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Flatliners

Plakat zum Film Flatliners mit allen beteiligten Darstellern seltsam entstellt.

Bild (c) 2017 Sony Pictures Releasing GmbH.

Es lohnt sich dieser Tage kaum über Sinn und Unsinn von Remakes zu philosophieren. Nur gelegentlich handelt es sich bei den aktuellen Fällen um eine Herzensangelegenheit, oftmals um eine schnelle Methode leichtes Geld zu verdienen und sehr selten um eine aufregende Neu-Interpretation. Nicht verwunderlich also, dass es sich bei dem Remake des 90er Horrorthrillers „Flatliners“, einem Thriller, der schon vor über 25 Jahren kaum Eindruck hinterließ, um ein Griff in die zweite Mottenkiste, in der eher die „Remake-unwürdigen“ Fälle aufbewahrt werden, handelt. Während Joel Schumacher 1990 noch mit dem geballten Charme seiner Newcomer-Besetzung bestehend aus Julia Roberts, Kevin Bacon, William Baldwin, Oliver Platt und Kiefer Sutherland aufwarten konnte, hat das Remake nicht einmal annähernd Charmantes zu bieten bzw. erstickt jegliches Potenzial seines jungen Casts bereits im Ansatz. Kiefer Sutherland hat als eine Art „Cameo“ immerhin einen nichtssagenden Gastauftritt mit einer albernen Grauhaarperücke.

Worum geht es? Medizinstudentin Courtney (vergeudet: Ellen Page) möchte unbedingt eine Frage beantworten, welche die Menschheit bereits seit Ewigkeiten beschäftigt: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Dahingehend richtet sie ein ganz spezielles, gleichsam gefährliches Experiment, um dieses letzte und wichtigste Geheimnis zu ergründen. Hilfe beim temporären Selbstmord benötigt sie von ihren Kommilitonen Ray (Diego Luna), Marlo (Nina Dobrev), Jamie (James Norton) und Sophia (Kiersey Clemson). Diese sollen die junge Studentin nach ein paar Minuten wieder ins Leben zurückholen und nebenbei wichtige Daten sammeln.

Szene aus dem Film Flatliners mit Hauptdarstellerin Ellen Page in einer Röhre. Der erste Versuch ist nicht nur erfolgreich, sondern aktiviert auch Bereiche in Courtneys Gehirn, die zuvor nicht genutzt worden sind. So kann sie bald ohne Probleme Piano spielen, Brot backen und meistert mit Leichtigkeit ihr Medizinstudium. Nacht für Nacht unterziehen sich bald alle Kommilitonen dem Experiment. Doch nach der anfänglichen Euphorie folgt schnell die Ernüchterung: Sämtliche neugierigen Todestouristen werden bald von Geistern aus ihrer düsteren Vergangenheit heimgesucht.

Natürlich interessieren sich die Verantwortlichen hinter dem Film „Flatliners“ nicht dafür, die Frage nach dem „Leben nach dem Tod“ auf umständlicher, metaphysischer Ebene zu begegnen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass Drehbuchautor Ben Ripley, der 2011 immerhin den cleveren Science Fiction-Thriller „Source Code“ schrieb, dem Original keinerlei neue Aspekte abgewinnen kann. Sowohl Plot selbst als auch Auflösung bleiben mehr oder weniger identisch zur Vorlage. Im Falle des Remakes verzichtet der dänische Regisseur Niels Arden Opley zudem auf neue Techniken in neuem Gewand, seine Inszenierung wirkt regelrecht lustlos, fad und faul.

Szene aus dem Film Flatliners mit allen beteiligten Darstellern an einer Untersuchungs-Röhre. Während Schumachers Original immerhin noch eine schaurig-schöne, kühle Atmosphäre aufweisen konnte, fehlt Opleys Neuverfilmung jegliche eigene Handschrift. Spannungsmomente bleiben spannungsarm und nicht einmal das Ableben der Akteure wird besonders aufregend gestaltet: Opley erhofft sich offensichtlich von ein paar Neon-Farben und einem bisschen digitalem Zauber einen ausreichenden Effekt – der aktuelle Pixar-Film namens „Coco“, der ebenfalls in dieser Woche startete, bietet da eine weitaus aufregendere und fanatasievollere Gestaltung – nicht nur die vom Reich der Toten. Dieses Remake sollte man also besser auslassen.

 

 

 



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