KRITIK

Fleisch ist mein Gemüse

Fleisch ist mein Gemüse „Bin ich schon tot?“, fragt einmal die in der Psychiatrie dämmernde Mutter des Protagonisten Heinz „Heinzer“ Strunk. „Bin ich in der Hölle?“ Gleich das nächste Filmbild gibt ihr die Antwort. Es zeigt eine entfesselte Meute im Festsaal, die „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse“ grölt. Dazu spielt die Unterhaltungskapelle „Tiffany`s“ auf, in der Strunk fürs Saxofon zuständig ist. Das Purgatorium als Polonaise. Wie stimmig.

Heinz Strunk heißt bürgerlich Matthias Halfpape und hat über seine Zeit als Teufelskerl der Tanzmusik das autobiografische Bekenntnisbuch „Fleisch ist mein Gemüse“ verfasst, das sich eine viertelmillion Mal verkaufen konnte und nun von Regisseur Helmut Görlitz verfilmt wurde.

Es ist mehr Anekdotensammlung als Erzählung, es handelt viel von Pickeln, Pupsen und anderen Peinlichkeiten, und dazwischen lässt es immer wieder tief blicken in ein abgründig einsames Leben ohne Freundin und mit kranker Mutter, dem nur mit viel Galgenhumor und Bier zu begegnen ist.

Für die Leinwand eignet sich die Geschichte von Strunk (Maxim Mehmet) sowie seiner Stimmungs-Combo „Tiffany`s“ nebst zwangsfröhlichem Frontmann Gurki (Andreas Schmidt) daher nur bedingt. Regisseur Görlitz aber gibt sich Mühe, die alkoholisch entgleisenden Einlagen auf Hochzeiten, Schützenfesten und Provinz-Misswahlen zu rhythmisieren. Er lässt des öfteren Heinz Strunk statt eines ausgestopften Hirschs durch ein Loch in der Wand schauen und nordisch-näselnd erzählen. Aber ein bisschen fade bleibt das Ganze. Auch in der Hölle ist halt nicht immer was los.



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INHALT

Mitte der 80er Jahre im Hamburger Stadtteil Harburg wächst der junge Heinz Strunk auf. Ihn plagen fiese Hautausschläge, eine sieche Mutti und die instabile Nachbarin. Dafür kommt er ins Show-Biz als Saxophonist einer Mugger-Kapelle, wo er auf Schützenfesten Korn, Klaus & Klaus und Koteletts kennen lernt. Mit den Sängerinnen Anja und Jette versucht er daraufhin die Solo-Karriere.
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Eure Kritiken zu Fleisch ist mein Gemüse

  1. Phil

    Welcome back 80er Jahre. Ja, so schlimm war es wirklich! Ein schöner Zeitspiegel ist Christian Zübert da gelungen. Ohen Klischees und platte Witze. Auch wenn der Film einige Längen hat.

  2. Christian

    Ein nettes Zeitportrait. Stellt sich nur die Frage: Müssen wir das alles wissen? Ein Film für die ewig gestrigen? Leider ist diese Buchverfilmung zu harmlos, um länger im Kopf haften zu bleiben. Trotz eines überzeugenden Haupt- und vor allem Nebendarstellers (Schmidt).

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