KRITIK

Fanboys

Fanboys Wer bislang ganz arglos glaubte, unter islamistischen Terroristen, irren Sektenführern oder ergebenen Fußballfans die fundamentalistischsten Fanatiker ausgemacht zu haben, der hatte noch nie mit den eingefleischten Fans kulthaft verehrter Film- oder Serienuniversen zu tun. Fan ist schließlich die Abkürzung von Fanatiker, und wer je ein böses Wort gegen „Star Wars“, „Star Trek“, „Herr der Ringe“ oder vergleichbare popkulturelle Religionsersätze verloren hat, kennt sie gut, die Wut und Erbsenzählereien jener verschworenen Anhängerschaften.

Ein Film über Fans hätte also eine schöne Satire werden können, über allzu ernst genommene Hobbies etwa, über Kind gebliebene Erwachsene oder schräge Subkulturen, doch Kyle Newmans „Fan­boys“ zündet nicht: Harmlos und konventionell ist diese „Road Trip“-Geschichte um vier „Star Wars“-Fans, die sich anno 1998 aufmachen, um George Lucas erste neue Sternenkriegs-Episode von seiner Ranch zu stehlen und vor allen anderen zu sehen.

Dabei konnte man gespannt sein – nach den bisherigen Queruelen um den Film. Zwei Jahre ist „Fanboys“ schon fertig, doch Produzentenmogul Harvey „mit den Scherenhänden“ Weinstein wollte den Film umgeschnitten (weil ihm die tödliche Krebserkrankung eines der Protagonisten nicht behagte) in den Videotheken versenken. Es kam zu, genau, Fan-Protesten, so dass jetzt doch die Fassung des Regisseurs ins Kino kam.

Auf seine Kosten kommt jedoch nur der, für den postmoderne Zitierwut allein schon eine gute Komödie ausmacht: Kaum eine Minute vergeht, in der nicht auf das „Star Wars“-Universum, auf die ewige Rivalität mit den „Star Trek“-Jüngern oder auf sonstige Pop-Ikonen angespielt wird, in der keine Promis durchs Bild laufen. Das hat seinen flüchtigen Reiz – besonders wenn Ex-„Kirk“ William Shatner sich mit Gusto selbst auf die Schippe nimmt oder Harry Knowles, das Urbild aller nervigen Internet-Filmkritiker, parodiert wird. Doch in der Summe kommt kaum mehr als eine eher schlecht als recht zum Roadmovie verknüpfte Sketchparade dabei heraus.



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INHALT

1998. Der Star Wars-Hype ist wenige Wochen vor dem Kinostart von "Episode I" auf dem Höhepunkt. Gerade jetzt müssen die eingefleischten Fans Hutch, Windows und Eric erfahren, dass ihr alter Schuldfreund Linus an Krebs erkrankt ist und die Premiere des heiß ersehnten Werks vermutlich nicht mehr erleben wird. Um ihm eine letzte Freude zu bereiten, schmieden die Jungs einen waghalsigen Plan: Sie wollen in George Lucas Skywalker-Ranch einbrechen, um eine Filmkopie von "Episode I" zu klauen und dem todkranken Linus vorführen zu können.
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