KRITIK

Frauen von Stepford, Die

Frauen von Stepford, Die Es gibt Kriege, die wohl nie ein Ende finden werden. Der prominenteste und auch lukrativste darunter ist nicht etwa der Feldzug gegen den Terrorismus, sondern der ewige Kampf der Geschlechter. Was kaum jemand besser auszuschlachten versteht als die eiskalte Fernsehproduzentin Joanna Eberhard (Nicole Kidman), die gerade eine Reihe flotter neuer Folterformate entwickelt hat, in denen Mann und Frau sich ihrer Mars- und Venus-Abstammung aufs Schmerzlichste bewusst werden. In der originellsten Sendung wird ein glückliches Pärchen auf ein idyllisches Südsee-Eiland geflogen und getrennt voneinander eine Woche lang von professionellen Prostituierten verwöhnt – am Ende dann gilt es für beide, sich zwischen liebevollem Blümchen-Sex daheim und exotischen Extravaganzen zu entscheiden. Ja, Joanna ist auf dem Gipfel ihrer Karriere angelangt. Schade nur, dass der männliche Testkandidat der Insel-Show mit der Wahl seiner Ex-Geliebten nicht zurecht kommt und Amok läuft. Die Produzentin wird gefeuert und erleidet einen Nervenzusammenbruch.

Ein verheißungsvoller Beginn. Bloß hat Regisseur Frank Oz, der hier das Remake von Bryan Forbes‘ „Die Frauen von Stepford“ aus dem Jahr 1975 vorlegt, sein satirisches Vermögen damit bereits ausgeschöpft. Was im Folgenden über die geheimen Wünsche der Geschlechter erzählt wird, das kommt so putzig-brav daher wie der pastellene Vorspann, in dem Oz das staubsaugerverliebte und herdtreue Hausfrauenbild der 50er karikiert. Was ja nett ist, aber ungefähr so aufregend wie der röhrende Hirsch über dem Spießer-Sofa. Vielleicht hat die Geschichte, die auf einem Roman von Ira Levin basiert, heute schlicht jede Brisanz verloren. Joanna, leidlich genesen, zieht mit ihrem Mann Walter (Matthew Broderick), einem fürsorglichen Pantoffelhelden, ins Städtchen Stepford, wo die Vorgärten wie im David-Lynch-Film erstrahlen. Gespenstisch glücklich wirken hier alle, und wie wohl verteilt die Rollen sind: Während die Herren es sich im Raucherzimmer gut gehen lassen, backen und putzen die Frauen voller Freude. Eine Atmosphäre, die nicht von ungefähr an den Horrorfilm „Invasion of the Body Snatchers“ erinnert. Und auch Joanna wird noch erfahren, was den Unangepassten in Stepford blüht.

Die grell-böse Emanzipations-Farce, die Ira Levin einst im Sinn gehabt haben muss, verkommt bei Frank Oz und Drehbuchautor Paul Rudnick indes zur Klamotte. Obschon ihre Neuauflage des Schöner-Leben-Stoffes bis in die Nebenrollen mit Bette Middler, Glenn Close und Christopher Walken erstklassig besetzt ist, agieren alle Beteiligten unter ihren Möglichkeiten. Besonders Nicole Kidman, die, warum auch immer, nur als kühle Dompteuse der Fernseh-Erniedrigung überzeugt.



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INHALT

Joanna Eberhart hat es an die Spitze geschafft. So zumindest glaubt sie.
Sie ist nicht nur jüngste Präsidentin in der Geschichte des Fernsehsenders EBS, sondern hat zuhause einen aufmerksamen Ehegatten und zwei wundervolle Kinder. Oberflächlich betrachtet scheint Joannas Leben, nun ja, perfekt zu sein... bis eines Tages das ganze Kartenhaus über ihr zusammenfällt und die Kata-strophe ausbricht: Sie verliert ihren Job, ihre perfekte Ehe befindet sich in der Krise – sie kann sich nicht einmal mehr daran erinnern, wo ihre Kinder zur Schule gehen. Eben noch eine erfolgreiche Businessfrau scheint Joanna urplötzlich reif für eine Elektroschocktherapie.

Und was sonst außer einem gesunden Nervenzusammenbruch kann Joanna und ihren Mann Walter dazu bringen, sich ihrer Prioritäten zu besinnen? Also packen sie ihre Familie zusammen und auf geht es ins idyllische Städtchen Stepford in Connecticut, wo sie einen neuen Anfang machen wollen.

Aber in der beschaulichen kleinen Stadt geht Seltsames vor sich, und bald wird Joanna misstrauisch. Ebenso wie Bobbie Markowitz, die mit ihrem jähzornigen Ehemann Dave auch gerade erst nach Stepford gezogen ist. Und auch Architekt Roger Bannister, der aufs Land umgesiedelt ist, um seine Beziehung mit dem konservativen Jerry zu retten, wundert sich über die Geschehnisse vor Ort.

Es sind die Frauen. Sie alle sind wie Claire Wellington – schön, glücklich und ungewöhnlich kreativ bei ihrer Haus- und Heimarbeit. Sie können backen, das Haus streichen, den Rasen mähen, mit den Kindern spielen und haben am Ende des Tages noch genug Energie, um ihre Angetrauten in verführerischen Dessous zu empfangen.

Joanna ist irritiert in Anbetracht der umwerfenden aber unterwürfigen Frauen, die sie in Stepford kennen lernt, und ihr wird immer unwohler zumute. Andererseits könnte Walter scheinbar kaum glücklicher sein – und besonders beeindruckt ist er vom örtlichen Männerclub, der Stepford Men’s Association, die ihren Sitz in einem festungsartigen Anwesen mitten in der Stadt hat. „Diese Stadt, und diese Häuser, und diese ganze Umgebung – das ist wie ein Traum“ begeistert er sich. „Hier ist alles so, wie es im Leben sein sollte.“ Bis Joanna Eberhart dazwischenfunkt...
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Eure Kritiken zu Frauen von Stepford, Die

  1. Isa

    Trotz der…guten Besetzung eine große Enttäuschung. Film ohne Esprit, Drehbuch ohne Verve…

  2. eowyn

    Schlechter film,..gute seite. hey, kam durch zufall hierher. sieht ja alles ganz klasse aus bei euch… bin mal gespantt, weiter so!

  3. nicki

    kaum zu glauben,…… dass es diese klamotte auf platz 4 der deutschen kino-charts geschafft hat!

    echt selten dämlich!

  4. Twickers

    einzeln nett – im Vergleich flopDarf man ein Remake einer Romanverfilmung machen und dabei das Genre wechseln von einem perfiden ‚Horror’stück mit Schreckensvisionen zu einer leicht angedunkelten Komödie mit Happy End und Starbesetzung? Man möchte brüllen „NEIN“, aber es passiert trotzdem. Und wenn man über die Vorlagen den Deckmantel des Schweigens breitet für die Dauer von 93min wird man sogar gut unterhalten. Zu gut spielen vor allem Bette Midler und Nicole Kidman ihre Rollen um sie nicht zu mögen als böse Remakehexen. Sehen wir es als einen leichten Blick auf einen brisanten Ausgangspunkt, der Raum für ein paar Fragestellungen nach einem für-und-wider läßt, aber vor allem auf die Unterhaltung des Publikums abzielt. Die Retrowelt Stepfords entlockt einige Lacher und bietet somit Unterhaltung für einen langweiligen Sonntag nachmittag.

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