter sich gelassen und fristet sein Dasein in Los Angeles und hat sich dort als Schauspieler versucht. Jedoch war die Rolle eines geistigbehinderten Footballspieler seine bisher einzige nennenswerte Rolle. Also geht es ihm wie vielen anderen auch, er muss sich mit einem anderen tristeren Job über Wasser halten. Dies macht er durch seinen Job als Kellner in einem vietnamesischen Restaurant, in dem er unzufriedene und verwöhnte Snobs bedient. Aber es geht nicht recht voran in seinem Leben und er wandelt beinahe wie ein Zombie durchs Leben, abgestumpft durch die Medikamente, die ihm sein „Psychiater-Daddy“ verschrieben hat. Schließlich bekommt er einen Anruf von seinem Vater Gideon (Ian Holm), den er nie zurückruft und den er schon seit neun Jahren nicht mehr gesehen hat. Seine querschnittsgelähmte Mutter ist gestorben, ertrunken in der Badewanne – Selbstmord. Er macht sich also auf in seine Geburtsstadt Garden State, New Jersey…

    Dieses neue Multitalent aus Hollywood, dass uns hoffentlich viele weitere Filme dieser Qualität bescheren wird, ist bisher nur durch seine Rolle als Dr. John Dorian aus der US-Ärzteserie „Scrubs“ aufgefallen. Doch er hat bei weitem mehr auf dem Kasten und das hat er mit dieser Indie-Perle „Garden State“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Und das es sich hierbei um das Regiedebüt, Debüt als Drehbuchautor und die erste grosse Rolle für Zach Braff handelt, ist dem Film um so höher anzurechnen. Braff hat eine Geschichte geschaffen voller faszinierender Charaktere, eine Geschichte die einen zugleich um Lachen bringt aber auch berührt. Auch Braff’s schauspielerisches Potential kommt hier erstmals richtig zum tragen und er liefert eine phantastische Darbietung ab.

    Nach und nach erfahren wir immer mehr über Andrew und seine Vergangenheit. Bei der Beerdigung seiner Mutter, kann er trotz aller Bemühungen keine Träne vergießen. Dort trifft er auch seinen alten Jugendfreund Mark (Peter Sarsgaard) wieder, der auf dem Friedhof arbeitet. Mark ist eine dieser skurrilen und interessanten Figuren in Braff’s Geschichte. Dieser wohnt zwar noch bei seiner Mutter, kommt aber trotz der wenigen Arbeit irgendwie über die Runden und hat auch gewisse Methoden wie er zu Geld kommt. Ebenso versteht er es mit seinen anderen Freunden, z.B. dem Erfinder des geräuschlosen Klettverschlusses wilde Party’s zu feiern.

    Da Largeman immer wieder Schübe von stechenden Kopfschmerzen hat, verschafft ihm sein Vater einen Termin im Krankenhaus. Dort lernt er die liebenswerte notorische Lügnerin Sam (Natalie Portman) kennen. Die im Grunde ebenso ein Sonderling ist wie er. Portman ist hier der reinste Zucker, dass Süßeste was die Kinoleinwand seit langem erfüllte – einfach zum Verlieben. Es ist einfach herrlich ihr in den Momenten zwischen Andrew und Sam zuzusehen …

    Und „Garden State“ glänzt nicht nur mit diesen skurrilen Figuren, sondern auch mit allerhand skurrilen Momenten. So z.B. das T-Shirt mit Tapeten Muster, welches Largeman beim Leichenschmaus anprobieren muss. Oder aber die Beerdigung von einem von Sam’s Hamstern, auf ihrem hauseigenen Tierfriedhof… Das sind nur zwei der zahlreichen skurrilen Geschehnisse in „Garden State“, die den Film zu etwas besonderem machen.

    Ein weiteres Highlight des Films stellt auch der ausgezeichnete Soundtrack dar, mit Liedern von Coldplay, Nick Drake und vielen weiteren. Eine perfekte Mischung aus Melancholie und guter Laune! Ein rundum gelungenes Werk und der Indie-Tipp schlechthin. Man darf gespannt sein was in Zukunft von Zach Braff kommt, bleibt zu hoffen, dass er auch die Chance dazu erhält.

    Text | bfl – the-CloseUp.de

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