KRITIK

Flug 93

Flug 93 „let’s roll!“, auf geht’s!, mit diesem Schlachtruf sollen die Passagiere des Fluges United Airlines 93 sich auf die Entführer der Maschine gestürzt haben. Auf jene vier jungen islamischen Fundamentalisten, die am 11. September das Flugzeug in ihre Gewalt gebracht und Richtung Washington gezwungen hatten, vermutlich, um es ins Weiße Haus stürzen zu lassen. Soweit aber kam es nicht. Während die weiteren drei entführten Passagierflugzeuge das World Trade Center zerstörten und das Pentagon trafen, endete Flug 93 in einem Acker bei Shanksville, Pennsylvania. Niemand an Bord überlebte, trotz des Aufstandes gegen die Highjacker. So viel zu den Fakten.

Let’s roll!, das rufen nun auch in Paul Greengrass‘ filmischer Chronik der Ereignisse die tapferen Männer, die sich an Bord zusammenfinden, um die Terroristen zu überwältigen. Die Passagiere von United 93 wussten, das ist verbürgt, vom Schicksal der übrigen Todesmaschinen, manche hatten mit ihren Angehörigen telefonieren können. Also wollten sie Ähnliches verhindern. Man hätte aus dieser Geschichte ein patriotisches Heldenepos dichten können, eine feurige Widerstandssaga, die als Balsam für die nach wie vor schmerzende Seelenwunde der überstolzen amerikanischen Nation wirkt. Aber der britische Regisseur Greengrass, der viel Lob für sein Nordirland-Drama „Bloody Sunday“ bekam, inszeniert eine ganz unmittelbare, chaotische, dokumentarisch anmutende Katastrophen-Reportage, die Fakten und Fiktionen klug zu mischen versteht. Er hat auch mit den Hinterbliebenen der Opfer gesprochen und sich ihr Placet für dieses Projekt geben lassen.

Greengrass schildert den Morgen des 11. September aus verschiedenen Perspektiven, unter anderem aus der Zentrale der amerikanischen Flugüberwachung, wo sich im allgemeinen Trubel Gerüchte über eine mögliche erste Entführung und CNN-Berichte über ein Sportflugzeug überlagern, das ins WTC gestürzt sein soll. Der Wissensvorsprung lässt einen da frösteln.

Ob dieser Film im kommerziellen Kino laufen muss, darüber lässt sich streiten. Aber er ist ein mitreißender, aufwühlender und spannender Versuch, sich durch Erzählung dem Trauma zu nähern.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Am 11. September 2001 steigen 44 Menschen in den Flug 93 von United Airlines, der sie von Newark bei New York nach San Francisco bringen soll. Mit an Bord befinden sich Ziad Jarrah, Ahmad Al Haznawi, Al Ghamdi und Ahmed Al Nami. Kurz nach dem Start bringen sie die Maschine in ihre Gewalt. Als sich an Bord herumspricht, dass andere entführte Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon gestürzt sind, schlagen die verzweifelten Passagiere zurück. Um 10.10 Uhr stürzt die Maschine südöstlich von Pittsburgh in Bundesstaat Pennsylvania ab. Fünf Minuten zuvor war der Südturm des World Trade Centers eingestürzt.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Flug 93

  1. Wolf

    Ein MUSS! Spannend, ergreifend, die Kehle zuschnürend. Mehr als die kalten Bilder aus den Nachrichtensendungen. Reingehen!

  2. Tom

    Lob an Paul Greengras, der einen dokumentarisch wirkenden Film mit einer unglaublichen Intensität geschaffen hat ohne dabei auf Pathos, Helden, und Gut-Böse zu setzen. Absolut empfehlenswert, einer der Topfilme des Jahres! Stille war noch nie so berdrückend.

  3. Lotze

    Das alles wirkt äußerst authentisch, obwohl man viele Ereignisse und Geschehnisse nur annehmen kann. Unbedingt sehenswert!

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*