KRITIK

Ewige Jugend

Plakat_Ewige_JugendDer italienische Regisseur Paolo Sorrentino gilt als „neuer Fellini“ – spätestens seit seinem letzten Film „La Grande Bellezza„, der einen gealterten Society-Journalisten durch die römische Schickeria traumwandeln ließ wie Marcello Mastroianni in „La Dolce Vita“. Und dafür unter anderen auch mit dem Oscar geehrt wurde. Klar, dass Sorrentino nun nicht lange bitten muss, damit Altstars wie Michael Caine, Harvey Keitel oder Jane Fonda bei ihm mitspielen.

In „Ewige Jugend“ ist viel von dem geblieben, was auch die letzten Filme des Regisseurs kennzeichnete: die Perspektive gealterter Menschen, die streng symmetrischen Totalen des genialen Kameramanns Luca Bigazzi, die surrealen Intermezzi. Als Schauplatz dient ein mondänes Schweizer Wellness-Hotel in den Bündner Bergen – ein Update von Thomas Manns „Zauberberg“. Komponist Ballinger (Caine, 82 Jahre) und Filmregisseur Boyle (Keitel, 76 Jahre) verbringen dort einen mehrwöchigen Kururlaub. Zwischen Fangopackung und Bergspaziergang schwelgen sie in Erinnerungen an berufliche und erotische (Irr-)Wege und informieren sich gegenseitig über den Stand ihrer Prostataprobleme. Während sich Ballinger nicht mal von Gesandten der Queen dazu überreden lassen möchte, noch einmal sein größtes Werk zu dirigieren, arbeitet Boyle beharrlich und vergeblich an einem letzten großen Film.

Szene_Ewige-JugendUm die Männer herum gruppiert sich ein herrlich barockes Figurenkabinett, das vom prallbäuchigen Diego-Maradona-Double über echte Schriftsteller (Robert Seethaler) bis hin zur venusgleich in den Hotelpool steigenden Miss Universum reicht und lauter Suchende und Fehlgehende präsentiert. Rachel Weisz („Der ewige Gärtner“) spielt Ballingers frustrierte Tochter, Jane Fonda rauscht als Boyles Muse vorbei, und als tanzende Masseuse glänzt Filmfestival-Münster-Jurymitglied Luna Zimic Mijovic.

Sorrentinos „Ewige Jugend“ ist ein Film über die Brutalität der verstreichenden Zeit und nicht frei von Sentimentalitäten. Doch die unwiderstehliche Mischung aus Ironie und Melancholie, die Caine und Keitel dem Film injizieren, verleiht selbst den Altherrenwitzen Würde. Eine Augenweide sind Sorrentinos Bilder, die zwischen fliegendem Mönch, Kuhglockendirigat und überflutetem Markusplatz immer wieder die Grenzen zwischen Traum und Realität verwischen. Sehenswert.

 




Ähnliche Beiträge:

INHALT

Die alten Freunde Fred (Michael Caine) und Mick (Harvey Keitel) teilen in den Bergen zwar ihr idyllisches Feriendomizil, ein elegantes Wellnesshotel mit fast schon magischer Ausstrahlung, haben aber was ihr Alterswerk betrifft komplett verschiedene Vorstellungen. Während der berühmte Komponist und Dirigent Fred sich dem süßen Nichtstun hingibt, treibt den geschäftigen Regisseur Mick sein neustes Filmprojekt um, das durch die Launen seiner Muse Brenda (Jane Fonda) zu platzen droht. Freds Erholung stört dagegen ein Abgesandter des Buckingham Palace: Die Queen höchstpersönlich möchte die „Simple Songs“ angeleitet durch ihren Schöpfer selbst hören – ein Angebot, das Fred rundheraus ablehnt, sehr zum Leidwesen seiner Tochter und Managerin Lena (Rachel Weisz). Lieber möchte der Komponist zusammen mit seinem Freund Mick und dem skurrilen Schauspieler Jimmy (Paul Dano) relaxen, über das Leben philosophieren und die Macken der anderen Gäste kommentieren. (Text: Wild Bunch Filmverleih)
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*