KRITIK

Everybody`s Fine

Everybody`s Fine Endlich: Robert De Niro mal wieder in Topform. Lange genug hat sich der Star-Schauspieler in routinierten Klamotten („Inside Hollywood“) und Krimis („Kurzer Prozess“) als Star vom Fließband engagieren lassen – bis man sich schon fragte, ob der Mann da auf der Leinwand, der die immer gleichen Manierismen abruft, noch der gleiche war, den man jahrzehntelang als Genie seiner Zunft geschätzt hatte.

Jetzt darf jeder Zuschauer mal wieder richtig bewundern, wie De Niro alle Register zieht zwischen Enttäuschung und Freude, Beschämung und Zorn – und das ausgerechnet in einem Remake. „Allen geht´s gut“ hieß der italienische Film, den „Malèna“-Regisseur Giuseppe Tornatore 1990 mit dem 65- jährigen Marcello Mastroianni in der Hauptrolle drehte. „Everybody´s Fine“, inszeniert von Kirk Jones („Eine zauberhafte Nanny“), verlegt die Handlung nun frei variierend nach Amerika, bleibt dabei aber die Geschichte einer allmählichen, fast psychoanalytischen Entblätterung: Ein Witwer muss erfahren, dass seine Familie nicht (mehr) die ist, für die er sie hielt. Rentner Frank Goode hat sein Leben lang gewissenhaft für eine Kabelfirma geschuftet, dann starb seine Frau. Die vier Kinder leben längst ganz woanders, angeblich aber erfolgreich und glücklich mit dem, was sie machen, und mit den Menschen, mit denen sie zusammenleben.

Dann aber sagen alle Kinder den längst besprochenen Besuch in der Heimat ab, und Good zieht los wie damals Mastroianni, um sie nacheinander überraschend zu besuchen. Die Stationen sind ernüchternd: David, der Künstler in New York, macht die Tür nicht auf (und hat dafür traurige Gründe), die Business-Frau Amy (Kate Beckinsale) lebt in Chicago von ihrem Mann getrennt, Robert (Sam Rockwell) ist kein berühmter Dirigent, sondern ein kleiner Schlagzeuger, und auch die Tänzerin Rosie (Drew Barrymore) lebt weit entfernt vom Glück.

Diese episodisch inszenierte Etappenfahrt einer Entzauberung gelingt Jones nicht minder gut als damals Tornatore – wenn bloß nicht seine Bildsprache so aufdringlich wäre: Die immer wieder in Szene gesetzten Kabelmasten als Metaphern für die Kommunikationsunterlassungen im Leben des Kabelexperten Goode werden ein bisschen arg überstrapaziert.

Und das versöhnliche Finale am Krankenbett ruiniert in seiner Überzuckerung beinahe den ganzen Film. Immerhin: An De Niros rührend unpathetischer Performance kann das nicht mehr kratzen.



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INHALT

Nach dem Tod seiner Frau fehlt Frank der Mittelpunkt und seinen vier erwachsenen Kindern der Mensch, mit dem sie ihr Leben besprechen und teilen konnten. Um dieser Mensch für sie werden zu können, bricht Frank zu einem Road Trip inklusive Überraschungsbesuch auf. Zwei Töchter und einen Sohn trifft er an, doch sie verbergen, wie es wirklich um sie und um den abwesenden Bruder steht. Doch Frank durchschaut die Lügen, bleibt fest entschlossen, die Familie zu vereinen und den Kindern das Gefühl zu geben, dass alles wieder gut werden könnte.
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