KRITIK

Everybody Wants Some!!

Bild (c) 2016 Constantin Film Verleih.

Bild (c) 2016 Constantin Film Verleih.

In seinem Langzeitprojekt „Boyhood“ verfolgte Richard Linklater über zwölf Jahre hinweg das Heranwachsen eines Jungen. In den „Before Sunrise„-Filmen begleitet der Texaner seit zwanzig Jahren das Wohl und Wehe eines Paares: Wesentlicher Bestandteil dieser Projekte ist die Melancholie der vergehenden Zeit. Auch „Everybody Wants Some!!“, Linklaters neue Komödie, lässt diese Wehmut bisweilen durchscheinen; auch sie spielt in transitorischer Zeit, im Übergang von der Jugend zum Erwachsensein.

Der Regisseur selbst bezeichnet sie als „Sequel im Geiste“ zu seinem autobiografischen Kultfilm „Dazed and Confused“, der 1993 entstand und 24 Stunden lang feiernde Teenies zeigte, in den Sommerferien 1976. Der Nachfolger deckt nun die letzten 72 Stunden vor Beginn eines College-Semesters ab, im Sommer 1980. Wie üblich braucht Linklater dafür keinen ausdefinierten Plot; ihm reicht eine lockere Szenenfolge, ein Typen-Tableau: Manche Figur driftet nur vorbei, bei anderen verweilt die Erzählung länger. Doch während in „Dazed and Confused“ die Nerds im Vordergrund standen, befasst sich der neue Film mit den Sportlern, den sogenannten Jocks.

Szene_Everybody_WS_2Lose im Mittelpunkt steht Jake (Blake Jenner), der an einem College in der texanischen Provinz aufschlägt. Bis es losgeht, wird mit den Kumpels aus dem Team abgehangen: drei relaxte Tage Party, ein bisschen Liebe. Der Soundtrack reanimiert die Charts der Zeit, Pink Floyd, Queen, Van Halen, Foreigner etc.. Weil es aber in erster Linie um Baseball geht (und Linklater eine der besten Baseball-Szenen der Filmgeschichte inszeniert), dürfte es der bemerkenswert frei dahingroovende Film in Deutschland, wo das Interesse an dieser Sportart sehr überschaubar ist, schwer haben.

Dabei funktioniert er nicht nur als Komödie, sondern auch als hochinteressante Momentaufnahme einer Zeit, als in den USA die freie Liebe noch nicht durch Aids verschattet war und der konservative Zeitgeist der Ära Reagan gerade erst begann, eine Epoche der Gegenkultur unter sich zu begraben. Sehenswert.

 

 

Kritikerspiegel Everybody Wants Some!!



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt, filmgazette
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
7.5/10 ★★★★★★★½☆☆ 


 

Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

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