KRITIK

Familie Stone, Die – Verloben verboten!

Familie Stone, Die - Verloben verboten!
Everett Stone (wie immer blass: Dermot Mulroney) hat gehörigen Bammel davor, seine Verlobte Meredith (Sarah Jessica Parker) an Weihnachten seiner Familie vorzustellen. Zum einem, weil er seine Mutter (Diane Keaton) um den traditionsbesetzten Diamant-Verlobungsring der Großmutter bitten will (weswegen diese Komödie im Original auch „The Family Stone“ heißt); zum anderen, weil er um die Lust am Piesacken in seiner Sippe weiß. Seinen Geschwistern ist die Auserwählte prompt zu verklemmt, weswegen sie Meredith rüde auflaufen lassen. Doch auch die Eltern, Bilderbuchliberale mit Tendenz zum Toleranz-Terrorismus, hätten sich für den Ältesten wohl eher einen trunksüchtigen Transvestiten gewünscht, als diese spießige Finanz-Zicke. Kein Wunder, dass auch Everett unterm Tannenbaum langsam Zweifel an seinem Frauengeschmack kommen, Muttersöhnchen, das er ist.

Regisseur und Drehbuchautor Thomas Bezucha hat das Kunststück vollbracht, einen der konservativsten Filme der letzten Jahre als aufgeklärte, slapstickfröhliche und marihuanaselige Weihnachtskomödie im „Wonder Boys“-Milieu zu tarnen. Sinnfällig für den Familien-Ungeist ist die Figur des Lieblingssohns der Stones. Der ist schwul, taub und hat einen schwarzen Freund, mit dem zusammen er ein Baby adoptiert. Der also bürgerlicher lebt, als die Bushs erlauben, und überhaupt so vorbildlich nett ist, dass einem übel wird.

Es sind ausnahmslos gute Schauspieler versammelt, die aber bis zur Hüfte im Kitsch der Geschichte versinken. Besonders um Diane Keaton tut es einem leid. Für Schauspielerinnen eines gewissen Alters gibt es in Hollywood bloß noch zwei Rollen, nämlich die krebskranke Mutter und die frivole Oma. Für letzteren Part ist die Keaton noch nicht reif genug, außerdem übernimmt ihn derzeit in allen Filmen Shirley MacLaine.



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INHALT

Die Familie Stone kommt wie immer in trauter Harmonie zum Weihnachtsfest zusammen. Voll froher Erwartung reist auch Everett Stone zu Weihnachten heim, um allen seine neue Freundin Meredith Morton vorzustellen, eine erfolgreiche und selbstbewusste Geschäftsfrau aus New York. Er will um ihre Hand anhalten, sie will annehmen. Doch leider entspricht Meredith so gar nicht den Idealvorstellungen der linksliberalen und intellektuellen Stones, was diese sie auch deutlich spüren lassen. Also ruft Meredith ihre Schwester Julie zur seelischen Unterstützung auf den Plan. Denn vielleicht haben sie die Rechnung ohne Meredith gemacht...
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Eure Kritiken zu Familie Stone, Die – Verloben verboten!

  1. Critic

    Um Kopf und KragenMit feinem Humor, einem Sinn für Slapstick und messerscharfen Schlagabtauschen lässt Regisseur Bezucha die explosive Situation durch die Ankunft von Meredith’ bildschöner Schwester Julie (Claire Danes) eskalieren, bis nach einer wilden Pointenjagd das Liebes- und Familienglück schließlich in Deckungsgleichheit geraten. Dabei holt die Krebserkrankung von Mutter Sybil (Diane Keaton) den Film, der stellenweise in die Höhen der hysterisch-klamottigen Weihnachtskomödie im verschneiten Neuenglandromantik-Dress zu entfliehen droht, immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und verleiht somit dem belanglosen Paarungsspiel eine sentimentale Kehrseite. Überdies gibt sich der Film durch die freigeistigen Ansichten der Familie Stone, in der ganz selbstverständlich über Haschisch, Sex und die Homosexualität von Sohn Thad geplaudert wird, betont liberal. Die Toleranzgrenze der Stones und auch diejenige der unbeschwerten Liebeskomödie à la Meine Braut, ihr Vater und ich (Meet the Parents, 2000) beginnen jedoch dort, wo Meredith sich mit naiv-konservativem Geplapper über Homosexuelle um Kopf und Kragen redet.

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