KRITIK

fetten Jahre sind vorbei, Die

fetten Jahre sind vorbei, Die „Am Ende manch eines Unterhaltungsfilms heißt es: Dont´t try this at home! Hier aber muss es heißen: Please try this at home!“ Mit dieser Aufforderung stellt der etwas abgekämpft und übermüded wirkende Regisseur Hans Weingartner an diesem Abend dem gespannten Publikum sein neues Werk vor. Er kommt gerade aus Brasilien, am nächsten Tag soll es weiter nach Island gehen. In über 43 Länder wurde der Film nach dem großem Erfolg in Cannes verkauft. Für Weingartner ein Riesenerfolg und ein Fluch zugleich. Auch das Kino in der mittelgroßen Studentenstadt ist ausverkauft. Es hat sich nicht nur hier herumgesprochen, dass es endlich wieder aufwärts geht mit dem deutschen Film. Und Weingartners Werk trägt einen sehr großen Anteil daran. Der Österreicher mit Sitz in Deutschland hat den Nerv der Zeit getroffen. Die großen Volksparteien in diesem Land behindern sich gegenseitig, von einem „Vorwärtskommen“ ist nichts zu spüren. Nur für die Freunde Jan und Peter geht es vorwärts, denn sie haben einen festen Glauben: den Glauben, auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt mit effektiven Methoden aufmerksam machen zu können. Die kleine Initialzündung einer politischen Revolte, angezündet durch „die Erziehungsberechtigten“.

Die Idee der Erziehungsberechtigten Jan und Peter entbehrt nicht eines gewissen Charmes gleich zu Beginn des Filmes. Die Freunde hören Schlager im Auto und Sekunden später ziehen sie sich die Masken über. Es ist leicht, sich mit den etwas unbeholfen agierenden aber stets mutigen Revoluzzern anzufreunden.

Doch dass die Bebilderung einer Freundschaft mit einer fundierten politischen Überzeugung allein nicht reicht, das hat man schon bei Walter Salles „Die Reisen des jungen Che“ gesehen. Weingartner macht nicht diesen Fehler und setzt auf schöne Bilder und eine sehenswerte Landschaft. Er hat sich für die Digitalkamera entscheiden und outet sich somit einmal mehr als Schauspielerregisseur. Weingartner ist seinen Protagonisten stets auf den Versen. Die sich entwickelnde Liebschaft zwischen Jan und Jule beispielsweise, wird so intensiv festgehalten, dass man die Gefühle auf der Leinwand fast entstehen sieht. Diese Nähe an seinen Darstellern hatte er schon in seinem Erstling „das weiße rauschen“ gezeigt.
Hans Weingartner ist ein hervorragender Schauspierlerregisseur, der hier aber auch auf herausragende Darsteller setzen kann. Die Rollen sind glänzend besetzt. Daniel Brühl spielt Jan als verbissenen Idealisten, der viel Mut hat und vor der „Obrigkeit“ nicht zurückschreckt. Julia Jentsch ist eine Neuentdeckung, der mit Sicherheit die Zukunft gehört. Aber auch Stipe Erceg als Peter kann die Unberechenbarkeit der Figur nach außen hin verkörpern. Hans Weingartner vermag es ganz hervorragend, diesen tollen Darstellern den nötigen Freiraum zu lassen, sie aber zeitgleich so zu führen, dass dieses Potential in eine Stimmung oder eine Energie umgewandelt wird, die von der ersten Einstellung ansteckend ist. Der Film ist weder eine reine Komödie noch ein reines Drama, es ist ein reiner Aufruf an die Zuschauer, getragen durch hervorragende Darsteller: „Please watch this movie and try this at home!“



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INHALT

Dass die Güter dieser Welt ungerecht verteilt sind, ist allen klar. Wie das zu ändern ist hingegen nicht so ganz. Die Freunde Jan und Peter haben ihren eigenen Weg gefunden: Nachts brechen sie in Villen ein, nicht um zu klauen, sondern um das Mobiliar auf den Kopf zu stellen. Ihre hinterlassenen Botschaften lauten: "Die fetten Jahre sind vorbei" oder "Sie haben zu viel Geld" - unterzeichnet mit "Die Erziehungsberechtigten".

Jule, die eigentlich mit Peter liiert ist, und Jan, verlieben sich ineinander. Im Überschwang der Gefühle steigen sie zu zweit in eine Villa ein und werden dabei vom Besitzer überrascht. Dafür haben die selbsternannten ERziehungsberechtigten keinen Plan - und unversehens werden sie zu Entführern...
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Eure Kritiken zu fetten Jahre sind vorbei, Die

  1. Jana

    ErstaunlichToll, dass es wieder einmal einen Film gibt, der das Können deutschsprachiger Filmemacher beweist. „Die fetten Jahre…“ ist wirklich wahnsinnig ergreifend – unbedingt ansehen!

  2. Videofreak

    KlasseEndlcih mal wider ein klasse deutscher Film. Von Weingärtner darf man ja wohl in zukunft noch einiges erwarten. Bin gespannt… Gruss

  3. Tobi

    KlasseHallo zusammen, ein klasse Film, den man nicht verpassen sollte. Alles Gute aus Hamburg

  4. Alleswisser

    Spannung?Hallo Leute, coole Seite.. Wo blieb die Spannung in dem Film? Die Schauspieler waren ok, aber heruasragend? Ich weiß nicht. Eine nette Geschichte, ok aber nur ein durchschnittlicher Film..

  5. Mandodiao

    Super Film tolle Handlung Tolle Schauspieler einfach grandios.

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