KRITIK

Fräulein Stinnes fährt um die Welt

Fräulein Stinnes fährt um die Welt Interessant, aber nicht ganz geglückt ist diese Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm über eine der schillerndsten Frauen der Weimarer Republik und über ein spektakuläres Abenteuer, das heute vergessen ist: Clärenore Stinnes, Tochter des Kohlekönigs Hugo Stinnes, machte sich 1927, nach dem Tod des Vaters, auf, als erster Mensch in einem Automobil die Welt zu umfahren.

Zwar hatte sie einen Versorgungs-Lkw dabei und Techniker zur Wartung ihres „Adler Standard 6“, doch in Sibirien stiegen jene aus, und der Lkw blieb liegen. Nun blieb nur noch Kameramann Söderström, der die zweijährige, von Bürgerkriegen, Raubüberfällen, Krankheiten und Pannen unterbrochene Reise begleitete und daraus am Ende mit reichlich Filmmaterial und obendrein als Geliebter der Reise-Rekordlerin hervorging.Auszüge aus seinem Film „Im Auto durch zwei Welten“ (1931) schmücken nun eine Hälfte dieses Films von Erica von Moeller. Der Rest ist inszeniert – und problematisch: Verglichen mit den Doku-Passagen, die ethnografische Einblicke in touristisch unbeleckte Zeiten ermöglichen, wirken die Spielszenen hölzern.

Sandra Hüller ist zwar perfekt besetzt als emanzipierte Bubikopf-Abenteurerin mit Anzug und Schlips, wohingegen der ältliche Bjarne Henriksen als Söderström deplatziert wirkt. Nur der amüsant distanzierte Erzählerkommentar, der Söderströms Tagebuchaufzeichnungen zitiert, überzeugt.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Es ist eine der ungewöhnlichsten Abenteuergeschichten des 20. Jahrhunderts: die Weltreise der Industriellentochter Clärenore Stinnes, die als erste Frau die Erde mit einem Auto umrundete. 1927 startet sie ihre Expedition zusammen mit zwei Technikern und dem schwedischen Kameramann Carl-Axel Söderström. 48.000 Kilometer hat das Team vor sich. Von Beginn an wird die wagemutige Weltumrundung von Problemen überschattet: Kriege, Überfälle, Motorschäden, Krankheiten. Nicht alle aus der Gruppe sind dem Druck gewachsen.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Fräulein Stinnes fährt um die Welt

  1. Christian

    Ich weiß nicht, ob es an der Herangehensweise liegt, die Originalaufnahmen mit eigenen digitalen Aufnahmen zu montieren oder an der falschen Besetzung des Kameramanns und Begleiters Carl Söderströms, der mit dem wesentlich älteren Dänen Bjarne Henriksen (fehl)besetzt wurde, insgesamt blieb der Film blass, emotionslos und langweilig.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*