KRITIK

Friedensschlag

Friedensschlag Gerardo Milszsteins Film dokumentiert ein sehr ambitioniertes Vorhaben. Straffällig gewordene Männer werden mit einer Kamera beobachtet. Allein diese Kenntnis müsste ausreichen, um zu wissen, dass Milszsteins Projekt mit vielen Problemen behaftet war. Die Teilnehmer des Projekts sind keineswegs Jugendliche, die sich eine Besserung erhoffen. Der einzige Grund ihrer Teilnahme bei der „Work and Box Company“ ist die sich bietende Alternative zum Gefängnis.

Dementsprechend ist die Umsetzung des Konzepts auch mit vielen Rückschlägen und Niederlagen behaftet, was sich auch schon zu Beginn von „Friedensschlag“ zeigt. Die Wut, der Frust und das aggressive Potenzial der Jugendlichen sitzen tief. Dies wird ebenso eindringlich wie ungeschönt portraitiert. Jeder Zuschauer wird an vielen Stellen nicht nur einmal den Kopf über die Disziplinlosigkeit und die ungemein respektlose Haltung der Jungs gegenüber den Sozialarbeitern schütteln.

Doch nicht etwa das schockierende Verhalten der jungen Männer stand im Fokus des Filmemachers. Viel mehr spielt der Veränderungsprozess, den die Protagonisten während des Trainings, das als eine Art Therapie betrachtet werden kann, eine große Rolle. Die Jugendlichen lernen erstmals mit ihren Aggressionen umzugehen und bekommen ebenso einen Weg aufgezeigt, der sie in ein normales berufliches und soziales Leben führen kann. Erfolgsquote: 80 Prozent.

In Zeiten, in denen private Fernsehsender bevorzugt Reality-Shows mit Problemkindern zeigen, um Erziehungstipps von sich zu geben, ist es erfrischend, einen seriösen, ehrlichen und ungeschönten Dokumentarfilm über dieses brisante Thema zu sehen. Nicht zuletzt durch die immer wieder aufkommende Debatte um Jugendgewalt und dem Ruf nach schärferen Gesetzesstrafen ist Milszsteins Film ein wertvoller Beitrag zu einem aktuellen gesellschaftlichem Streitpunkt. Besonders hervorzuheben ist auch, dass die Taten und das Verhalten der Straffälligen nicht nur aufgezeigt werden, sondern es wird auch ein wenig Ursachenforschung betrieben. Milszstein war sichtlich bemüht, seine Protagonisten nicht vorzuführen. Er wollte Ihnen nahe kommen und sie verstehen lernen. Was ihm eindrucksvoll gelungen ist. Zum Glück bleibt der Film frei von Wertung oder gar Verurteilung.



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INHALT

Die Dokumentation erzählt von einer Gruppe junger straffälliger Männer, die in dem einzigartigen Maßnahmenprogramm „Work and Box Company“ vor einer riesigen Herausforderung stehen: Endstation Knast oder das Einreißen aller Mauern, mit dem Ziel, sich selbst anzunehmen und nach totaler Abkapselung und extremer Aggression nach außen wieder Beziehungen und Nähe aufzubauen.
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