KRITIK

Gärtnerin von Versailles, Die

Bild (c) Tobis Film.

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Alan Rickman ist als Schauspieler vor allem als Hogwarts-Lehrer Snape in der „Harry Potter“-Reihe populär geworden. Als Regisseur hatte der bald 70-Jährige bislang weniger Erfolg: Sein erster Film „The Winter Guest“ erwies sich 1997 als kolossaler Flop. Sein neues Werk „Die Gärtnerin von Versailles“ kann man deshalb, nach 18 Jahren Pause, fast schon wieder als Regiedebüt bezeichnen. Ein Meilenstein ist es wieder nicht geworden.

Was wohl als süffiger Mix aus barockem Kostümepos und dialogstarkem Charakterdrama geplant war, entpuppt sich schnell als laues Starvehikel in Landlust-Optik. Der Star ist Kate Winslet, die hier, nach ihren jüngsten Gast-Engagements in den „Divergent„-Teeniefilmen, mal wieder eine starke, emanzipierte Frau spielen darf. Das macht sie, wie immer, gut. Die unangepasste Witwe Sabine De Barra, eine Gartenkünstlerin des ausgehenden 17. Jahrhunderts, die einen prestigeträchtigen Auftrag am Hofe von Louis XIV. ergattert, hat es in Wirklichkeit zwar nicht gegeben – aber wäre es nicht schön gewesen, wenn doch?

Mit Chuzpe und Mut zur Asymmetrie beeindruckt sie den königlichen Gartenbaumeister von Versailles, den unglücklich verheirateten André Le Notre (Matthias Schoenaerts, „Der Geschmack von Rost und Knochen“). Der soll seinen Chef zufriedenstellen, doch der Sonnenkönig (Rickman) verlangt nichts weniger als einen neuen Garten, der alle anderen Gärten an Schönheit übertreffen soll.

_D3S5979.NEFLe Notre setzt daher auf den Faktor Unkonventionalität: Er stellt Sabine ein, die schon deshalb aus dem Rahmen fällt, weil sie die streng systematischen Blumen- und Vasenarrangements von Versailles gerne mal aus der Ordnung schiebt. „A Little Chaos“, ein bisschen Chaos, so heißt der Film im Original. Logisch, dass die Neue für Missgunst sorgt, bei den männlichen Konkurrenten, bei den Hofschranzen, die nichts mehr verabscheuen als geänderte Vorzeichen, aber auch (und nicht zu Unrecht) bei Le Notres Gattin.

Auch sonst geschieht wenig Überraschendes. Kaum messbar ist der Erregungspegel der Intrigen, in die Sabine während ihrer schlammversunkenen Arbeit an einer sprudelnden „Tanz-Insel“ im Park von Versailles gerät. Das Gartenrefugium der freien Witwe scheint dem Manufactum-Katalog entsprungen zu sein. Man kann zu all dem prima eine Tasse Früchtetee trinken. Oder ein Glas Cidre.

„Die Gärtnerin von Versailles“ schnorchelt zwei Stunden lang störungsfrei vor sich hin, ist dabei so französisch wie die Beatles, nett gespielt zwar, aber ultimativ belanglos. Filmische Hortikultur für den sicher nicht aristokratischen, aber sicher zutiefst bourgeoisen Abend.

 

 



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