KRITIK

Four Lions

Four Lions Es ist ein Kreuz mit Omar, Faisal, Waj, Hassan und Barry: Da wollen die fünf Männer aus Sheffield als selbst ernannte Selbstmordattentäter im Namen Allahs größtmögliche terroristische Verwüstung anrichten. Doch schon das You-Tube-Bekennervideo, das sie drehen, scheitert an Inkompetenz (das nachgebaute Maschinengewehr ist viel zu klein), der Ausflug ins pakistanische Al-Qaida-Ausbildungscamp geht fürchterlich schief (die Panzerfaust geht nach hinten los), und die Sache mit dem Sprengstoff . . . Nun, sie hätten die Gebrauchsanweisung lesen sollen. Für Schafe, Krähen und sie selbst wäre die Sache freundlicher ausgegangen.

Als hätte sich „Monty Python“ über Nachwuchs-Islamisten hergemacht: Ätzend wortwitzig und bitterböse konsequent verfolgt Regisseur Chris Morris das blutige Scheitern debiler Dschihad-Dilettanten, die aus nicht fixen Gründen ihrer fixen Idee folgen. Und sich dabei in Grundsatzfragen verheddern: Was überhaupt sollen sie in die Luft jagen? Gar die eigene Moschee, um auch gemäßigte Muslime aufzurütteln?

Derart gedankenwirr taumeln die explosiven Fünf weiter durch die Vorbereitung des eigenen Irrsinns bis zum Finale in Tierkostümen auf dem Londoner Marathon – wer den Abspann abwartet, erfährt sogar noch, dass auch Bin Laden da nicht heile herauskommt. Morris bietet britischen Humor vom Gnadenlosesten, politisch unkorrekt zweifelsohne. Es ist aber auch der Witz der Verzweiflung aus einem Land, das 2005 selbst einem grausamen Qaida-Attentat zum Opfer fiel: Mörder, zu Trotteln gemacht.

Um eins klarzustellen: „Four Lions“ macht sich in keiner Weise über den Islam lustig. Dafür umso mehr über die Gefährlichkeit der Dummen und Verblendeten und über die Humorlosigkeit aller Fanatiker. Von London bis nach Istanbul ist Morris´ tiefschwarze Dschihadisten-Farce gerade auch unter Muslimen zum Kultfilm geworden – es wurde längst Zeit, dass man sie jetzt, nach verzögernden Bedenken süddeutscher Politiker, auch bei uns durchstehen kann. Sehenswert.




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INHALT

Vier junge britische Männer sind im Auftrag Allahs unterwegs. Meinen sie! Omar will sich dem Heiligen Krieg anschließen, weil er nicht länger tatenlos zuschauen will, wie das Ansehen junger Moslems auf der Welt mit Füßen getreten wird. Waj hält das für eine gute Idee und schließt sich an, weil er nichts Besseres zu tun hat – außerdem trifft Omar ohnehin immer alle Entscheidungen für ihn. Barry ist als weißer islamischer Konvertit zwar völlig anderer Meinung, aber das macht nichts, denn das ist er grundsätzlich. Aus Prinzip. Als Bombenbauer stößt Faisal zu der Truppe, der allerdings nicht als Selbstmordattentäter in Frage kommt, weil sein Vater gerade krank geworden ist. Gemeinsam sind sie fest entschlossen, die westliche Gesellschaft dort zu treffen, wo es weh tut. Fragt sich nur, ob sie ein Streichholz anzünden können, ohne sich dabei im Gesicht zu verletzen…
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Eure Kritiken zu Four Lions

  1. tine

    ich habe mir die dvd vor monaten in england bestellt, da ich soviele begeisterte sachen lass … und diese ein wenig vergessen. habe ihn nun zum D-start auch endlich gesehen und war sehr begeistert! der vergleich mit monty phyton passt gut, habe mich sehr amüsiert, andererseits gibt es auch wirklich sehr viel zum nachdenken und die schauspieler (allen voran riz ahmed) halten perfekt die waage zwischen slapstick und ernst. der deutsche trailer lässt mich aber vermuten, dass die deutsche syncronisation eher aus slapstick abzielt? dann vielleicht lieber in englisch schauen …

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