KRITIK

Fading Gigolo – Plötzlich Gigolo

Bild (c) 2014 Concorde Filmverleih.

Bild (c) 2014 Concorde Filmverleih.

Es ist eine relativ verwegene Idee: Der 57-jährige Schauspieler („O Brother, Where Art Thou?“) und Regisseur („Passione“) John Turturro, der bislang nicht gerade als Schönling der Leinwand bekannt war, besetzt sich selbst als Gigolo, genauer als Prostituierten. Seinen Zuhälter gibt ein anderer Regisseur, niemand Geringerer als Woody Allen, der inzwischen 78 Jahre alt ist. Ob das klappt?

Damit nicht genug: Die frustrierten Damen, die im Film professionell beglückt werden, spielen ausgerechnet Sharon Stone und Vanessa Paradis, zwei Weiblichkeits-Ikonen, die im letzten Vierteljahrhundert Film- und Popgeschichte auf je sehr eigene Weise mit femininen Rollenbildern und männlichem Begehren jonglierten. Womöglich aber ist die Art, wie diese Darsteller hier konsequent gegen ihre Images besetzt wurden, bereits das Interessanteste an dieser Tragikomödie: Die Spielorte im herbstlichen New York, die launigen Dialoge scheinen direkt dem Woody-Allen-Universum entsprungen zu sein, doch mit den dramatischeren Tönen gehen sie nicht ganz zusammen.

Szene_FadingGigoloAllen spielt den soeben bankrott gegangenen Buchhändler Murray, der eher zufällig vom Wunsch seiner Hautärztin (Stone) erfährt, eine lustvolle Nacht mit der besten Freundin und einem virilen Lover zu erleben. Ob er einen geeigneten Kandidaten wisse? Murray vermittelt – gegen Provision – seinen Kumpel, den Floristen Fioravante (Turturro). Die bezahlte Nacht verläuft so gut, dass bald weitere Aufträge folgen. Der Dienst an der jüdischen Witwe Avigal (Paradis) erweist sich allerdings als kompliziert. Nicht nur, weil Fioravante sich verliebt, sondern auch, weil Avigal von ihrer streng chassidischen Gemeinde gegängelt wird.

Dass Woody Allen am Drehbuch zu diesem Projekt mitgewerkelt hat, spürt man sofort. Die Figur des neurotischen New Yorkers Murray unterscheidet sich kaum von seinen üblichen Woody-Figuren („Scoop – Der Knüller„, „Im Bann des Jade Scorpions„). Überraschend dagegen ist, wie souverän Turturro die in dieses Thema schroff hineinragenden Schlüpfrigkeits- und Altherrenwitzklippen umschifft. Trotzdem zündet „Plötzlich Gigolo“ nicht ganz: Als Komödie ist der Film schlicht nicht witzig genug, für ein gestandenes Melodram fehlt es dann doch an Tiefe.

 




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