KRITIK

fabelhafte Welt der Amelie, Die

fabelhafte Welt der Amelie, Die Jean-Pierre Jeunet kann auch in Spielfilmen Bilderwelten entstehen lassen, in „Delicatessen“ (1991), der „Stadt der verlorenen Kinder“ (1995) und im sagenhaften Schicksal der Amélie Poulain. Diese Welten sind fantastisch und kurzweilig, beliebt beim Publikum und beargwöhnt von den Kritikern. So ist die Welt der Amélie in Cannes als Festspielbeitrag abgelehnt, aber von über 6 Millionen Franzosen gesehen worden, mit dutzenden Millionen Fördergeldern und zu großen Teilen in Köln gedreht, aber auch an originalen Orten (Gemüseladen und Bistro) und digital bearbeiteten Parisbildern.

Den Figuren, die auftauchen und wieder verschwinden, werden mit Worten und Bildern Vorlieben und Abneigungen im Sekundentakt angedichtet. Dem Erzählfaden (?), der Liebesgeschichte von Amélie und Nino (Matthieu Kassovitz), wird in barocker Vielfalt Nebensächliches gleichgewichtet zur Seite gestellt. Running Gags wie der weltreisende Gartenzwerg oder Klamauk haben ebenso ihren Platz wie die TV-Traumwelten Amélies. Cinemagic und Comickultur treffen sich hier ebenso zusammen wie Zitate und Anspielungen auf Literatur und vor allem Film. (Könnte nicht Amélies weißes Kaninchen aus Wolken auch Alice durchs Wunderland führen? Ist nicht eine Fliege in „Jules et Jim“ Beweis für den Zufall?)

Natürlich dürfen beim Montmartre die Maler, Katzen und weitere Klisches nicht fehlen. Nicht Poesie oder dichte Beschreibung sondern eine hochwertige Werbeclipästhetik dominiert, die mit extremen Close-Ups, verzerrenden Weitwinkeln, Zeitraffern, Stakkato-Schnitten und allen sonstigen Mitteln modernen Kinos arbeitet.

Der Film bildet ein Gegenüber zur Nouvelle Vague, spielt mit Zitaten und lässt ein Feuerwerk an Ideen und Bildern explodieren. Audrey Tautou ist eine Entdeckung, obwohl dieser Film sicherlich kein Film für Schauspieler ist. Dafür können die Bilder ein bildversessenes Publikum begeistern.



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INHALT

Das sagenhafte Schicksal der Amélie Poulin. Manche Menschen unterstehen dem Zufall, andere gestalten ihn. Amélie Poulain tut beides. Als kleines Mädchen schießt sie Fotos. Als zum gleichen Zeitpunkt ein Unfall geschieht, wird ihr von einem Fahrer die Schuld gegeben. Zuerst verbindet sie alle Unglücksfälle der Welt, die sie im Fernsehen sieht, mit ihrem Hobby, bis sie einsieht, dass der Fahrzeuglenker ihr nur Angst machen wollte. Sie rächt sich, indem sie bei einem Fußballspiel zu den spannendsten Momenten kurzerhand und unerkannt das Antennenkabel herauszieht... Nach dem gleichen Prinzip gestaltet sie, nachdem Jean Pierre Jeunet kurz die sagenhafte Kindheit der Amélie bebildert hat, ihr Leben als Kellnerin im Bistro Les deux Moulins am Montmartre. Am Todestag von Lady Di, der "Königin der Herzen", fällt eine Kugel im Bad der Protagonistin gegen eine lockere Kachel. Dahinter findet Amélie eine Dose mit Zinnfiguren und alten Bildern, die ein Junge vor rund 50 Jahren dort versteckt haben muss. In ihrer Freizeit macht sich nun die junge Französin auf, den Besitzer ausfindig zu machen und die Dose in seine Hände und Erinnerung zu bringen. Phantasievoll und unerkannt tut sie dies, wie ein unsichtbarer Engel. Ihre selbstgesetzte Aufgabe lautet nun, anderen zu ihrem Glück zu helfen: dem blinden Mann auf der Straße, der hypochondrischen Kollegin, dem gehänselten Gehilfen des Gemüsehändlers, ihrem Vater und vielen anderen. Als sie dann Nino kennen lernt, der zerrissene Passbilder unter Passbildautomaten sammelt und wieder zusammensetzt, schlägt ihr Herz sichtbar schneller. Doch muss er erst die Anforderungen des Schicksals meistern, das Amélie gestaltet, um ihr nach vielen Irrungen und Wirrungen in den Armen zu liegen.
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Eure Kritiken zu fabelhafte Welt der Amelie, Die

  1. Cineast

    Zuckerwatte…Hach, wie schön kann das Leben doch sein. Amelie kann uns alle so glücklich machen. Ein Film der Kategorie: Seht her, und die Moral von der Geschicht…!? Nein, nicht wirklich. Selbst Hardald Schmidt, Sat1-Talker und Lästermaul fand diesen Film toll, obwohl er nachher richtig aggressiv war. Ich war zwar nicht aggresiv aber

  2. Peter

    Frankreichs Kinohit des Jahres: Eine wunderbare leichte, von Einfällen sprühende, märchenhafte Komödie um die Pariser Kellnerin Amelie, die sich ihre Welt durch Träume passend macht. Jean-Pierre Jeunets Film ist ein Juwel…

  3. UIli

    Leben verändern..Kann Kino das Leben verändern? Jedenfalls zogen viele Franzosen nach dem Besuch dieser magischen Liebesgeschichte los, um wie die Titelheldin ihren Mitmenschen Gutes zu tun. Im großartigen Werk des „Delicatessen“-Regisseurs Jean-Pierre Jeunet ist es Audrey Tautou, die mit bezauberndem Charme dem Schicksal ihrer Mitmenschen auf die Sprünge hilft. Herzergreifend!

  4. tine

    o.k., bin überzeugt!alle erzählen einem von diesem film. dann klappt es doch wieder nicht mit dem kinobesuch, man liest was negatives, fragt sich: soll ich trotzdem? dann wieder begeisterte stimmen … und an einem samstag abend geht man dann endlich in |amelie| … 2 stunden später weiss man was alle gemeint haben und fragt sich, warum man die letzten wochen so sinnlos hat verstreichen lassen .. anstatt sich diesen film anzuschauen.

  5. Beaux

    Immer wieder schön!Ein Film, der prägt. Vorher und nachher hat es nicht wieder solch einen Film gegeben. Er sollte als Klassiker in jedem VHS/DVD-Regal stehen!

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