KRITIK

Fischer und seine Frau, Der

Fischer und seine Frau, Der „Chronistin zwischenmenschlicher Befindlichkeiten“ wurde sie genannt. Oder „Spezialistin für Männer, Frauen und die Probleme, die dieses fragile Verhältnis mit sich bringt“. Nach zahlreichen mehr oder weniger erfolgreichen Filmen wie „Männer“, „Ich und Er“ oder „Nackt“, unzähligen Büchern, und einigen Opernaufführungen widmet sich die deutsche Regisseurin Doris Dörrie nun wieder dem Kino.
Und das angeblich nur wegen einer Freundin. Eine amerikanische Freundin der Regisseurin wollte das Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ gerne auf der Leinwand sehen. Diese nette Hintergrundgeschichte verrät uns das Presseheft zum neuen Dörrie-Film.

Das dazugehörige Interview zum Entstehungsprozess wird zudem sicher nicht das letzte Interview zum Film gewesen sein, indem sich die Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin Fragen stellen muss wie „Haben es Männer heute leichter als Frauen?“. Denn eines ist schnell klar: Der neue „Dörrie“ bietet genug Diskussionsstoff. Aber der Reihe nach.

Das Märchen „Der Fischer und seine Frau“ der Gebrüder Grimm liefert Grund und Grundgerüst zum Film. Es geht im weiteren Sinne um einen erfolglosen Mann und seine erfolgreichere Frau. (Wer das Märchen nicht kennt, kann es bei uns unter dem Punkt „Infos“ noch einmal nachlesen.) Dörrie hat die Geschichte über den armen Fischer, der seiner Frau kein guter, weil erfolgreicher Ehemann sein kann und will, ins Deutschland von heute übertragen und mit den angesagten Schauspielern Alexandra Maria Lara und Christian Ulmen besetzt.

Christian Ulmen verkörpert Otto. Otto ist hier kein Fischer, sondern ein Fischhändler. Zusammen mit seinem Studienfreund Leo (gespielt von Simon Verhoeven) kauft er junge Koi-Fische im fernen Japan. Dort lernt Otto die Modedesignerin Ida (überragend dargestellt von Alexandra Maria Lara) kennen. Es entsteht eine Liebe, aus der Liebe eine schnelle Hochzeit und schließlich eine Tochter. Ida träumt von Karriere und Luxus. Sie versucht, ihre eigene Kollektion mit Koi-Mustern – zunächst nur Schals, später ganze Kleider – zu verkaufen, was ihr auch gelingt. Otto kümmert sich um die Tochter und seine Fische. „Die Frau will immer mehr, weil er gar nichts will“, wird Doris Dörrie dazu im Interview zitiert. Die „passive Haltung des Mannes“ bedingt erst die spätere Unzufriedenheit der Frau. Ah ha. Wie schon erwähnt, der Film bietet genug Diskussionsstoff. Bis zu diesem Zeitpunkt eine typische romantische Komödie, wie sie schon oft im Kino zu sehen war, wendet sich im weiteren Verlauf das Blatt. „Warum ist für dich der gegenwärtige Moment immer einer, den es zu überwinden gilt?“ fragt der frustrierte Romantiker Otto plötzlich seine geschäftstüchtige Frau. Ida weiß darauf keine Antwort. Der Zuschauer auch nicht.

Otto sucht wenig später körperliche Nähe in der vernachlässigten Ehefrau seines erfolgreichen Freundes Leo. Und plötzlich erhält Otto den Vorzug im Verteilen von Sympathiepunkten. Doris Dörrie zieht das Tempo an und rast im Affentempo durch den Beziehungsdschungel. Eine vernünftige Charakterzeichnung bleibt dabei auf der Strecke. Garniert wird dieses Beziehungs-Auf-und-Ab durch zahlreiche verunglückte Ideen, wie beispielsweise ein sprechendes Tschagoi-Fische-Paar, die das Paar mit einem Off-Kommentar begeleitet, eine asiatische Katzenstatue, die in ihrer auftauchend unterschiedlichen Größe materiellen Erfolg oder Misserfolg suggerieren soll oder der übertrieben bunten Koi-Kollektion auf Kleidung und an Wänden, die auf Dauer nur noch nervt.

Erst zum Schluss offenbart Ida die Triebfeder ihres Ehrgeizes: Angeblich hat sie ihre Karrierepläne nur betrieben, um einmal ein Liebesgeständnis ihres Mannes zu provozieren – wieder zeigt sich die Postulierung der Abhängigkeit der Frau vom Mann und führt die eigentliche Intention der Erzählung ad absurdum.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Leben ist Zufall: Auf einer Japanreise trifft die Modedesignerin Ida an einer Bushaltestelle die beiden „Fischverkäufer“ Otto und Leo. Die beiden Männer haben sich als „The Flying Fish Doctors“ auf die wertvollen Koi spezialisiert. Schnell verguckt sich Ida in den Veterinär Otto und heiratet ihn noch in Japan.

Wieder in Deutschland angelangt, hausen die inzwischen schwangere Ida und Otto zunächst im Wohnmobil, dann in einer kleinen Sozialwohnung. Während Otto mit Kind und Koi zufrieden ist, bricht die karriereorientierte Ida immer wieder aus der Enge der kleinen Bude aus, um Größeres und Besseres zu erlangen. Selbst nach den vorübergehenden finanziellen Erfolgen und den damit obligaten Umzügen ins komfortablere Reihenhaus und die Villa am See befrieden Idas Unzufriedenheit nicht: Die Spannungen zwischen den beiden eskalieren.

Ihre gemeinsamen Freunde Leo und Yoko (Young-Shin Kim) hingegen leben ein wesentlich luxuriöseres Leben, aber er schafft es nicht, seine frustrierte Frau glücklich zu machen; es kommt für alle Beteiligten zu unerwarteten Wendungen und Ereignissen.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Fischer und seine Frau, Der

  1. Cinderella

    Ein schöner Film. Nicht zu kitschig, nicht zu klischeebehaftet. Die Chemie zwischen Lara und Ulmen stimmt und macht Lust auf mehr. Schöne Unterhaltung.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*