KRITIK

Frances Ha

Plakat zum Film Frances HaOh Girl! Frances ist hyperaktiv, ohne irgendwas richtig auf die Kette zu kriegen. Sie ist smart und hübsch und trotzdem Single, meistens „undateable“, wie viele ihrer Freunde sagen. Sie fliegt Hals über Kopf nach Paris, einfach nur so, obwohl sie chronisch Pleite ist und kaum jemanden dort kennt. Sie ist 27, ohne festen Job und ebensolche Richtung, und sie teilt sich mit dem Berliner Slacker Tom Schilling das schönste Schwarz-Weiss – in Noah Baumbachs hinreißender neuer Neurosen-Komödie „Frances Ha“. Wie schon in Baumbachs famosem „Greenberg“ spielt Greta Gerwig („Lola gegen den Rest der Welt“, „Arthur„) das quirlige, planlose Mädchen, das einfach nicht erwachsen werden will, und sie tut das einmal mehr mit einer entwaffnenden Natürlichkeit, die ihresgleichen sucht.

Wie ihre „Before Midnight“-Kollegen hat sie das Drehbuch gemeinsam mit dem Regisseur verfasst und sich die schnellsten, scharfzüngigsten Dialoge direkt auf den Leib geschrieben. Bei dieser Berlinale dominieren einmal mehr die kleinen Alltagsgeschichten, die bestenfalls auf ihre gesellschaftlichen Umstände reflektieren, doch so charmant und so universell wahrhaftig wie bei „Frances Ha“ gelingen sie den gehypten osteuropäischen Beiträgen im Wettbewerb längst noch nicht.

Szene aus dem Film Frances HaNatürlich werden hier keine existenziellen Probleme verhandelt, aber der Erkenntnisgewinn und vor allem der Wiedererkennungswert sind immens. Wir alle sind ein bisschen wie Frances, sind manchmal ohne Plan und stets auf der Suche. Ihr schönster Moment, sagt sie, wäre es, wenn sie mitten auf einer Party quer durch den Raum ihrem Liebsten in die Augen schauen würde und er zurück – und gemeinsam wären sie in einem Paralleluniversum, zu dem nur sie Zugang hätten. Gegen Ende des Films steht Frances auf just so einer Party und erblickt quer durch den Raum – ihre beste Freundin, immerhin. Und uns bleibt ein gutes Gefühl, dass dieses Leben zu meistern ist, gemeinsam, mit den richtigen Leuten. Und den richtigen Filmen.

  

Kritikerspiegel Frances Ha



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Lida Bach
kino-zeit.de, titel-magazin u.a.
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau für Münster, mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt, filmgazette
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 



 



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INHALT

Frances ist 27, lebt mit ihrer besten Freundin Sophie in New York und ist vollauf damit beschäftigt, ihre Karriere als Tänzerin immer wieder neu zu erfinden. Ihr Studium liegt schon eine Weile zurück, aber ein funktionierendes Profileben scheint noch in weiter Ferne. Auch wenn beruflich eine Enttäuschung die nächste jagt, in ihrem eheähnlichen Zusammenleben mit Sophie fühlt sich Frances ziemlich wohl. Als die jedoch überraschend auszieht, um mit einer anderen Freundin ihre Traumwohnung in Tribeca zu beziehen, sitzt Frances plötzlich auf der Straße. Jetzt muss sie nicht nur einen neuen Platz zum Wohnen finden, sondern auch einen neuen Platz in der Welt, denn von ihren zahlreichen hochtrabenden Ambitionen kann sie nur sehr wenige verwirklichen. Eine vorsichtige Romanze scheitert an unterschiedlichen Beziehungskonzepten und verläuft im Sande. Auch wenn Frances’ Alltag weit entfernt von ihren Träumen ist, stürzt sie sich mit unerschrockener Lebenslust in die Suche und tingelt von einer kuriosen Bleibe zur nächsten.
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Eure Kritiken zu Frances Ha

  1. Tine

    Wieso keinen Starttermin? Der Film läuft doch seit letzter Woche im Kino? Zumindest in Köln 🙂 Ganz ganz grosse Empfehlung auch von mir, wunderbare Unterhaltung mit einer grandiosen Hauptdarstellerin, wobei ich es sehr schade finde das die Darstellerin der Sophie in kaum einer Kritik erwähnt wird, die ist nämlich auch beeindruckend!

    Den Schluss zu erwähnen finde ich allerdings etwas arg gespoilert, ich bin sehr froh dass ich diese Szene vorher NICHT kannte, sie war nämlich wunderschön und für mich Gott sei dank überraschend!

  2. Tine

    (Wie ich gerade sehe wurde der Text angepasst) Also: alle rein da, lange wird der Film sicher nicht im Kino laufen!

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