KRITIK

Fast & Furious 6

Höher, schneller, weiter: diesem „Credo” der modernen Blockbuster-Industrie fühlt sich seit geraumer Zeit auch Regisseur Justin Lin, Actionexperte des umsatzträchtigen „Fast &Furious”-Franchises, verpflichtet. Konsequenz: Im Jahre 2011 stellte sich der kommerzielle Erfolg des letzten Ablegers „Fast & Furious Five” auf Grund sympathischer Ensemble-Darsteller, zwischen denen die Chemie stimmte, griffigem „Old School”-Storytelling und kompromissloser, zu 85% handgemachter, kerniger Actionsequenzen beim Publikum schnell ein.

CGI-Spielereien fanden im 2011er Action-Schnitt-Gewitter auch nur dann Verwendung, wenn es auch wirklich notwendig war. Justin Lin verstand es in „Fast & Furious Five“ spielend, Althergebrachtes mit denn Mitteln der Moderne zu verbinden, ohne zu viel an visueller Glaubwürdigkeit einzubüßen. Und ließ das Publikum Dank des entstandenen „Fast & Furious Feelings” gar noch einmal in Erinnerungen an alte Klassiker des Action-Genres (von Steve McQueens „Bullit” bis hin zu legendären Buddy – und Survival Trips („Lethal Weapon” und „Die Hard” ließen ebenso bei Betrachtung von „Fast & Furious Five” grüßen) schwelgen. Diesen Erfolg galt es also im Jahre 2013 mit „Fast & Furious 6“ zu wiederholen.

Schafft es Justin Lin also , mit „Fast & Furious 6“ in die eigenen erfolgsverwöhnten Fußstapfen seiner Vorgängerarbeit zu treten? Die Antwort lautet: Nein, er schafft es leider nicht ganz. Die Gründe dafür liegen dieses mal auf der Hand: höher, schneller, weiter bedeutet halt nicht immer, dass „Narration” und visuelle, actiontechnische Spielereien miteinander zwangsläufig Hand in Hand gehen müssen. Bildeten (simple und weniger intelligente ) Rahmen-Erzählung in Verbindung mit der Action im Vorläufer eine noch homogen wirkende Einheit, stellen Regisseur Justin Lin und „Scriptwriter” Chris Morgan die entsprechenden, aktuellen Stellschrauben beim Publikum zwecks kommerziellen Erfolgsdrucks nicht immer perfekt ein.

„Fast & Furious 6“ wirkt als Actionspielerei, trotz eines diesmal witzigen „Crew-Battles” (Dom Toretto und Owen Shaw liefern sich mit ihren Gangs einen am Ende doch denkwürdigen Kampf), Dank einer überflüssigen „Subplot-Einlage” (Michelle Rodriguez beleuchteter Hintergrund und verkaufter Pseudo-Tiefgang als „Letty” wirkt nicht nur reichlich aufgesetzt, sondern auch wie einer Extended-Fassung entliehen) und anschließend hinzu addierter Knast-Rauferei (Brian O´Connor feiert ein Wiedersehen mit einem altem Bekannten, welchen ärgerlicherweise nur beinharte Fast & Furious Franchise-Anhänger in Erinnerung behalten dürften) unnötig in die Länge gezogen. „Fast & Furious 6“ erweist sich am Ende als gut und gerne 15 Minuten zu lang.
Ride or die, remember?” –  Zu Gute halten muss man den Machern allerdings, dass deren vollmundige Ankündigung, man hätte in „Fast & Furious 6” actiontechnisch etwas Einmaliges und Memorables erschaffen zu wollen, zum Großteil der Wahrheit entspricht. Genauer gesagt gehören die in gekonnt inszenerten, wieder frisch wirkenden Action-Climaxes zum Besten, was man in den letzten 10-15 Jahren im Action-Genre bewundern durfte. Während Dwayne Johnson alias „The Rock” und Vin Diesel sich beispielsweise im harten Showdown mit zwei Widersachern (!) gleichzeitig eines der wohl denkwürdigsten und spaßigsten Duelle des gesamten „Fast & Furious” Franchises liefern dürfen, wirken im Gegenzug action-technische Kabinettstückchen bzw. visuelle Patzer, wie beispielsweise Vin Diesels Rettungssprung im Brückenfinale, nicht nur (gewollt) übertrieben, sondern grenzen an Lächerlichkeit.

Justin Lin schießt gerade in solchen (zum Glück wenigen) Momenten mit seiner parodistisch wirkenden „höher, schneller, weiter”-Herrlichkeit etwas zu sehr über das Ziel hinaus, sprich verliert mehr denn je den Fokus aus den Augen, seinen neusten Fast & Furious Ableger als „das” zu etablieren, wofür er nun einmal vorgesehen ist: als eine bodenständige, zünftige „Expandables”-Spaßgranate, welche dem Publikum auf Augenhöhe begegnet, sprich es nicht für „zu dumm” verkauft. „Fast & Furious 6“ büßt gerade Dank erwähnter, im Gegensatz zum Vorläufer „zu” parodistisch wirkender Augenblicke wie dem Brückenstunt beispielsweise deutlich mehr an Glaubwürdigkeit ein. Völlig unnötig.

„You´re in the wrong team, bitch!” – Aber auch Dank Aspekten wie einem „Mehr” an platzierten „One-Linern”, überbordender Selbstreferenzialität (selbst Querverweise zu „Fast & Furious Tokyo Drift lassen sich finden), einem „überdeutlichem” Plus an Markigkeitsgebaren, einem unnötig mit Gina Carano etabliertem Story-Twist, dem dieses mal wieder vorhandenem zelebrieren des „American Way Of Life (etwa wenn die heimliche Familien-Idylle im Gegensatz zum Vorläufer in jetzt noch größerem Maße als bisher wieder gefeiert werden muss) und dem dadurch zwischendurch auftauchendem, leider dann uninteressant werdenden Story-Verlauf gilt dieses mal: ein kleines bisschen weniger von all diesen Zutaten und Justin Lin wäre mit Sicherheit wieder einmal ein „kleines” Genre-Highlight gelungen. Weniger ist halt manchmal dann doch mehr.

Im Hinblick auf die notwendige Gegenspielerzeichnung bzw. Etablierung von Owen Shaw als eiskaltem Widersacher hingegen liefern „Scriptwriter” Chris Morgan und Darsteller Luke Ewans das „Non Plus Ultra” von „Fast Furious 6“ ab. „Owen Shaw” offenbart sich nicht als selbst-überschätztender, sondern als mit stählerner Bond-Attitüde versehener Widersacher, welcher in Sachen Intelligenz eher einem brillant verkörpertem“Silva” aus Sam Mendes solidem Actioner „Skyfall” oder einem überlegen auftrumpfendem „Joker” aus Christopher Nolans „The Dark Knight” zur Ehre gereichen würde. Die Macher beugen sich also etablierten „Genre-Spielregeln” und somit ist“Fast & Furious 6“ in Sachen Gegnerschaft also „endlich” in der „Moderne” angekommen.

Und „Fast & Furious 5“ zumindest in dieser Hinsicht einen kleinen Schritt voraus.  Wenigstens sorgt Regisseur Justin Lin im krachenden Finale sogar für ein bisschen Dramatik und Emotion, wenn es sogar den einen oder anderen Verlust von Dom Torrettos Crew zu beklagen gilt, bedient mit Vin Diesels letztem, heldenhaftem „Aus dem Feuer Auftritt” sämtliche Heldenklischees Hollywoods. Er ist mittlerweile halt auch Produzent der Reihe. Leider fehlt ihm der Mut, in „Fast & Furios 6“ mit den Konventionen des klassischen Actionkinos zu brechen. Denn am Schluss, nach dem ein Überraschungsgast die Bühne betritt, dürfte wohl jedem klar sein: „Fast & Furious” hat sich noch lange nicht erschöpft.

Man darf gespannt sein, wie es mit dem Franchise weitergeht.  Als „Die Hard“ und „Style Over Substance Trip“ empfiehlt sich „Fast & Furious 6“ am Ende immerhin für die härtesten Liebhaber des etablierten Franchises. Der Rest des actionaffinen Publikums dürfte zwar auch seinen Spaß haben, über einige Dinge des neuesten Ablegers hingegen nur den Kopf schütteln. Und am Ende dennoch „etwas“ frustriert zurück bleiben.

  



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INHALT

Im neuen Actionblockbuster FAST & FURIOUS 6 sitzen alle Originalstars der weltweit erfolgreichen Franchise-Serie wieder am Steuer und lassen sich auf ein neues gefährliches Abenteuer ein, das selbst diesen hartgesottenen Piloten das Benzin in den Adern gefrieren lässt. Beim oktanstarken Asphaltduell stehen der immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geratene Dom Toretto (Vin Diesel) und der ehemalige Cop Brian O'Conner (Paul Walker) einmal mehr vor der Frage: Wer sind die Guten? Wer die Bösen? Denn wieder bekommen sie es mit dem ruppigen US-Agenten Luke Hobbs (Dwayne Johnson) zu tun. Die Handlung führt das Team diesmal nach London (wo Piccadilly Circus für eine explosive Action-Sequenz im Shepperton-Studio nachgebaut wurde), Glasgow, Liverpool und Teneriffa. Aber auch Echo Park in Los Angeles zählt zu den Schauplätzen -- hier hat die Serie begonnen, und hier wurde die Autowerkstatt aus dem ersten Teil so wieder aufgebaut, wie sie den Zuschauern noch bestens in Erinnerung ist. Vin Diesel verantwortet zusammen mit Neal H. Moritz erneut die Produktion und Justin Lin inszeniert nun bereits den vierten Film der Erfolgsreihe. (Text: Verleih)
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