KRITIK

Escobar

Bild (c) Alamode Film.

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Er war der größte Drogenboss der 1980er Jahre, und in Kolumbien wird er heute noch von vielen als eine Art Robin Hood verehrt: Pablo Escobar, Kopf des berüchtigten Medellín-Kartells, das ganz Amerika mit Kokain versorgte und dafür über ungezählte Leichen ging, inszenierte sich in seiner Heimat als Wohltäter.

Mehr als zwanzig Jahre nach seinem gewaltsamen Tod, fasziniert Escobar nach wie vor: Noch bevor der Streamingdienst Netflix den charismatischen Paten im August ins Zentrum seiner neuen Serie „Narcos“ stellt, kommt jetzt „Escobar“ ins Kino, das Regiedebüt des italienischen Schauspielers Andrea Di Stefano.

Szene_EscobarDi Stefano nähert sich dem Koks-König von außen. Er erzählt die Geschichte des sehr jungen und sehr naiven Kanadiers David (Josh Hutcherson aus der „Tribute von Panem“-Reihe), der an der kolumbianischen Küste eine Surfschule bauen will und sich in Maria (Claudia Traisac) verliebt – die Lieblingsnichte Escobars. Ein paar kleinere Gefallen später steckt David schon knietief drin im schmutzigen Geschäft, und als der Boss den Kampf gegen die Staatsmacht zu verlieren droht, gerät der Surfer ungewollt ins moralische Fegefeuer.

Obgleich der Film eher als Thriller denn als Biopic funktioniert, steht Oscar-Preisträger Benicio Del Toro („Traffic“) in der Titelrolle doch unangefochten im Mittelpunkt: Nuanciert wechselt er zwischen der Jovialität des Patriarchen, den er auf seiner majestätisch über dem Meer thronenden Hacienda verkörpert, und der sadistischen Kaltblütigkeit des Drogengroßhändlers, als der er in die Kriminalgeschichte einging. Der Nachteil: Gegen Del Toros bedrohliche Präsenz kommt der Rest der Besetzung kaum an.

 




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