KRITIK

Fluch der goldenen Blume, Der

Fluch der goldenen Blume, Der Der Ausnahmeregisseur Zhang Yimou liefert nach „Hero“ und
„House of flying Daggers“ wieder mal ein prächtiges Epos ab. Waren in den Vorgängerfilmen die Wuxia-Kämpfe reichlich vertreten, nimmt Zhang Yimou den Anteil an Martial Arts Elementen stark zurück und präsentiert uns ein farbenreiches Kammerspiel um Macht- und Ränkespiele nach dem Theaterstück „Gewitter“ aus dem Jahr 1933.

Dabei kann man „Curse of the golden Flower“ am ehesten mit einem Drama vergleichen. Wo „Hero“ rein klassisch ausfiel und sich „House
of flying Daggers“ als verspielter Liebesfilm ohne Substanz entpuppte, läuft Zhang Yimou hier zur Höchstform auf.

Viele Regisseure hätten bei der Bildgewalt den Überblick
verloren und die Handlung wäre in der Flut an optischen Reizen und der
grandiosen Ausstattung versunken. Aber unter der versierten Hand Yimou’s ist ein Shakespeare-artiges Königsdrama entstanden, wo der Kampf um Macht meist im Stillen als politisches Schachspiel geführt wird.

Unter dem Deckmantel von Präzision, Regeln und Etikette werden Gifte gemischt, inzestuöse Beziehungen gepflegt und Komplotte geschmiedet. Dabei gibt es wenig überraschende Wendungen, welches die Spannung aber nicht mindert. Die Handlungsfäden entwirren sich recht schnell und gradlinig wird auf das blutige Finale gesteuert.

Als guter Handlungsanker erweist sich die regelmäßige Zeitankündigung im 2 Stunden Takt, nach der die Kaiserin ihre Medizin nehmen muss.

Dreh- und Angelpunkt des Films ist zweifelsohne Gong Li. Ihre Überpräsenz ist schlichtweg beeindruckend. Die Schauspielerin und
Ex-Lebensgefährtin von Zhang Yimou, die nach mehr als einer Dekade wieder mit ihm zusammengearbeitet hat, schüttelt ihr facettenreiches Spiel leicht und locker aus dem Ärmel. Dabei ist weder ihre Rolle noch die der Anderen der Kaiserfamilie sympathisch ausgelegt. Es ist schön, Chow Yun-Fat in der Rolle des intriganten Herrschers zu sehen. Er spielt einen klugen, kalten Menschen, dessen verschlagene Absichten schwer zu erkennen sind.

Bis zur finalen Schlacht werden nur kleinere Actionsequenzen geboten, die aber ihren hohen Erwartungen mehr als gerecht werden. Das Schwert-Duell zwischen Kaiser und Prinz ist geprägt von ruhigen
Nahaufnahmen, wenn die Schwerter die Rüstungen streifen. Auch die Anschläge der Schergen des Kaisers sind optisch sehr ansprechend inszeniert. In bester Ninja-Art meucheln sich die Mörder mit ihren fliegenden Schwertern durch die Nacht. Einziger Kritikpunkt ist die Massenschlacht am Ende. Der Kampf zwischen der Garde aus Gold und den kaiserlichen Soldaten in Silber endet im unübersichtlichem, digitalen Pixelbrei. Dieser Punkt ändert aber nichts daran, dass „Curse of the
golden Flower“ als Klassenbester der sogenannten Trilogie hervorgeht. Viele werden den Mangel an Wuxia-Kämpfen bemängeln, aber der Film zieht seine Kraft aus dem guten Schauspiel, der pompösen Ausstattung und dem intriganten Fädenziehen.

Dezent entziehe ich mich der Wertung, spekulative Interpretationen
abzugeben, ob Zhang Yimou den Film als Parabel zur politischen Gegenwart Chinas angelegt hat oder nicht.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

China vor mehr als 1000 Jahren, zur Zeit der Tang-Dynastie. Als Prinz Jai nach langjährigen Kriegszügen unerwartet an den Hof zurückkehrt, merkt er sofort, dass im Palast so einiges faul ist. In seiner Abwesenheit wurden allerlei verbotene Begehrlichkeiten geweckt, heimliche Liebesbande geknüpft und unheilvolle Allianzen geschmiedet. Während der Kaiser Vorkehrungen trifft, die eigene Gattin zu vergiften, treibt die Kaiserin hinter seinem Rücken ein ebenso intrigantes Komplott voran. Und auch Kronprinz Wan und Prinz Yu sind in das komplizierte Geflecht aus Liebe, Eifersucht, Machtgier und Hass verstrickt. Doch wer hält hier die Fäden in der Hand, und wer stolpert als nächstes über die geschickt ausgelegten Fallstricke?

Am Tag des traditionellen Chrysanthemen-Festes wird sich alles entscheiden. Während die Kaiserfamilie ihrer größten Tragödie entgegensteuert, färbt sich das goldgelbe Blumenmeer im festlich geschmückten Palasthof purpurrot vom vergossenen Blut der Soldaten, die über die Machtverhältnisse im Reich auf dem Schlachtfeld neu entscheiden sollen...
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*