KRITIK

Foxcatcher

Bild (c) 2015 Studiocanal Film Verleih.

Bild (c) 2015 Studiocanal Film Verleih.

Steve Carell war DER Star der Sitcom „The Office“. Und Antiheld in Komödien wie „Crazy, Stupid, Love“, „Jungfrau (40), männlich, sucht…“. Dass er auch ganz anders kann, zeigt er hier, im neuen Werk von „Capote“-Regisseur Bennett Miller – einem gespenstischen Film, der auf einer historischen Tragödie der US-amerikanischen Sportwelt basiert: 1996 erschoss der Multimillionär John Du Pont den Olympia-Ringer Dave Schultz.

„Foxcatcher“ erzählt die Vorgeschichte dieser Katastrophe aus dem Blickwinkel von Schultz‘ jüngerem Bruder Mark, der mit Dave zusammen 1984 auf der Olympiade in Los Angeles die Goldmedaille gewonnen hatte. Während Dave (Mark Ruffalo, „Die Unfassbaren“) danach ein glückliches Familienleben aufbaut, brütet und arbeitet Mark (Channing Tatum, „22 Jump Street“) einsam vor sich hin – bis er ein merkwürdiges Angebot erhält. Du Pont, Sohn einer steinreichen Familie aus dem Ostküsten-Geldadel, kauft sich gerade ein eigenes Ringer-Team für Olympia 1988 in Seoul zusammen und holt die ausgewählten Spitzensportler zu sich auf seine „Foxcatcher“-Farm in Pennsylvania. Mark soll sein Zugpferd sein.

Szene_Foxcatcher_webWie Stefan George seinen Kreis aus ergebenen Eleven schart Du Pont „seine“ Ringer um sich, geriert sich, obgleich unbegabt, als Trainer und zeitigt dabei ein immer bizarreres Verhalten. Irgendwann dämmert es Mark, dass der Mentor über ihn nur an Dave herankommen möchte. Doch der sportliche Erfolg bleibt aus, die Dinge spitzen sich zu. Carell (mit falscher Nase kaum wiederzuerkennen) ist ebenso großartig wie beängstigend als von der eisigen Mutter (Vanessa Redgrave) gedemütigter Mäzen. Aber auch Tatum und Ruffalo brillieren als Brüderpaar mit wechselndem Dominanzgefälle. Regisseur Bennett lässt in seiner bedächtigen, brütenden und trotz der handfesten Ringkampfszenen stark zurückgenommenen Inszenierung die erotischen Untertöne im Verhältnis Du Ponts zu den Sportlern durchscheinen. Der subtile Mix aus Sportlerdrama, Satire und Thriller ist für fünf Oscars nominiert. Sehenswert.

 




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INHALT

Der Ringer und einstige Olympiasieger Mark Schultz (Channing Tatum) hat den Höhepunkt seiner Karriere bereits überschritten, als er ein Angebot bekommt, das er nicht ablehnen kann: Der exzentrische Multimillionär John Du Pont (Steve Carell) lädt ihn ein, auf sein luxuriöses Anwesen zu ziehen und dort gemeinsam mit dem US-Ringer-Team für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul zu trainieren. Marks älterer Bruder und Mentor Dave (Mark Ruffalo), ebenfalls Ringer und gemeinsam mit seinem Bruder Doppel-Olympiasieger vier Jahre zuvor, soll sich auch anschließen. Während Mark sich schnell von den Verlockungen des reichen Lebens einlullen lässt, zögert der reifere, überlegtere Dave. DuPont, waffenvernarrter Neurotiker und Patriot mit Hang zum Größenwahn, verwickelt Mark währenddessen in eine gefährliche Abhängigkeit – Lob und Luxus werden gepaart mit Trainingsqualen und Psychospielen. Als sich Dave eines Tages doch überreden lässt, Teil von „Team Foxcatcher“ zu werden und mit Frau und Kindern auf das Anwesen zu ziehen, entfalten divergierende Ansichten, unterschwellige Aggressionen und DuPonts wachsende Paranoia eine desaströse Dynamik. (Text: Studiocanal)
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