KRITIK

Fast & Furious 7

Bilder (c) 2015 Universal Pictures Germany.

Bilder (c) 2015 Universal Pictures Germany.

Mit dem siebten Teil der „Fast and Furious“-Reihe wurde es für die Darsteller persönlich. Das nach vier gemeinsamen Filmen mehr als eingeschworene Team um Hauptdarsteller und Produzent Vin Diesel musste während der Dreharbeiten einen herben Verlust verkraften: Paul Walker, der den rechtschaffenden Antagonisten Brian O´Conner bis auf den dritten Teil der Reihe in allen Folgen des Franchises verkörpert hatte, starb bei einem Autounfall. Die Produktion wurde monatelang unterbrochen, das Drehbuch umgeschrieben und unverzichtbare Szenen durch Stand-ins in Person der Brüder Paul Walkers sowie mithilfe modernster CGI-Technik aus Neuseeland (WETA, „Herr der Ringe“) ersetzt.

„One last ride“ – ein letzter Ausflug also. Und der beginnt für das Team um Dom (Vin Diesel), Letty (Michelle Rodriguez), Roman (Tyrese Gibson) und Co. in einem Flugzeug. Nicht dass die Superhelden aus L.A. ihre Fortbewegungsmittel ausgetauscht hätten, ihre Autos haben sie dabei. Und sie sitzen drin. Nur halt in einem Transportflugzeug. Wer also vermutete, dass „one last ride“ die Grenzen der Logik – sowohl der physikalischen als auch der dramaturgischen – respektiert, der wurde bereits mit den ersten Szenen außerhalb der Stadtgrenzen eines besseren belehrt.

Grund für diesen Ausflug liefert nach diversen skrupellosen mexikanischen (Teil 4) oder brasilianischen Drogenbaronen (Teil 5) sowie ehemaligen Elite-Soldaten (Teil 6) einmal mehr ein auf die „dunkle Seite“ gewechselter Ex-Soldat. Deckard Shaw (Jason Statham), älterer Bruder des zuvor von Dom und Co. überlisteten Owen Shaw (Teil 6), will Rache. Wie ernst es dem ehemaligen britischen Spezialagenten ist, beweist er durch einen tödlichen Anschlag auf das Teammitglied Han (Sung Kang) in Tokio sowie durch einen Anschlag auf den FBI-Agenten Luke Hobbs (Dwayne Johnson) in L.A., der in letzter Minute abgewendet werden kann.

Szene_FF7_webInhaltlich knüpft FF7 damit etwa ein Jahr nach seinem Vorgänger an. Dominic Toretto (Vin Diesel) genießt inzwischen das Familienleben mit Letty, Roman, Tej und Co. in „seinem“ L.A., während sich Brian als Familienvater versucht. Durch ihre zuvor erhaltene Straffreiheit arbeiten die ehemaligen Straßenrennfahrer an einem „Alltag“. Der allerdings jäh unterbrochen wird, als Deckard Shaw mit einem explosiven Geschenk und der Nachricht von Hans Tod um Aufmerksamkeit bittet. Dom Toretto kann diesen heimtückischen Anschlag auf Haus und Familie natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Er bittet bei den US-Behörden um Unterstützung, die ihm in Person von „Mr. Nobody“ (Kurt Russel) gewährt wird. Letzterer verlangt eine Gegenleistung vom Team. Sie sollen das „Auge Gottes“ wiederbeschaffen. Eine Überwachungssoftware in Form eines Peilsenders, der alles und jeden aufspüren kann. Als Belohung darf das Team den Peilsender benutzen, um den geisterhaft auftauchenden Deckard Shaw aufzuspüren. Also, auf in´s Flugzeug!

Wie in allen Teilen zuvor zeichnete einmal mehr Gary Scott Thomson für die Figuren im Drehbuch verantwortlich. Grundlegende Änderungen in Punkto Figurenzeichnung durfte man deshalb nicht erwarten. Weil zudem das Drehbuch einmal mehr von Chris Morgan kam, der seit dem dritten Teil die Abenteuergeschichten rund um das Duo O´Conner/Toretto entwirft, und mit dem simplen schwarz/weiß-Protagonist/Antagonist-Plot von Ableger zu Ableger größere (finanzielle) Erfolge feierte, bekommt auch diesmal die Fangemeinde das, was sie erwartet. Schnelle Autos und schöne Frauen an außergewöhnlichen Schauplätzen. Das ist das Erfolgsrezept, das abermals gekocht wird. Nur sind die Zutaten in diesem Fall andere. Sie sind nicht nur umfangreicher (alle Hauptfiguren der bisherigen Teile tauchen auf) sondern auch exklusiver.

Szene_FF7_3_webNoch mehr als zuvor lebt der 7. Teil von der Hochglanz-Optik, den atemberaubenden Kamerafahrten und hervorragend inszenierten Kampfszenen. Abermals werden zwar geschickt ruhige kitschig-schwülstige Liebes- oder Versöhnungsszenen eingestreut, die aber allein vor dem Hintergrund eines Abschiedes zu 100 Prozent den oftmals gesellschaftskritischen Unterton der ersten Filme ersetzen. Verständlich, dass der vermutlich letzte Teil noch einmal auf dieses Geborgensein in der großen weltumspannenden Straßenrennfahrer-Familie anspielt. Ein fast schon anachronistisches Vorhaben, das auf der ganz eigenen Kumpel-Ethik-Mixtur aus Ehre und Machogehabe basiert.

Aber das große Staraufgebot (Hounsou, Johnson, Statham, Russell), das kurz nach dem Tod des Hauptdarstellers umgeschriebene Drehbuch sowie die Dialoge legen ein Finish der Serie nahe: Das traditionelle Grillfest am Ende eines jeden Films wird hier zum Strandausflug. Immer wieder sind Rückblenden eingebaut. Und die letzten Szenen des Films nehmen den Tod Walkers direkt auf und bebildern ihn symbolisch. Als Dom sein Muscelcar zum unvermeidlichen Showdown startet, sagt er nur: „One last ride.“ Nicht das einzige Statement, das von diesem Film in Erinnerung bleiben wird.

 

 

 



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