KRITIK

Full Metal Village

Full Metal Village Sung-Hyung Cho hat im koreanischen Großstadtmoloch studiert und später inmitten der Wolkenkratzer von Frankfurt am Main. Vielleicht ist ihr erster langer Dokumentarfilm also deshalb so ein Volltreffer geworden, weil sie sich für ihn in die ländliche Idylle Schleswig-Holsteins zurückzog. Wo der Wind über die Felder weht und die Kühe muhen.

Dort oben, irgendwo zwischen A 23 und Dithmarschen, liegt das Dorf Wacken, und man wüsste nicht von diesem Flecken, fände dort nicht alljährlich Europas bedeutsamstes Open-Air-Festival für Heavy Metal statt. Über 60 000 Fans des harten Rock`n`Roll strömen dann in den bukolischen Bauernort, recken die Fäuste, wälzen sich im Dreck, kaufen die Supermärkte leer und lassen, tatsächlich, Mülltonnen singen.

Doch davon erzählt „Full Metal Village“ nur am Ende. Davor entwirft Cho, als neugierige Fragestellerin auch selbst im Bild, ein faszinierendes, witziges, rührendes Porträt dieses Dorfes und seiner Menschen. Mit ihr lernen wir den ruhigen Bauern Plähn kennen, der ganz bei sich ist, wenn er mit Zigarette und Katze vorm Stall sitzt („So macht Landwirtschaft Spaß!“ sagt er, und so heißt auch der Untertitel des Films), seinen agilen Nachbarn Trede, einen Macho, Macher und Sprücheklopfer, oder auch die 16-jährige Katrin, die gern mal „eine Stunde beim Zweiten Weltkrieg“ zuschauen würde. Eine Typenparade einerseits, sicher, aber keine diffamierende. Das ist das Tolle daran. Cho wirft eher einen liebevollen Blick aufs Ländliche. Am Ende fühlt man sich, als hätte man selbst gerade in Wacken Urlaub gemacht. Sehenswert.



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INHALT

Als die in Deutschland lebende, südkoreanische Cutterin Sung-Hyung Cho im Jahre 2004 von einem weltberühmten Heavy-Metal-Festival erfuhr, das alljährlich zehntausende Fans ins schleswig-holsteinische Flachland lockt, fasste sie den Plan, über dieses Open Air ihre erste eigene Dokumentation zu drehen. Bei ihren Recherchen stellte sie fest, dass der Ort des Geschehens – das 2.000-Seelen-Dorf Wacken, zwölf Kilometer nordwestlich von Itzehoe – und seine Bewohner ein weitaus attraktiveres Thema sein würden als das Metal-Festival selbst.
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Eure Kritiken zu Full Metal Village

  1. Otis

    Was für eine tolle Reportage. Drei Jahre soll die sympathische Koreanerin angeblich recherchiert haben. Herausgekommen ist dabei ein unbedingt sehenswerte Dokumentation über ein Festival und die „betroffenen“ Bewohner. Klasse, sympathisch, witzig, ehrflich!

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