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Fast and Furious 8

Bild (c) Universal Pictures International.

Seit nunmehr über 16 Jahren macht Dominic Toretto (Vin Diesel) mit seinen getunten Fahrzeugen die Straßen dieser Welt unsicher. Der US-Amerikaner vollführt haltlose Stunts, propagiert die ungebrochene Stärke der Familie und weicht keinem noch so harten Kampf aus. Während die Hauptfigur der sehr erfolgreichen „Fast and Furious“-Reihe seit acht Filmen ein unumstößlicher Monolith bleibt (mit ebenso starrem Mienenspiel), musste das Franchise selbst die ein oder andere Metamorphose durchlaufen. Was einst als ernsthafter Straßenrennen-Actionfilm begann, hat sich inzwischen in eine Heist- und Spionagefilmreihe verwandelt. Ein Action-Genre-Mix, der auf oftmals plumpe aber immer noch amüsante Weise mit den Augen zwinkert.

Verantwortlich dafür zeichnete in den meisten Fortsetzungen (3-6) der amerikanische Regisseur Justin Lin. Lin führte das Franchise mit einem scharfen Auge für kühne wie mitreißende Action-Inszenierungen und offensichtlicher Toleranz (für den ganzen Unsinn drumherum) mit gleich vier Filmen zu seiner Hochphase. Auch Dank zahlreicher atemberaubender CGI-Effekte. Insbesondere nach dem tragischen Unfall des Darstellers Paul Walker fragten sich jedoch viele Fans, wie es mit den Filmen weitergehen wird. Hauptdarsteller Vin Diesel ließ bereits im Vorfeld verlauten, dass „Fast and Furious 8“ den Anfang einer neuen Trilogie bilden soll. Das ist sicherlich keine falsche Entscheidung. Jeder Teil hatte bisher ein Vielfaches seines Budgets wieder eingespielt. Und in Ansätzen ist in „Fast and Furious 8“ mit dem vielsagenden englischen Originaltitel „The Fate of the Furious“ eine leichte, neue Ausrichtung durchaus zu erkennen.

Zur Story (oder wie man die schnell überschaubare Handlung auch immer nennen möchte): Dominic Toretto verbringt seine ausgedehnten Flitterwochen mit seiner (von den vermeintlich Toten wieder auferstandenen) Ehefrau Letty (Michelle Rodriguez) auf Kuba. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, an einem halsbrecherischen Rennen teilzunehmen. Seinem Cousin droht der Verlust seines Wagens. Und das kann „Dom“ natürlich nicht zulassen. Alles für die Familie. Ein Grundsatz, mit dem Toretto jedoch nur wenig später brechen muss, denn die schöne wie gefährliche Hackerin Cipher (Charlize Theron) hat ein Auge auf den muskulösen Draufgänger geworfen. Dabei hat sie es in erster Linie auf seine kriminellen Fähigkeiten abgesehen. Als Früh-Ruheständler sträubt sich Dom allerdings, der fragwürdigen, neuen Auftraggeberin zu helfen. Natürlich hat Cipher noch ein Ass im Ärmel, um den Rennfahrer umzustimmen.

Dom muss im Zuge dessen seine Freunde, seine Familie und den amerikanischen Geheimdienst verraten und Massenvernichtungswaffen stehlen. Für welchen Zweck, das weiß er nicht genau. Auch CIA-Agent Mr. Nobody (Kurt Russell) versucht, das Mysterium aufzuklären. Er versammelt dazu Torettos Team bestehend aus Letty, Roman (Tyrese Gibson), Tej Parker (Chris ‚Ludacris‘ Bridges), Ramsey (Nathalie Emmanuel) und Hobbs um sich, um der Sache auf den Grund zu gehen und Cipher das Handwerk zu legen. Wenig später stoßen auch der frische CIA-Partner Little Nobody (Scott Eastwood) und der britische Söldner Deckard (Jason Statham), Bösewicht aus dem letzten Film, dazu. Die anschließende Jagd auf das Duo gestaltet sich jedoch keineswegs einfach, denn Dom ist seiner Familie immer einen Schritt voraus.

Natürlich ist die Anzahl der Actionszenen wieder einmal exorbitant hoch, die vermeintlich coolen Sprüche sind meist albern bis schlecht, die Gesten und Posen macho- und lachhaft, die Sentimentalitäten überbordend sentimental – aber das alles machte den Charme der Actionreihe bisher aus. Trotz all dieser Albernheiten und der entsprechenden ironischen Selbstwahrnehmung, driftete das Franchise nie ins lachhafte „Sharknado“- oder „Iron Sky“-Territorium ab. Filme, die hauptsächlich als Veralberung von Genre-Tropen gedacht waren und dem Publikum zu sagen schienen: „Schaut her! Wir wissen alle, wie doof das ist!“ „The Fast and the Furious“ hingegen hatte trotz allem Unfug einen gefühlvollen, wenn auch furchtbar sentimentalen Kern.

Konnte der Zuschauer dank einer durchaus spannend inzenierten Dramatik gerade noch so glauben, dass das Leben einiger Figuren tatsächlich auf dem Spiel stand, sind sie im achten Auftritt mittlerweile zu reinsten „Actionflummis“ mutiert, die scheinbar von jeder Wand abprallen, nur um sich erneut ins Getümmel zu stürzen. Das comichafte nimmt auch in der Inszenierung von Regisseur F. Gary Gray („The Italian Job“) immer mehr überhand. Das kann zwar generell unterhaltsam sein, mitfiebern lässt es das Publikum allerdings nur selten. Auch auf charakterlicher Ebene ist die Reihe stehengeblieben. Das Fehlen von Paul Walker macht sich bemerkbar und ein Teil des Herzens des Teams ist mit ihm verloren gegangen.

So löblich es auch sein mag, ein breites Spektrum an Charakteren immer wieder zusammen zu führen, für viele Darsteller bleibt einfach zu wenig Platz, so dass die Frage erlaubt ist, warum sie überhaupt auftreten. Offensichtlich wusste auch niemand wirklich, was man mit einer Schauspielerin vom Kaliber einer Charlize Theron anfangen soll. Ihre Cipher darf fast nur langatmige, evolutionstheoretische Monologe führen oder in Räumen mit vielen Computern Befehle durch die Gegend bellen und die Handlungen des Films erklären. Im Drei-Minuten-Trailer des später in diesem Jahr startendem „Atomic Blond“ hat sie mehr zu tun als im gesamten „Fast and Furious“-Film.

Die Zankereien, Prügeleien und die verliebten Augenblicke zwischen Statham und Dwayne ‚The Rock‘ Johnson sind angemessen amüsant, allerdings muss gerade Stathams Figur einiges seiner Bedrohlichkeit aus dem letzten Film einbüßen. Viele Gastauftritte wirken unmotiviert und der Zuschauer benötigt fast schon etwas zu viel Wissen über die „Fast and Furious“-Mythologie, um sich zu erinnern, wer mal mit wem gekämpft und wer mit wem ein kleines Stelldichein hatte. Zumindest Haudegen Kurt Russell ist immer wieder eine angenehme Präsenz und mit einem Dauergrinsen offensichtlich mit dem meisten Spaß dabei. Scott Eastwood darf immerhin als armseliger Fußabtreter und Ziel aller schlechten Scherze herhalten, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

An Action-Setpieces spart Regisseur Gray gewiss nicht. Außerdem gibt er seinem Publikum zwischendurch immer wieder genügend Zeit zum Durchatmen. Insbesondere in der Mitte des Films bietet Gray mit einer ganzen Armada von geschrotteten Smart-Autos, die als Straßenblockaden und Geschosse verwendet werden, eine der einfallsreichsten Actionsequenzen des Films. Ansonsten präsentiert sich alles wie gehabt, aber immerhin durchaus unterhaltsam.

Auch wenn die Karten nur ein wenig neu durchgemischt werden, so traut sich die Fortsetzung kaum, den Kinobesucher zu überraschen. Auch wenn sich das Action-Franchise in den letzten vier bis fünf Episoden als alberner Spaßmacher ohne Sinn und Verstand präsentierte und sich damit quasi gegen jedwede Kritik kugelsicher machte, hätte der ein oder andere erzählerische Fehltritt mit ein wenig mehr Mühe vermieden werden können. Auch mit einem permanentem ironischem Augenzwinkern sollte kein Actionfilm einen Freifahrtschein bekommen.

 

 

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